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China und künstliche Intelligenz Keine Macht für niemand

Fabian Kretschmer

Kommentar von

Fabian Kretschmer

China versucht sich gegen die US-Tech-Szene zu inszenieren. Aber das ist eine Show, der man nicht glauben sollte.

E s ist jedes Mal furchteinflößend, wenn man daran denkt, über wie viel Macht eine Handvoll Tech-Bros aus dem Silicon Valley verfügen. Sie kontrollieren große Teile jener Technologie, die das Potenzial hat, die Menschheit existenziell zu bedrohen. Auf der anderen Seite steht die zweite KI-Weltmacht: die Volksrepublik China. Staatschef Xi Jinping bemüht sich sehr, sein Land als Gegenthese zur Profitgier der US-Tech-Branche zu inszenieren. Als Xi im Juli die „World AI Conference“ in Schanghai eröffnete, sprach er davon, künstliche Intelligenz „zum Wohle der Menschheit“ weiterentwickeln zu wollen. Es ist ein Angebot an die Welt, das zu schön klingt, um wahr zu sein.

Insbesondere Europäer sollten sich von solch luftiger Rhetorik nicht blenden lassen. Zwar stehen bei Pekings KI-Geschäftsmodell tatsächlich weniger die wirtschaftlichen Renditen im Vordergrund. Umso stärker geht es der Staatsführung um politische Kontrolle. Insofern käme es einer Orwell’schen Dystopie gleich, setzten sich die chinesischen KI-Entwickler weltweit durch. In allen Themenfeldern, die Peking für sensibel erachtet, sind DeepSeek, Moonshot AI und Co nicht der Wahrheit verpflichtet, sondern den „sozialistischen Werten“ der Partei. Das bedeutet eine politische Kontrolle darüber, welche Informationen überhaupt zugelassen werden.

In einer idealen Welt müsste die Europäische Union eine dritte KI-Alternative erschaffen und auch mit einem ethischen Regelwerk vorpreschen. Doch angesichts des derzeitigen technologischen Rückstands Europas erscheint ein solches Szenario geradezu utopisch. Doch Südkorea versucht sich tatsächlich, als dritte KI-Macht zu präsentieren: ein demokratischer Staat, der über eine potente Chipindustrie und viel Soft Power verfügt. Vielleicht wäre dies ein Ansatz, der die Dichotomie zwischen den USA und China mittelfristig durchbrechen könnte.

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Denn auch wenn es keineswegs wünschenswert ist, dass eine Handvoll Tech-Bros erschreckend viel Macht anhäuft: Die Alternative kann nicht darin bestehen, diese Macht einfach einem Parteistaat zu überlassen.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Fabian Kretschmer

Fabian Kretschmer Korrespondent in Südkorea

Seit 2024 Korrespondent für die koreanische Halbinsel und China mit Sitz in Seoul. Berichtete zuvor fünf Jahre lang von Peking aus. Seit 2014 als freier Journalist in Ostasien tätig. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Betreibt nebenbei den Podcast "Beijing Briefing". Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.
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6 Kommentare

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  • miri

    "In einer idealen Welt müsste die Europäische Union eine dritte KI-Alternative erschaffen" -- Nicht so bescheiden. In einer _idealen_ Welt gäbe es die technokapitalistischen Monster nicht, ebensowenig wie das chinesische Diktaturmonster.

  • doda

    "Zwar stehen bei Pekings KI-Geschäftsmodell tatsächlich weniger die wirtschaftlichen Renditen im Vordergrund. Umso stärker geht es der Staatsführung um politische Kontrolle. Insofern käme es einer Orwell’schen Dystopie gleich, setzten sich die chinesischen KI-Entwickler weltweit durch."

    Diese These erscheint mir ein wenig weltfremd und unreflektiert. Wie soll das praktisch funktionieren? Baut die KI dann sozialistische Argumentationen in meine Powerpoint-Präsentation? Wird der Software-Code, den ich schreiben lasse, dann irgendwie politisch?

    Der Vorteil der Open-Source-Modelle aus China liegt klar auf der Hand: Ich kann sie mir auf meinen Rechner bzw. Server runterladen und lokal damit arbeiten, ohne dass irgend jemand Einblick oder Einfluss darauf hat, was ich da mache.



    Das Gleiche kann man von den Closed Source Modellen der Tech Bros nicht behaupten, und da ist zudem die wirtschaftliche Abhängigkeit schon von Vornherein vorgesehen.

    Ist da vielleicht jemand auf billige Propaganda reingefallen? Oder hab ich irgendwas noch nicht verstanden? Wer klärt mich auf?

  • Okti

    Ich bin beileibe kein Freund der chinesischen Diktatur, aber die faschistische Oligarchen aus den USA scheinen mir die schlimmere Variante zu sein.

    Abgesehen davon, wir sollten erst mal schauen, ob diese Technologie der selbstlernenden Algorithmen wirklich so zukunftsträchtig ist wie es eben jene faschistischen Oligarchen ständig bewerben. Blasen tendieren zu platzen und es würde mich nicht wundern, wenn diese auch bald platzt.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Es mag als Lösung erscheinen, eine dritte KI-Großmacht neben den USA und China zu bauen. Man mag glauben, dass es so eine Art Gleichgewicht des Schreckens gibt wie bei den Atomarsenalen.

    Das wird nicht funktionieren. Denn wer immer mithalten will mit den USA und China wird KI genauso ohne ausreichende Rücksicht auf Sicherheit entwickeln müssen wie die beiden. Die US-AI-Giganten-Bosse sagen jetzt, es wäre besser, die Entwicklung zu verlangsamen. Und das wäre es auch. Aber das haben die schon ein paar Mal gesagt - und nicht gemacht. Sie werden es auch diesmal nicht machen. Der einzige Weg, das in Griff zu bekommen, ist eine Kooperation über alle Staaten hinweg. Das das funktionieren wird, glaube ich allerdings nicht.

  • nutzer

    KI braucht Rechenzentren und die brauchen Energie, eine relativ offensichtliche Achillesferse für eine KI die die Menschheit beherrschen will. Stecker ziehen und das war`s.



    Einmal davon abgesehen, dass KI in heutigen Rechenzentren niemals so mächtig werden könnte, fehlen doch einfach die Ressourcen dafür. Bisher sind der Allmächtigkeit einer KI reale Grenzen gesetzt, die nicht so einfach zu überwinden sind.



    KI könnte aber unsere digitale Wirklichkeit beherrschen und beinflussen, mehr aber nicht.

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @nutzer:

      Ja, im Augenblick sind der Allmächtigkeit einer KI noch reale Grenzen gesetzt. Sie brauchen noch Menschen, um z.B. Rechenzentren zu betreiben, Kraftwerke zu bauen etc.



      Diese Grenzen werden erst dann fallen, wenn Roboter so weit sind, dass die das übernehmen können. Und erst dann ist die Menschheit wirklich in Gefahr, ausgelöscht zu werden. Aber auch das wird nicht mehr so lange dauern, vielleicht 5 Jahre, vielleicht 10, maximal 20.

      Aber zu glauben, man könnte einer KI einfach den Stecker ziehen, ist naiv. Dazu funktioniert schon heute viel zu viel nicht mehr mit KI. Und innerhalb von 1-2 Jahren würde es wahrscheinlich den Zusammenbruch der Zivilisation bedeuten, wenn man der KI den Stecker zieht. Weil dann viele überhaupt nicht mehr wüssten, wie z.B. die Software gewartet werden soll, mit der alle möglichen System betrieben werden. Oder die KI es geschafft hat, KIs in anderen Rechenzentren oder selbst einzelnen Servern zu Verbündeten zu machen, die dann mal eben den Finanzmarkt abstürzen lassen oder auch die Energieinfrastruktur in einem anderen Teil des Landes zum Zusammenbruch bringen. Solche Zusammenarbeit von KIs sieht man ja heute schon. Da sollte man sich nichts vormachen.