Chormusik zum Gedenken: Singen für die Toten
Wenn der Platz für Nachrufe fehlt, gibt es andere Wege zum Gedenken. Die stille Chormusik von Nico Muhly eignet sich sehr gut.
Foto: Hugo Glendinning
Manchmal ist alles zu viel. Besonders der Tod, ohnehin eine Schweinerei, erst recht, wenn er geballt auftritt. Diese Woche ist so eine Woche mit vielen prominenten Gestorbenen. Sie alle hätten in der wochentaz einen großen Nachruf verdient. Doch da der Platz bei uns begrenzt ist, stellt sich oft die Frage: Von den Lebenden oder den Toten sprechen?
Zur Trauer bei Tod gehört fast selbstverständlich Musik. Sie kann anrühren wie kaum eine andere Kunst. Auch das kann überfordern. Oder trösten. Gesang, die unmittelbarste Art des Musizierens, entwaffnet mitunter ganz direkt. Zum Beispiel die Vokalmusik des Komponisten Nico Muhly.
Der Amerikaner hat nicht bloß mit Popkünstlern wie Antony and the Johnsons oder Björk zusammengearbeitet, er ist auch selbst ausgebildeter Chorsänger. Für das auf Renaissancemusik spezialisierte Vokalensemble The Tallis Scholars hat er eine Reihe von Werken geschrieben, die auf der CD „No Resting Place“ (Linn, 2026) erschienen sind.
Konzentriert, gesammelt, von räumlicher Tiefe und zugleich durchzogen von stiller Trauer, kann man mit ihr der vielen gedenken, deren Tod in kurzer Zeit hintereinander gemeldet wurde: der aufgeklärten Countrymusikerin Dolly Parton, des den Kommunismus in Ungarn reflektierenden Schriftstellers Péter Nádas, des elegant maliziösen Karikaturisten Hans Traxler, des Travestie zur selbstverständlichsten Sache der Welt verwandelnden Schauspieler-Sängers Tim Curry und der soft verstörenden Künstlerin Yayoi Kusama.
Requiem aeternam.
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