Corona und Alltag: Kaum Corona-Partys am Samstag

Das öffentliche Leben in Deutschland wird weiter runtergefahren. Italien vermeldet so viele Tote wie nie zuvor. In Großbritannien spitzt sich die Lage zu.

Polizist und Radfahrer

Ausgangssperre in Italien: Zwei Polizisten stoppen einen Radfahrer Foto: dpa

HAMBURG/BERLIN/POTSDAM/ROM/LONDON dpa/rtr/taz | Nachdem Hamburg am Freitag mit einer neuen Allgemeinverfügung das öffentliche Leben in der Hansestadt weiter eingeschränkt hat, halten sich die meisten Bürger an die Regeln. Insgesamt sei das öffentliche Leben sehr ruhig geworden, teilte ein Polizeisprecher am Samstag mit. Bis dahin habe die Polizei nur in verschwindend geringer Zahl tätig werden müssen, wenn etwa Läden trotz Verfügung noch geöffnet waren, weil manche das Verbot noch nicht mitbekommen hätten. Größere Menschenansammlungen oder sogenannte Corona-Partys mussten demnach nicht aufgelöst werden.

In Potsdam gelten für die Bürger wegen der Gefahr durch das Coronavirus ab Sonntag weitere Einschränkungen. Ab dann sei die Außenbestuhlung an Cafés und Restaurants untersagt, kündigte Mike Schubert (SPD), Potsdamer Oberbürgermeister, am Samstag an. Er hoffe, dass die Länder Berlin und Brandenburg zudem eine gemeinsame Regelung zu den Öffnungszeiten von Gaststätten finden, sagte er.

In Berlin wurde unterdessen mitgeteilt, dass Gaststätten mit Tischbetrieb ab Sonntag für den Publikumsverkehr schließen müssen. Sie dürfen aber weiter Speisen und Getränke zur Abholung oder zur Lieferung anbieten.

Die Lage in der Lombardei spitzt sich unterdessen zu. Binnen 24 Stunden sind 546 Menschen an dem Coronavirus gestorben – so viele wie nie zuvor binnen eines Tages. Die Zahl der Virus-Toten in der norditalienischen Region sei damit auf insgesamt 3.095 gestiegen, teilten die Behörden am Samstag mit. Die Zahl der Erkrankten in der Lombardei ist den italienischen Behörden zufolge um 3.251 auf 25.515 gestiegen. Die Lombardei ist die am stärksten vom Virus-Ausbruch betroffene Region in Italien.

Für das ganze Land meldet der Zivilschutz 800 Tote an nur einem Tag und damit so viele wie seit dem Ausbruch in dem Land nicht. Insgesamt stieg die Zahl der Toten laut Zivilschutz auf 4.825. Damit sind – gemessen an den Angaben der jeweiligen Behörden – in keinem anderem Staat mehr Menschen an einer Infektion mit dem Virus gestorben.

Dramatische Lage in Großbritannien

In Großbritannien spitzt sich die Coronavirus-Krise ebenfalls zu. „Wir wissen, was auf uns zukommt – und wir wissen, dass das gewaltig sein wird“, zitierte der Fernsehsender Sky News am Samstag einen Mediziner aus einem Londoner Krankenhaus, der anonym bleiben wollte. Die Lage in Großbritannien könnte ihm zufolge noch verheerender als in Italien werden. Aus Mangel an Kapazitäten und Ausstattung würden er und seine Kollegen künftig Entscheidungen über Leben und Tod treffen müssen – und Ressourcen nur jenen mit den größten Überlebenschancen zuweisen können.

Das Coronavirus ist in allen Landesteilen des Vereinigten Königreichs aufgetaucht. Besonders betroffen ist London, vor allem im Parlamentsviertel und der Umgebung. Dass immer mehr Infizierte in die Kliniken geliefert werden, macht viele Experten nervös. Denn der staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service), der vor allem aus Steuermitteln finanziert wird, ist seit vielen Jahren chronisch unterfinanziert, überlastet und marode. Kritiker sprechen davon, dass das Gesundheitswesen schlicht kaputtgespart worden ist.

So standen in Großbritannien zunächst nur 4.000 Beatmungsgeräte für Erwachsene und 900 für Kinder zur Verfügung – das Land belegt damit einen der letzten Plätze in den europäischen Statistiken auf 100.000 Einwohner berechnet. Am Samstag kamen noch einmal fast 1.200 Geräte durch eine Vereinbarung mit privaten Kliniken hinzu. Dennoch dürfte das Prognosen zufolge bei weitem nicht für alle Covid-19-Lungenkranke reichen. Premier Boris Johnson hat in der Not sogar unter anderem bei Autobauern nachgefragt, ob sie solche Apparaturen herstellen könnten.

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