Berliner Friedenskonferenz: Friedlich gegen die Rüstungsindustrie
Friedensaktivisten beraten über Formen des Widerstands gegen Rüstungskonzerne. Eine Recherche zum militärisch-industriellen Komplex wird vorgestellt.
In den letzten Jahren sah man in Berlin auf Demonstrationen der Friedensbewegung kaum junge Menschen. Das könnte sich jetzt ändern. Am Wochenende zeigte sich im City-Kino Wedding eine neue Berliner Friedensbewegung. Etwa 150 überwiegend junge Menschen unter 30 kamen zur Berliner Friedenskonferenz, auf der unter dem Motto „Entrüstung“ neue Impulse für den Kampf gegen die militaristische Zeitenwende gegeben wurden. Klar in der Minderheit waren langjährige antimilitaristische Aktivisten wie der linke Gewerkschafter Jochen Gester. „Na endlich“, ist sein knapper Kommentar zum zahlreich erschienenen Nachwuchs.
Eingeladen zur Konferenz hatten die sozialistische Stadtteilorganisation „Hände weg vom Wedding“ (HwvW) und der Bund der Kommunist*innen (BdK), der in Lichtenberg, Neukölln und Wedding Stadtteilkomitees gegründet hat. Am Samstag wurde in mehreren Arbeitsgruppen unter anderem über den Kampf gegen die Wehrpflicht, aber auch den Widerstand gegen Aufrüstung am Arbeitsplatz diskutiert.
Diese Frage hat im Stadtteil Wedding eine besondere Brisanz. Schließlich wird dort aktuell das Pierburg-Werk, das bisher Ersatzteile für Autos produzierte, in eine Waffenschmiede von Rheinmetall umgerüstet. „Seit letztem Jahr gibt es dagegen Widerstand im Stadtteil. Es gab zahlreiche Haustürgespräche im Wedding, wo wir auf die Gefahren des Rüstungskonzerns für den Stadtteil hinweisen“, berichtet eine Aktivistin vom BdK. Die Ablehnung von Rheinmetall im Wedding sei groß. Nur hätten viele Menschen bisher die Haltung, dass man dagegen nichts machen könne.
Aktivistin vom Bund der Kommunisten
Das wollen die Aktivist*innen ändern. Ihr Motto lautet „Krieg beginnt hier. Deshalb müssen wir uns auch hier dagegen wehren“. Damit ist nicht nur das Rheinmetall-Werk im Wedding gemeint.
Berliner Orte der Rüstungsindustrie
Auf der Konferenz wurde das Ergebnis einer Recherche über den militärisch-industriellen Komplex in Berlin vorgestellt, der seit Samstag auch online abrufbar ist. Dort werden mit Quellen unterlegt Orte der Rüstungsindustrie, der Zuliefererindustrie, aber auch von Denkfabriken markiert, die die Kriegstüchtigkeit propagieren. Mehrere Rüstungskonzerne haben Büros in unmittelbarer Nähe des Regierungsviertel, was die Lobbyarbeit erleichtert. Dazu gehört das Luft- und Raumfahrunternehmen Airbus-Group sowie das führende europäische Rüstungsunternehmen MBDA. Zu den Lobbygruppen der Rüstungsindustrie wird auch die Gesellschaft für Sicherheitspolitik und der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gezählt.
Der Konferenztag am Samstag endete mit einer antimilitaristischen Choreografie zu den Klängen des Protestsongs „Doch meine Söhne geb ich nicht“, in dem der Liedermacher Reinhard Mey 1986 zum zivilen Ungehorsam gegen jeden Krieg aufrief. Die Konferenzteilnehmer*innen wollen sich daran orientieren.
Einige Termine stehen schon fest. So sind für den 10. und 11. Juli 2026 bundesweite Aktionstage gegen den Rheinmetall-Konzern in Berlin geplant. Ziel ist die Verhinderung der Waffenproduktion in dem Weddinger Werk.
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