Corona-Impfkampagnen im Norden: Ein, zwei, drei, viele Impfzentren

Bremen eröffnet erneut ein Impfzentrum, um die Booster-Kampagne zu wuppen. In Hamburg und Niedersachsen sollen Arztpraxen die Hauptlast tragen.

Info-Container vor den Hamburger Messehallen, im Hintergrund der Fernsehturm

Bleibt zu: Impfzentrum in den Hamburger Messehallen Foto: Christian Charisius/dpa

HAMBURG/BREMEN/HANNOVER taz | Hamburg sieht sich für die Boosterimpfungen in den kommenden Monaten gut gewappnet: Am Freitagvormittag erklärte Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), wie die städtische Impfkampagne in den kommenden Wochen an Fahrt aufnehmen soll: „Wir bauen nun unsere Angebote nochmal aus, um die Ärztinnen und Ärzte in unserer Stadt durch Impfzentren in allen Bezirken bei den Auffrischungsimpfungen zu unterstützen“, sagte Leonhard. Vorrangig sollen in Hamburg die Hausarztpraxen die Impfungen durchführen. Mobile Impfteams sowie mehrere kleinere Impfzentren sollen die Kapazitäten allerdings erweitern.

Am Donnerstag hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) empfohlen, nun allen doppelt geimpften Menschen ab 18 Jahren eine Drittimpfung anzubieten. Zuvor hatte sich die Stiko dafür ausgesprochen, zunächst lediglich die Über-70-Jährigen zu boostern. Ebenso könne der zeitliche Abstand zur Zweitimpfung flexibler sein. „Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate kann im Einzelfall – oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind – erwogen werden“, teilte die Stiko mit.

Der Hamburger Senat rechnet vor, dass in den kommenden Monaten für rund 75.000 Personen pro Woche die Auffrischungsimpfung ansteht. Kurzfristig dürfte die Nachfrage allerdings wegen der geänderten Stiko-Empfehlungen deutlich größer sein. Der Senat will deshalb die Kapazitäten in der Stadt auf bis zu 160.000 Impfungen pro Woche hochfahren.

Das zentrale Impfzentrum in den Messehallen, das erst Ende August nach acht Monaten wieder geschlossen worden war, bleibt allerdings dicht. Stattdessen hat der Senat nun kleinere Impfzentren in den sieben Bezirken, vor allem in den Krankenhäusern, eingerichtet. Dort könnten rund 60.000 Impfungen pro Woche durchgeführt werden – fast so viele wie in den Messehallen in Spitzenzeiten möglich waren. „Die Pandemie fordert, dass wir alle an einem Strang ziehen“, sagte Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg.

Bremen eröffnet neues Impfzentrum

Die Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard hingegen hatte am Donnerstag verkündet, nun doch wieder ein Impfzentrum aufbauen zu wollen, nachdem das auf der Bürgerweide in den Messehallen erst vor vier Wochen geschlossen worden war. Noch am Montag hatte ihr Sprecher der taz gesagt, man setze auf dezentrale kleinere „Impfstellen“ und die mobilen Impfteams.

Das neue Impfzentrum soll im ehemaligen Sparkassengebäude am Brill eingerichtet werden. Die Eigentümer-Familie Schapira stelle das Gebäude mietfrei zur Verfügung und wolle lediglich die Verbrauchskosten für Heizung, Strom und Wasser erstattet bekomme, teilte Bernhard am Freitagnachmittag mit.

Die Gesundheitssenatorin begründete diesen Schritt mit „deutlich gestiegener“ Nachfrage nach den Auffrischungsimpfungen „in den vergangenen Tagen“. Die drei Impfstellen seien beinahe vollständig ausgebucht, es gebe nur noch wenige Termine bis Ende des Jahres. „Wir müssen und werden noch einmal deutlich nachlegen, um im Dezember und Januar viele Auffrischungsimpfungen zu ermöglichen.“

Bremen, das Bundesland mit der seit Monaten bundesweit höchsten Impfquote, hatte anders als Hamburg und Niedersachsen schon vor einer Woche allen Bre­me­r:in­nen unabhängig von ihrem Alter oder Gesundheitsstatuts eine Auffrischungsimpfung angeboten. Die einzige Bedingung sei, dass der Termin der zweiten Impfung mindestens sechs Monate zurück liege.

Prämie soll Niedersachsen Ärzte locken

Niedersachsen will die eingelagerten Impfzentren erst einmal nicht wieder aufbauen und setzt lieber auf Aufstockungen bei den Arztpraxen und den mobilen Impfteams.

Für die Arztpraxen wurde in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung ein Förderprogramm aufgelegt, der einen Strukturzuschlag für „Schwerpunkt-Praxen“ vorsieht. Auf diesen Zuschlag können sich Praxen bewerben, die jetzt schon impfen und in der Lage sind, noch ein zusätzliches Impfangebot von acht Stunden pro Woche zu stemmen – und zwar für alle und nicht nur für die eigenen Patienten.

Dafür erhalten sie 1.040 Euro pro Woche. 180 solcher Impfpraxen soll es im ganzen Land geben. Auf die erste Ausschreibung haben sich schon 280 beworben. Außerdem hat die KVN auch die Facharztpraxen aufgefordert wieder stärker in die Impfkampagne einzusteigen.

Die mobilen Impfteams oder kleineren Impfstationen werden über die Landkreise und Städte organisiert. Mitte November waren das noch 134, das Ministerium möchte dies mindestens verdoppeln. Am Ende soll überall ein Team oder eine Impfstation pro 40.000 Einwohner zur Verfügung stehen.

Damit, argumentiert die Gesundheitsministerin, erreiche man die Leute viel besser und niedrigschwelliger als mit den großen zentralen Impfzentren. Die hätten in der Hochphase im vergangenen Juli auch nur 181 Impfteams beschäftigt.

Allerdings – ließ Krisenstabsleiter Heiger Scholz im Gesundheitsausschuss durchblicken – hakt es derzeit wohl noch bei den Kommunen, die diese Kapazitäten nicht in vollem Umfang abrufen. Vermutlich muss das Personal erst angeworben werden. Wo auch immer in den vergangenen Tagen Impfstraßen eröffnet wurden, die Booster-Impfungen ohne Termin anboten, bildeten sich umgehend lange Warteschlangen.

24 „Impfstellen“ in Schleswig-Holstein

Mit neuen Impfstellen im ganzen Land rüstet sich Schleswig-Holstein für den großen Andrang nach Auffrischungsimpfungen. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, werden derzeit an 24 Standorten solche Stellen eingerichtet. In den Stationen werden nicht nur sogenannte Booster-Impfungen verabreicht, sondern auch erste und zweite. Terminbuchungen starten am Donnerstag kommender Woche. Fast alle Impfstellen sollen Anfang Dezember einsatzbereit sein.

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) rief die Schleswig-Holsteiner auf, die Impfangebote in den neuen Stationen zu nutzen. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Impfaktionen an vielen weiteren Orten. Niedergelassene Ärzte impfen ebenfalls gegen das Coronavirus, wobei momentan viele Praxen dem Bedarf an Booster-Impfungen nicht entsprechen können.

Der Landesvorsitzende der mitregierenden Grünen Steffen Regis forderte deshalb, dass auch in Apotheken gegen Corona geimpft wird. „Wir müssen im Wettlauf gegen das Coronavirus schneller beim Impfen werden und dafür brauchen wir die Apotheken als zusätzliche Impfstellen“, sagte er. Die Grundlagen dafür seien mit Modellprojekten von Grippeschutzimpfungen in Apotheken gelegt.

„Die Hürden für eine Impfung würden so deutlich gesenkt, da die Apotheken für viele Menschen ohnehin Anlaufstellen bei Gesundheitsfragen sind und sie leicht zu erreichen sind“, sagte der Regis. „Sie sind bereits Teil der Impfstoff-Logistikketten und andere europäische Länder machen gute Erfahrungen damit, Corona-Impfungen in Apotheken anzubieten.“

mit Material von dpa

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