piwik no script img

Nahost versus KlimaGreta Thunberg hat andere Sorgen als die Erderwärmung

Die schwedische Klimaaktivistin verfolgt ein neues, für sie wichtigeres Ziel: Freiheit für Palästina. Alles andere regelt sich dann schon von selbst.

E s kommt nichts Gutes dabei heraus, wenn Menschen keinen Fernseher haben. Jüngster Beweis: Greta Thunberg. Am Tag, als zwei Terroristen bei einer Chanukka-Feier in Sydney ein Blutbad mit 15 Toten und Dutzenden teils schwer Verletzten anrichteten, postete die inzwischen 22-jährige Schwedin ein Video auf Instagram.

Sie fordert darin, dass acht in Großbritannien wegen mutmaßlichen Einbruchs inhaftierte „Free Palestine“-Aktivist*innen freigelassen werden. Sie befinden sich nämlich im Hungerstreik und das gefährdet ihre Gesundheit. Sie könnten natürlich auch etwas essen, zum Beispiel Pommes mit nachhaltiger Mayo oder gänzlich veganen Hummus. Aber dann würden sie die palästinensische Sache verraten, denn nur wenn sie nichts essen, wird es den Menschen in Gaza bald besser gehen. So habe ich es jedenfalls verstanden.

Greta hat also nicht ferngesehen, und jetzt haben wir den Salat: Sie wusste ganz offenbar nichts von dem Terroranschlag auf australische Juden. Sonst wäre sie selbstverständlich darauf eingegangen, schließlich kämpft sie für universale Menschenrechte.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Okay, es stimmt, dass wir Greta Thunberg eigentlich als unerschrockene Klimaaktivistin abgespeichert haben. Mit acht Jahren sieht Greta in der Schule einen Film über verhungernde Eisbären. Sie ist geschockt und liest mehr. Später erzählt sie, sie habe nicht glauben können, dass Menschen das Klima der Erde verändern könnten. „Denn wenn es wahr wäre, würden wir über nichts anderes mehr reden. Wenn man den Fernseher anmacht, würde nur darüber berichtet. Schlagzeilen, Radio, Zeitungen – man würde nur noch davon hören. Aber keiner sprach je darüber.“

Nahost-Debatten

Der Israel-Palästina-Konflikt wird vor allem in linken Kreisen kontrovers diskutiert. Auch in der taz existieren dazu teils grundverschiedene Positionen. In diesem Schwerpunkt finden Sie alle Kommentare und Debattenbeiträge zum Thema „Nahost“.

Dass Greta jetzt nur noch über „Free Palestine“ redet, stimmt mich entsprechend hoffnungsfroh. Es ist ein eindeutiges Zeichen, dass es mit dem Klimaschutz aufwärts geht. Sie weiß mit großer Wahrscheinlichkeit Dinge, die wir noch gar nicht mitbekommen haben. Zum Beispiel: „Es kann keine Klimagerechtigkeit auf besetztem Land geben.“ Lasst uns also zuerst den Nahostkonflikt lösen und dann wieder für das Klima auf die Straße gehen. Die Erderwärmung ist letztlich ein Nebenwiderspruch des Israel-Problems. Ist Israel erst einmal, ähm, abwesend, dann wird sich das Weltklima verbessern.

Wie jetzt? Ihr zweifelt? How dare you!

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Silke Mertins

Silke Mertins Redakteurin Meinung

Kommentatorin & Kolumnistin, Themen: Grüne, Ampel, Feminismus, Energiewende, Außenpolitik
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Ich bedaure ebenfalls die jüngsten Anschläge in Sidney, auch befürworte ich nicht alles, was Fr. Thunberg macht, aber es hilft niemanden, Spaltung weiter voranzutreiben & nach Gutdünken dann eben eine junge Autistin lächerlich zu machen. Mit diesem Artikel hat sich Fr. Mertins keinen Gefallen getan.