Deutschlands Impfmeister Bremen: Die Piks-Hochburg

Kein Bundesland ist bei der Impfkampagne so erfolgreich wie Bremen. Dort hat man auf Selbstverantwortung gesetzt – ohne Gefahren herunterzuspielen.

In einem Warteraum sitzen Menschen mit Abstand auf Stühlen

Ein angenehmes Erlebnis, von dem man anderen erzählt: Wartende im Bremer Impfzentrum Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

BREMEN taz | Bremen ist Deutschlands unangefochtener Impfmeister. Anfangs gehörte der Stadtstaat nur zur Spitzengruppe der Bundesländer, die schnell gegen Covid-19 immunisierten, aber mittlerweile hat er alle weit hinter sich gelassen. Das zeigt der Blick auf das tägliche Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts.

Danach waren am Freitag 79,7 Prozent der Bevölkerung Bremens einmalig geimpft, 20 Prozentpunkte mehr als im Schlusslicht Sachsen und 5 Prozentpunkte mehr als beim Zweitplatzierten Saarland. Noch größer ist der Abstand, wenn man nur die Volljährigen betrachtet: 92,4 Prozent der Bre­me­r:in­nen sind einmalig geimpft, auch bei den Zweit­impfungen kann niemand Bremen das Wasser reichen.

Es gibt nur eine Spalte, in der das Bundesland nicht an der Spitze steht: Bei den 12- bis 17-Jährigen haben drei Bundesländer höhere Werte. Das liegt daran, dass Bremen sich zunächst zurückgehalten hatte mit Impfangeboten für Teenager.

Dennoch steht unterm Strich, dass Bremen mehr als nur einen guten Start hatte. Irgendetwas muss anders gelaufen sein als in allen anderen Bundesländern. Nur was? Natürlich spielt eine Rolle, dass die Impfbereitschaft im Westen grundsätzlich höher ist als im Osten, wie die regelmäßigen Befragungen des Cosmo-Monitoring der Universität Erfurt ergeben.

Und klar, die Organisation einer erfolgreichen Impfkampagne ist in einem Stadtstaat einfacher als in einem Flächenland. Aber in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind anteilig viel mehr Menschen geimpft als in Berlin, und Hamburg liegt nur gleichauf mit ihnen.

Impfen ohne Frust

Wahrscheinlicher ist, dass die Bremer Verantwortlichen in Politik und Verwaltung von Anfang an genauer hingeschaut haben auf das, was es braucht, um zur Impfung zu motivieren. Und sich das auch einiges haben kosten lassen. Das beginnt dabei, dass nur dann Personengruppen zur Impfung aufgerufen wurden, wenn Impfstoff für sie da war. Niemand musste sich durch abstürzende Websites klicken, um dann frustriert aufzugeben. Es gab anfangs wie überall überrannte Arztpraxen und auch mal Terminpannen, aber keine dauerbesetzten Hotlines.

Im Gegenteil, es ging fast immer sofort jemand ran, und wenn die Person eine Frage nicht beantworten konnte, gab es einen Rückruf wenige Minuten später von jemand, der das konnte. So war der Besuch des Impfzentrums für die Allermeisten eine gute Erfahrung, von der sie anderen erzählt haben werden.

Gleichzeitig musste Bremen nicht wie Köln Impfmobile wie die Virus-Feuerwehr in benachteiligte Stadtteile schicken, als dort die Inzidenzen explodierten. Als erste Großstadt hatte Bremen die Daten zu Infektionsraten auf Stadtteilebene erhoben, veröffentlicht und früh Maßnahmen eingeleitet, um gegensteuern zu können. Mittlerweile sind auch hier Impfmobile unterwegs, und sie erreichen auch Skeptiker:innen, wie jüngst eine taz-Reportage zeigte.

Hinzu kommt wohl, dass die rot-rot-grüne Regierung für ein hohes Vertrauen in die Sinnhaftigkeit ihrer Maßnahmen gesorgt hat. Das legen von der Friedrich-Ebert-Stiftung im April ermittelte überdurchschnittlich hohe Zustimmungsraten zur Bremer Pandemiepolitik nahe. Von Anfang an hat der Senat auf Selbstverantwortung gesetzt, ohne dabei die Gefahren herunterzuspielen. So gab es keine Ausgangssperren, und wer wollte, konnte sein Kind zu Hause behalten, aber Schule und Kita blieben auf.

Nur in einem Punkt weicht Bremen jetzt vom Weg der Freiwilligkeit ab. Als erstes Bundesland hat es vor einer Woche die Impfpflicht für Er­zie­he­r:in­nen und Leh­re­r:in­nen gefordert.

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Dieser Artikel stammt aus dem stadtland-Teil der taz am Wochenende, der maßgeblich von den Lokalredaktionen der taz in Berlin, Hamburg und Bremen verantwortet wird.

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