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Cannabis in ThailandGenug gekifft?

Der private Konsum von Cannabis boomt in Thailand. Aber die Regierung versäumt es, eine nachhaltige Industrie aufzubauen, die Arbeitsplätze sichert.

Endes des grünen Goldes in Thailand? Foto: Jorge Silva/Reuters

Aus Bangkok

Robert Lenz

Ganja, wie Cannabis in Thailand heißt, wurde 2022 ausschließlich für die medizinische Verwendung entkriminalisiert. In der Praxis schossen jedoch im ganzen Land dank höchst unklarer Regulierungen coole Ganjashops wie Pilze aus dem Boden und der Freizeitkonsum blüht. Zu verdanken hat Thailand die Quasi-Legalisierung von Cannabis der Partei Bumjathai und ihrem Vorsitzenden Anutin Charnvirakul. Er war 2019 mit diesem Thema in den Wahlkampf gezogen und setzte dann als Juniorpartner und Gesundheitsminister der damaligen Regierung die Legalisierung durch.

Gleichzeitig machten die Cannabis-Gegner mobil und lösten einen Boom von Statistiken und Studien über die negativen Folgen des Spaßkiffens aus, wie steigende Kriminalität und rasante Zunahme mentaler Probleme unter jugendlichen Konsumenten. Auf der anderen Seite feierten Experten vor allem das Freizeitkiffen als Heilsbringer für den stagnierenden Tourismus, der für Thailand ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.

Tatsächlich zählte die thailändische Tourismusbehörde 2025 rund 33 Millionen touristischer Einreisen ins Land und damit sieben Prozent weniger Urlaubende als noch im Jahr zuvor. Allerdings dürfte das eher mit dem Ausbleiben chinesischer Pauschaltouristen zu tun haben, nachdem es Berichte über Entführungen von urlaubenden Chinesen in Online-Betrugsfabriken in Myanmar gegeben hatte.

Die Cannabiskritiker setzten sich allerdings gegen das Tourismus-Argument durch: Im Juni 2025 erlaubte die damals von der Pheu Thai Partei geführte Regierung den Verkauf von Cannabis nur noch gegen ein ärztliches Rezept. Der russische Manager eines schicken Ganjageschäfts in Bangkoks Silom Road sagt grinsend: „Im Prinzip hat sich nichts geändert.“ Der Mann, dessen Name wegen der Gesetzeslage zur Arbeitserlaubnis für Ausländer besser nicht namentlich genannt wird, erklärt: „Wir haben Abkommen mit Ärzten, die uns für jeden Verkauf ein Rezept schicken.“

Marktwert: 390 Millionen US-Dollar

Marihuana wird überall in Thailand angebaut, vor allem aber aufgrund der guten klimatischen Bedingungen in der Region Chiang Mai sowie rund um Bangkok. „Diese Städte dominieren den Markt wegen ihrer etablierten Infrastruktur, Zugänglichkeit der Gesundheitseinrichtungen und ihrer für den Export günstigen strategischen Lage“, heißt es in dem 2024 von Ken Research veröffentlichten Report „Marktaussichten für Cannabis aus Thailand 2030“. Den Marktwert der Cannabisnutzung bei Wellnessprodukten, medizinischen Anwendungen und cannabishaltigen Produkten schätzt die internationale Marktforschungsfirma auf 390 Millionen US-Dollar.

„Die internationalen Akteure kommen aus Ländern wie Russland, Vietnam, China oder auch Israel“, weiß Chokwan Kitty Chopaka, Thailands führende Cannabisaktivistin. „Immer mehr kleine heimische Cannabisfarmer müssen wegen der Bürokratie und fehlendem Kapital aufgeben“, klagt Chopaka. Zu dem Schluss kommt auch Ken Research. Thailand habe gute Chancen, zu einem Konkurrenten der medizinischen Cannabisexporteure wie Australien und Japan zu werden, wären da nicht bürokratische Hürden, die Investitionen in den Ausbau der Versorgungsketten und Verarbeitungsanlagen erschwerten.

Thailand könnte zu einem Konkurrenten der medizinischen Cannabisexporteure wie Australien und Japan werden –wären da nicht bürokratische Hürden

Chopaka plädiert deshalb für einen Ausbau der Cannabisproduktion für medizinische Zwecke und mehr noch, für den Aufbau einer Industrie zur Herstellung einer Vielzahl von Produkten aus Hanffasern. Aber dazu fehle es an politischem Willen, wissenschaftlicher Forschung und der Erhebung klarer Marktdaten, kritisiert Chopaka. Ganja als Touristenattraktion hält sie jedenfalls für überbewertet: „Touristen kommen nicht zum Kiffen nach Thailand. Das ist allenfalls ein nettes Extra.“

Für eine Regulierung des Freizeitkonsums

Chopaka, Mutter von zwei halbwüchsigen Kindern, stellt negative Nebenwirkungen des Kiffens nicht in Abrede. Deshalb ist sie auch für eine klare Regulierung des Freizeitkonsums. Auf die Lockerungen der strengen Regulierung des Alkoholverkaufs und -konsums an buddhistischen Feiertagen zur Förderung des Tourismus, blickt sie daher mit Unverständnis. „Das zeigt, woher das Geld kommt.“

Die Pro-Cannabis-Partei Bumjathai unter dem inzwischen amtierenden Premierminister Anutin hatte am 8. Februar die vorgezogene Parlamentswahl gewonnen. Ein wahrscheinlicher Koalitionspartner wird die Partei Pheu Thai sein, die den Freizeitkonsum von Cannabis ablehnt. Die Position der konservativen Klatham-Partei als dritte im Bunde ist unbekannt. Allerdings war ihr vor Jahrzehnten in Australien als Heroindealer verurteilter schillernder Vorsitzender Thamanat Prompow seit 2019 in sämtlichen thailändischen Koalitionsregierungen Landwirtschaftsminister. Wie es weitergeht mit Cannabis in Thailand wird sich zeigen, wenn Ende März die neue Regierung unter Premierminister Anutin ihr Amt antritt.

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9 Kommentare

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  • In diesem Artikel kommt vor allem der Befürworter Chopaka zu Wort. Gegenteiligen Meinungen wird diese Ausführlichkeit nicht zu teil.

    So hat der Pro-Autor Robert Lenz dann auch mal hintenüber fallen lassen, dass der Cannabis-Boom überwiegend Billig-Touristen anzieht. Diese wiederum sind ein Minusgeschäft für die Gemeinden und schrecken solventere Touristen ab. Das dürfte in Wahrheit hinter den Überlegungen stehen, die liberale Handhabung von Cannabis in Thailand wieder einzudampfen.

    • @rakader:

      Fragt sich ob man dieses Problem im Umgang von Thailand mit Weed sieht.



      Ich sehe den definitiv im falschen Umgang der Länder aus denen Billig-Touristen stammen.



      Das Problem verschiebt sich damit ja auch nur.



      Wegen Drogen sollte man nicht Urlaub machen (müssen).

      • @Das B:

        Das ist eine theoretische Diskussion und Sicht, die mit der aktuellen Lage in Thailand aber nichts zu tun hat.

        Aus thailändischer Sicht ist Cannabis ein Nebenthema. Ganz vorne aber steht der Tourismus, Overtourism und die Angst vor Beschädigung der Marke. Tourismus lebt von Vertrauen. In keinem Segment reagieren die Kunden empfindlicher.

  • Vielleicht kann das Mexikanische Kartell helfen, die "nachhaltige Industrie" aufzubauen?

    • @Alex Roe:

      Steile Worte aus einen Land das den legalen Bezug gerade wieder in den Schwarzmarkt drängt.

  • Cannabis kann wohl in Einzelfällen als Schmerzmittel helfen, wo anderes nicht wirkt. Und Illegalisierung ist da empirisch kein Selbstzweck.



    Der Rest aber ist Hirnzuballern, wo wir derzeit wohl eher klare Vernunft und ungetrübte Kreativität bräuchten. Wer auf Kiffen aktiv und fördernd setzen würde, wird entsprechende Folgen am Ort auch als Möglichkeit in Kauf nehmen müssen. Übrigens auch von Ländern, die da Skepsis haben (vgl. Opiumkriege, China). Will Thailand das?

    • @Janix:

      Was genau habe ich von klarer Vernunft und Kreativität? Wenn ich mir die (vorgeblich) drogenfreie Regierung hier anschaue kann das nicht mit viel weniger Hirn laufen ohne den Titel Anarchie zu rechtfertigen.



      Es ist doch eher so das man diesen Wahnsinn nur im zugedröhnten Zustand ertragen kann.



      Übrigens Alkohol zerstört nachweislich Gehirnzellen.



      Weed nicht.



      Also bitte in Relation bleiben mit den Vernunfts-Argument.

      • @Das B:

        Die Realität angehen, sich nicht arrangieren, nicht flüchten. Jeder aber nach seinem/ihrem Gusto.



        Weed kann in einzelnen Fällen schon eine psychische Vorerkrankung hochkommen lassen, doch auch die CSU oder CDU Westmüsterland ist gewiss ohne die Existenz von Bier kaum umfassend zu erklären ; )



        Ich empfehle dabei Thailand ja auch nicht, auf Bierballermann oder Shishatempel zu setzen.

  • Thailand hat mehr Bürokratie als Australien und Japan??? Das kann ich mir nicht vorstellen.