Spielplätze in Zeiten von Corona: Die simpelste Soli-Regel: Abstand!

Der Grat zwischen dem Schutz der Bevölkerung und der Einschränkung von Freiheitsrechten ist schmal. Ein Wochenkommentar.

Ein rot-weißes Absperrband an einem Zauntor: Das Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf sperrt im Volkspark Wilmersdorf einen Spielplatz

Das Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf sperrt im Volkspark Wilmersdorf einen Spielplatz Foto: picture alliance/Christoph Soeder/dpa

Mit der Solidarität in Corona-Krisenzeiten ist das so eine Sache. Solidarisch sein wollen alle, irgendwie, und ein bisschen mehr auf die anderen um einen herum achten, tut ja auch nicht zuletzt einem selbst gut: Der älteren Nachbarin ein Brot vom Einkauf mitbringen, damit sie nicht noch mal raus muss – schnell gemacht und fühlt sich gut an.

Seit Mittwoch macht ein Bezirk nach dem anderen auch die Spielplätze dicht – der Senat hatte die am Dienstag eigentlich von Schließungen ausgenommen. Aber die Bezirke können das selbst regeln, und sie tun es, und sie zeigen Härte. Die Ansage: Leute, bleibt zu Hause und nehmt die Sache mit dem Social Distancing verdammt noch mal ernst! Seid solidarisch.

Das Signal ist verständlich, wenn man in der letzten Woche in der Stadt unterwegs war und gesehen hat, wie unbeschwert Eltern mit ihren Kindern in Grüppchen um die Sandkästen hockten, in dichten Trauben in den Parks aufeinandersaßen und in der Schlange für das erste Eis definitiv nicht weiter auseinanderstanden als sonst.

Nicht umsonst hat der Senat gezögert

Dabei, warnen die Experten vom Robert-Koch-Institut, solle man sich doch bitte nicht in falscher Sicherheit wiegen: Die Fachvokabel für Pandemie-Kurven lautet exponentielles Wachstum. Die Frage ist: Wie schnell verdoppelt sich die Zahl der Infizierten? Je mehr Tage dazwischen liegen desto besser. Bisher hat sich in Berlin etwa alle drei Tage die Zahl der (bekannten) Corona-PatientInnen verdoppelt. Am Anfang ist das ein tückisch langsames Wachstum. Doch haben die Zahlen erst mal eine bestimmte Größe erreicht, geht es rasend steil nach oben.

Und dennoch, und an der Spielplatz-Frage sieht man das sehr deutlich: Der Grat zwischen dem Schutz der Bevölkerung und der Einschränkung von Freiheitsrechten ist schmal. Nicht umsonst hat der Senat gezögert, die Rutschen und Schaukeln dichtzumachen. Gerade in der Großstadt sind Spielplätze nicht zuletzt auch sehr demokratische Orte – weil sie allen Kindern offen stehen, kostenlos.

Mit den geschlossenen Spielplätzen baden die Kinder (und gestresste Homeoffice-Eltern) jetzt aus, dass zu viele Erwachsene es leider nicht gebacken bekommen haben, die simpelste Soli-Regel dieser Tage einzuhalten: Abstand zu halten. Wie schade.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Seit 2011 bei der taz. Sie ist eine von zwei ChefInnen der Berliner Lokalredaktion. Themenschwerpunkte: Bildungs- und Familienpolitik.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de