Boris Lochthofen zurück beim MDR: Neuer Intendant mit schwierigen Aufgaben
Zurück in der Anstalt muss der neue Programmdirektor Boris Lochthofen vor allem eins machen: den MDR und die Öffentlich-Rechtlichen gegen die AfD verteidigen.
D er Winter hat den MDR im Griff. Das merkt am Montag auch der Rundfunkrat des Senders. Einige Mitglieder schaffen es wegen Verkehrsproblemen erst gar nicht zur Sitzung nach Leipzig. Und weil der zuständige Betriebsdirektor Ulrich Liebenow Urlaub hat, war auch das MDR-Gelände am Vormittag nur mäßig vom Schnee geräumt.
Nun ist die Vorstellung eines schneeschiebenden Anstaltsdirektors so lustig wie abwegig, passt aber zu den Herausforderungen eines anderen MDR-Direktors. Der wird an diesem Montag frisch gewählt, ist aber ein alter Bekannter und heißt Boris Lochthofen.
Er soll künftig die beiden MDR-Standorte in Halle und Leipzig gemeinsam als Programmdirektor führen, was schon spannend genug wird. Überhaupt ist diese Aufteilung ein Anachronismus aus alter Zeit, als Hörfunk (Halle) und Fernsehen (Leipzig) noch ein mediales Eigenleben führten. Der MDR ist längst crossmedial aufgestellt, aber weil der Standort Halle im Staatsvertrag steht, bleibt es eben dabei. Jetzt gibt’s immerhin einen gemeinsamen Chef.
Dass Lochthofen überhaupt antritt, ist sowieso ein kleines Weihnachtswunder ganz nach MDR-Geschmack, wenn auch ohne Bach. Schließlich kennt er den Laden mehr als gut. Von 2016 bis 2023 war er schon mal Direktor des MDR-Landesfunkhauses Erfurt und wollte eigentlich Intendant werden. Doch weil einige sehr Übriggebliebene in den MDR-Gremien Lochthofen als Linken anstrichen, wurde das nichts.
Verteidigung gegen rechts
Jetzt gibt Lochthofen seinen gutdotierten Job in der freien Medienwirtschaft auf und geht zurück in die Anstalt. Natürlich verdient er auch da als Direktor kein schlechtes Geld. Doch es geht um etwas Wichtigeres.
Denn platt gesagt, darf/muss/soll Boris Lochthofen den MDR nun ganz direkt gegen die AfD verteidigen. Die Partei liegt nicht nur bei den Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Herbst vorne. Sie will den MDR-Staatsvertrag und alle Verträge der Öffentlich-Rechtlichen kündigen und den Rund- zu einem ihr genehmen Heimatfunk kleinschleifen.
Es geht aber nicht nur um die AfD oder nur um den MDR. Auch die CDU in Sachsen-Anhalt und Sachsen gibt sich aktuell viel Mühe, die öffentlich-rechtliche Idee mit ihrem Beitrags-Starrsinn vor die Wand zu fahren. Damit erledigt sie das Geschäft der AfD gleich mit. Und gefährdet so das gesamte System von ARD, ZDF und Deutschlandradio.
Was bitte nicht bedeutet, dass die Reform der Öffentlich-Rechtlichen keinen Sinn macht. Ganz im Gegenteil, sie muss weitergehen und Anstalten wie Gremien und der Medienpolitik noch jede Menge Sprünge über den eigenen Schatten abverlangen.
Auch hier kann Lochthofen mit seiner (sowohl Privatwirtschaft als auch ÖRR) Erfahrung dem Laden gerade auf diese Sprünge helfen. Und wenn nächsten Winter die MDR-Direktoren in Halle wie Leipzig selbst Schnee schieben, ist das Lean-Management perfekt. „Ach wie schön und zweckmäßig, eine gemeinschaftsbildende Maßnahme, die auch die Unternehmenskultur fördert“, meint die Mitbewohnerin.
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