Brasilien als Urlaubsland: Ärger mit israelischen Soldaten
Im Süden des brasilianischen Bundesstaates Bahia häufen sich Zwischenfälle mit israelischen Touristen, die nach dem Militärdienst auf Reisen sind.
Sie kommen seit Jahren zu Tausenden, immer in den Wochen nach Karneval. Der Touristenort Itacaré im Süden von Bahia in Brasilien ist berühmt für seine perfekten Surf-Wellen und für seinen Küstenregenwald, der bis an die malerischen Buchten reicht.
Die 30.000-Einwohner-Stadt empfängt rund 130.000 Touristen pro Jahr, darunter Gruppen junger Israelis, die sich nach ihrem Militärdienst auf Reisen zu den immer gleichen Zielen begeben: Manche Restaurants und Pensionen haben extra Karten auf Hebräisch vorliegen. Die jungen Leute haben allerdings einen zweifelhaften Ruf, sie seien unhöflich, geizig und übermäßig dem Alkohol und anderen Drogen zugetan, heißt es. Doch mehr als Ärger ist daraus bisher nicht entstanden.
In diesem Jahr ist die Stimmung anders, dieses Mal kommen die israelischen Urlauber direkt aus dem Krieg. „Kriegsverbrecher laufen frei an unseren Stränden herum“, kommentiert das Nachrichtenportal Intercept.
Wer dieser Tage durch die kleine Kolonialstadt läuft, findet leicht Beispiele für die angespannte Stimmung. Sei es, dass eine israelische Reisegruppe im Restaurant unwirsch den Kellner herbeizitiert, sei es, dass eine Touristin im Linienbus den Fahrer anbrüllt, weil die Klimaanlage nicht richtig läuft – kleinste Frustrationen führen zu heftigen Reaktionen.
Tourismussekretärin trotzdem zufrieden
Über den bisher schlimmsten Fall berichtete am vergangenen Mittwoch der Sender CNN: Einer Straßenhändlerin schlug einer der israelischen Urlauber so heftig ein Handy ins Gesicht, dass ihre Nase dabei gebrochen ist. Die Stadt hat sich dazu bisher nicht geäußert. Nur wenige Tage zuvor zeigte sich die Tourismussekretärin der Stadt auf einer Infoplattform des Bundesstaates noch zufrieden darüber, dass die Kriege im Mittleren Osten den Touristenfluss nicht beeinträchtigt hätten.
Im Gegenteil, während früher eher Rucksacktouristen aus Israel gekommen seien, gäben die jungen Leute in dieser Saison deutlich mehr Geld zum Beispiel für Ferienhäuser aus. Anwohner hingegen beschweren sich, dass sie dort bis in den Morgen lautstark Partys feierten und die Polizei auch nach Anruf nicht käme.
Dabei hat sich der Kommandant der Militärpolizei des Ortes extra am Mittwoch mit dem Verantwortlichen der Synagoge in Itacaré getroffen, um über den schwierigen Umgang beider Nationalitäten zu sprechen. Die Polizei gab dabei Hinweise zum Erhalt der öffentlichen Ordnung und der Einhaltung brasilianischer Gesetze.
Die internationale Gaza-Aktivisten-Initiative Global Sumud Flotilla hat außerdem für den kommenden Samstag Geschäftsleute, Beschäftigte aus dem Tourismussektor und Reisende zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen, bei dem Ideen zu einem Tourismusmodell entstehen sollen, das „die lokale Kultur, das Territorium und die lokale Wirtschaft durch eine Route des ethischen Tourismus“ stärken soll. Außer in Itacaré findet das Gespräch auf der Insel Morro de São Paulo statt, wo sich jährlich bis zu 25.000 israelische Urlauber aufhalten.
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