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CDU-Männer in BaWüWas für Memmen

Tobias Schulze

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Tobias Schulze

Die Südwest-CDU gibt im Umgang mit dem Rehaugen-Video und der Niederlage ein jämmerliches Bild ab. Gruppenseminar statt Regierung wäre angebracht.

Wenn du mit einem Finger auf andere zeigst, zeigen drei auf dich Foto: Wolfgang Maria Weber/imago

D en Typen aus der baden-württembergischen CDU würde ein gemeinsames Retreat guttun. Nach der Wahlniederlage vom Sonntag sollten sie sich für ein paar Tage aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Keine Interviews mehr, dafür ab in eine Blockhütte im Schwarzwald zum Gruppenseminar: Moderne Männlichkeit für Anfänger.

Denn so jämmerlich wie in den vergangenen 14 Tagen kann es nicht weitergehen. Schon das acht Jahre alte Rehaugen-Video gab Hinweise auf ein fragiles Selbstwertgefühl: Ein erwachsener Mann hat es nötig, Bestätigung aus der Illusion zu ziehen, Teenagerinnen würden ihn anhimmeln. Das allein hätte man noch abtun können. Videoschnipsel sind eine schlechte Basis für Ferndiagnosen, und im Verlauf eines knappen Jahrzehnts könnte auch ein CDU-Politiker charakterlich gereift sein.

Ist er aber nicht, und seine Parteifreunde sind es ebenso wenig. Hagel selbst, sein Generalsekretär Tobias Vogt, CDU-Innenminister Thomas Strobl und sogar Friedrich Merz finden weder mit dem Video selbst noch mit ihrer Wahlniederlage einen gesunden Umgang. Schon vor dem Wahlsonntag war das Unions-Geschrei von einer „Schmutzkampagne“ skurril: Führten diese Leute den ersten Wahlkampf ihres Lebens? Haben sie selbst noch nie gegen Gegner und Gegnerinnen ausgeteilt? Ist es ihnen echt nicht zuzumuten, ein einziges Mal an der eigenen Medizin zu schnüffeln?

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Endgültig würdelos wurde es aber ab Sonntag um 18 Uhr: Die CDU-Männer wollen den Wahlsiegern eine „Entgiftungskur“ verschreiben, jammern pausenlos über einen vermeintlichen „MAGA-Stil“ und „Hass und Hetze“. Dann schieben sie auch noch Hagels Frau und Kinder vor und werfen den Grünen die Belastung für seine Familie vor, anstatt dazu zu stehen, was ihr Kandidat ihnen eingebrockt hat.

Ein kollektiver Nervenzusammenbruch in der Partei. Misslich, dass sich ohne die Union keine Regierung bilden lässt: Solchen zarten Gemütern kann man ein Land eigentlich nicht anvertrauen.

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Tobias Schulze
Parlamentskorrespondent
Geboren 1988, arbeitet seit 2013 für die taz. Schreibt als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen, deutsche Außenpolitik und militärische Themen. Leitete zuvor das Inlandsressort.
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6 Kommentare

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  • Die Tragödie ist nur, dass die Memmen der CDU mit den anderen Memmen von noch weiter rechtsaußen eine parlamentarische Mehrheit haben, die sie in schätzungsweise zwei Jahren nutzen werden, evtl. gruppenseminarmäßig in der Alb ausgeknobelt.

  • Die Konsequenzen des eigenen Handelns nicht tragen zu wollen, ist irgendwie typisch für die CDU. Kohl und die Spenden, Spahn und die Masken, Beispiele gibt es genug. Jetzt das sexistische Statement von Hagel, wo man lieber die Überbringerin der Nachricht köpfen würde, als das eigene Fehlverhalten einzugestehen oder zumindest das eigene Schandmaul zu halten. Diese Partei ist einfach nur armselig.

  • Das klingt alles sehr nach MiMiMi von Seiten der cdu.

  • Das war kurz vor der Wahl schäbig von den Grünen. Warum immer alles was die Grünen machen beschönigen. Sie haben nicht nur Hagel, sondern auch seiner Familie, die massive persönliche Angriffe und Bedrohungen im Internet erdulden müssen, geschadet. Ist das zukünftig Wahlkampfstil der Grünen ?

    • @Filou:

      nur mal zur Einordnung, es waren zwei Videos, die kommentarlos einfach Herrn Hagel beim Reden zeigen. Da wurde nichts zusammengeschnitten, nichts dramatisiert.



      Wenn diese Videos dann Wirkung zeigen, liegt das am Inhalt und ganz nebenbei, etliche CDU-Wähler, werden auch kein Problem in den Videos erkennen können.



      Eine Schmutzkampagne sieht anders aus. Es ist weder Schmutz, der da ausgekippt wird (es kommt ja alles von Herrn Hagel selbst) noch eine Kampagne, es wird nichts aufgebauscht und hetzerisch verrissen.



      Zu zeigen, was jemand sagt und tut ist keine Kampagne, liegt die Bewertung doch bei jeder Person, die die Videos betrachtet.



      Und ganz ehrlich, zwei Videos sollen Schuld am Wahlergebnis sein? Wirklich?

  • Dieses Gruppenseminar kann ja dann gerne drei Monate andauern und man geht gestärkt in den nächsten Wahlkampf.

    Herr Stieber nannte das Wahlkampfmanöver von Frau Mayer "mit Härte ein wichtiges Thema gespielt" (ich würde es etwas anders formulieren, den am Ende ging es nicht um irgendein Thema, sondern um eine Person). Insoweit ist ja die Frage durchaus die Frage berechtigt, ob man sich mit solchen Mitspielern in eine Koaltion begeben möchte oder nicht.

    Schließlich kann niemand wissen, wann das nächste Foul von Linsaußen gespielt wird.

    Ja, ein etwas längers Gruppenseminar wäre doch ganz gut.