Corona in Deutschland: Große Sorgen in großen Städten

Nach Berlin und Köln überschreiten auch Stuttgart und Essen die Corona-Warnschwelle. Söder fordert 250 Euro Buße für Maskenmuffel.

Verschwommen fotogrfierte Menschen in einer Fußgängerzone

Unklare Aussichten: Menschen mit Masken in der Stuttgarter Innenstadt Foto: Sebastian Gollnow/dpa

BERLIN dpa/taz | Immer mehr große Städte in Deutschland werden zu Corona-Hotspots. Nachdem am Samstagmorgen Köln die Überschreitung der wichtigen Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen gemeldet hatte, folgte am Abend Stuttgart. Auch Berlin, Frankfurt am Main und Bremen liegen über dieser Schwelle.

Deutschlandweit liegt die Zahl der Neuinfektion weiterhon deutlich über dem Niveau der Vorwoche. Innerhalb von 24 Stunden haben die Gesundheitsämter nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Sonntagmorgen 3.483 neue Corona-Infektionen gemeldet. Am vergangenen Sonntag hatte das RKI nur 2.279 Neuinfektionen gemeldet. Vor zwei Wochen waren es nur 1.411 Fälle.

An Sonntagen wie auch an Montagen sind die erfassten Fallzahlen zudem erfahrungsgemäß meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI melden. Im Laufe der vergangenen Woche war die Fallzahl extrem gestiegen von 2.828 am Mittwoch auf 4.721 am Samstag.

Am Freitag hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Oberbürgermeistern der elf größten deutschen Städte über die Lage beraten. An der Entwicklung in den Ballungsräumen zeige sich, „ob wir die Pandemie in Deutschland unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet“, hatte Merkel betont.

Der vereinbarte Maßnahmenkatalog sieht unter anderem die Entsendung von Experten des RKI und der Bundeswehr vor, wenn die Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten wird. Ab 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern soll es neue Beschränkungen geben. Dazu gehören Erweiterung der Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen, gegebenenfalls Sperrstunden und Alkoholbeschränkungen für die Gastronomie sowie Teilnehmerbeschränkungen für Veranstaltungen und private Feiern.

Sperrstunde in Stuttgart geplant

In Stuttgart meldete das Landesgesundheitsamt am Samstagabend 50,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. In der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg leben rund 600.000 Menschen. Die Stadt bereitet derzeit Einschnitte wie die Einführung einer Sperrstunde, Beschränkungen des Alkoholkonsums und die Maskenpflicht innerhalb des City-Rings vor. Weiter will die Stadt den Unterrichtsbeginn an Schulen „entflechten“ und Arbeitnehmer zum Homeoffice ermuntern.

Für die Millionenstadt Köln hatte das NRW-Landeszentrum Gesundheit die 7-Tage-Inzidenz am Samstag mit 54,8 angegeben. Die Kölner Stadtverwaltung hatte das Überschreiten der Schwelle erwartet und deshalb von diesem Samstag an bereits zahlreiche Einschränkungen für das öffentliche Leben angeordnet.

Auf Straßen und Plätzen darf abends ab 22.00 Uhr kein Alkohol mehr konsumiert werden. An Wochenenden gilt an Party-Hotspots ein Verkaufsverbot für Alkohol. Auch dürfen sich nur noch bis zu fünf Personen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen. In Fußgängerzonen müssen die Menschen Masken tragen. Eine Sperrstunde wie in Berlin werde zunächst aber nicht eingeführt, hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) am Freitag betont.

Nach Köln wurde erreichte mit Essen auch die viertgrößte Stadt in Nordrhein-Westfalen die Corona-Warnstufe. Insgesamt liegen damit neun Kreise und kreisfreie Städte des größten Bundeslandes über der Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Spitzenreiter in NRW war am Sonntag die Stadt Herne mit 86,3 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

In Berlin müssen wegen der hohen Fallzahlen seit Samstag Restaurants, Bars, Kneipen und die meisten Geschäfte von 23 bis 6 Uhr geschlossen sein. Bei privaten Zusammenkünften in geschlossenen Räumen dürfen nur noch höchstens zehn Menschen zusammenkommen. Im Freien dürfen sich von 23 Uhr bis 6 Uhr nur noch fünf Personen versammeln.

Söder fordert bundeseinheitliches Bußgeld

Mehrere Ministerpräsidenten riefen die Bürger eindringlich zu Achtsamkeit auf. „Es wird langsam gefährlich“, sagte Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Corona sei genauso gefährlich wie im Frühjahr. „Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden“, warnte Söder in der Bild am Sonntag. Der CSU-Chef machte sich für ein bundeseinheitliches Bußgeld von 250 Euro beim Verweigern des Tragens von Masken stark. In Bayern gilt dies bereits.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mahnte in der Bild am Sonntag: „Ich erwarte von den Bürgern, dass sie aus Verantwortungsbewusstsein nicht mehr alles machen, was sie noch dürfen“. Der Grünen-Politiker fügte hinzu: „Man muss gerade keine Party bei sich zu Hause oder in der Gaststätte feiern.“ Einen erneuten Lockdown könne sich das Land nicht leisten. „Deshalb ziehen wir die Schrauben an anderer Stelle an. Partys muss man nicht feiern, arbeiten und lernen schon.“

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer appellierte in der Welt am Sonntag ebenfalls an die junge Generation: „Jetzt sind nicht volle Partys gefragt, sondern Vorsichtsmaßnahmen – und Kontrolle.“ Der CDU-Politiker verteidigte schärfere Regeln. „Wir brauchen jetzt gewisse Instrumente, um der Lage Herr zu werden. Wir wollen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben weitgehend erhalten“, sagte er.

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