Club-Toiletten-Musical „Flush“ : Dreckig, kaputt und irgendwie magisch
Eine Nacht im Gayclub, kondensiert in zwei Stunden Musical auf einer Klubtoilette. „Flush“ feierte am Samstag seine letzte Aufführung im Schwuz.
Foto: SchwuZ/ Marco Sommer
I m Gegensatz zum Fernsehturm oder Brandenburger Tor ist die Berliner Clubtoilette eine der weniger besungenen Wahrzeichen der Stadt. Dabei gibt es weniger Orte, die den Mythos vom alternativen Berlin so gut zusammenfassen wie die Clubtoilette. Von außen betrachtet ekelerregend dreckig und meistens kaputt, ist es für die Feiergemeinde der spannendste Ort jeder Party. Beim Anstehen für die letzte funktionierende Klobrille, Drogenkonsum oder Sex passieren hier die unwahrscheinlichsten Begegnungen.
Also logisch, dass der legendäre Queer-Club Schwuz in Neukölln dem Clubklo ein besonderes Denkmal gesetzt hat – in Form eines Musicals. „Flush“ ist eine in Tanz, Gesang und für Musical-Muffel erfreulich viel Dialog gegossene Clubnacht. Ebenso logisch, dass es dafür nicht mehr Schauplätze als das Clubklo braucht. Da die Sanitäranlagen im Schwuz dann doch zu wenig Platz boten, wurde das Klo auf einer Bühne auf dem Hauptfloor als Theaterkulisse wiederaufgebaut.
Am Samstagabend wurde das Musical zum vorerst letzten Mal aufgeführt. Nach 14 ausverkauften Terminen kündigte Produzent Florian Winkler-Schwarz an, das Stück im Herbst wieder auf die Bühne bringen zu wollen.
Potpourri des Berliner Nachtlebens
Grundgerüst des Musicals ist die Liebesgeschichte zwischen den beiden schwulen Männern Robert und Paul, die zufällig zueinanderfinden. Robert, der in dem fiktiven Gayclub des Stücks seinen dreißigsten Geburtstag feiert, hadert mit dem Älterwerden. Paul verliebt sich auf den ersten Blick in Robert, der hat jedoch Probleme, sich zu öffnen, und rennt lieber weg.
Da braucht es die als Reinigungskraft eingesprungene Clubeigentümerin Ramona, gespielt von der Dragqueen Jurassica Parker, um die beiden wieder zueinanderzuführen.
Die Story ist schnell erzählt. Das lässt genügend Raum für allerhand Slapstick und Referenzen auf Berlins Nachtleben. „Ist das hier das Männer- oder Frauenklo?“, fragt der etwas naive Jacob. „Süüüüß“, antworten Paul und Ramona, „Du kommst wohl nicht von hier?“. Der Sketch sorgt für Lacher im Publikum, das natürlich weiß, dass Unisex-Toiletten von jeher fester Bestandteil der Clubkultur sind.
Insgesamt 18 Rollen performen die Hauptdarsteller Felix Heller und Robin Cadet, die meisten etwas überspitzte, aber akkurate Stereotype des (queeren) Berliner Nachtlebens: Der dauergeile Grindr-User, der mit Hand in der Hose jedem mit „Was geht, Bock?“ anmacht; der verirrte Hetero, der seine Bisexualität mit Aggressivität überspielt, oder der dauerbesoffene Atze, der eine Toilette nach der anderen vollkotzt. Ganz nebenbei beantwortet Flush dabei die Frage, warum es in Clubtoiletten schon nach wenigen Stunden Party wie auf einem Schlachtfeld aussieht.
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