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Ausstellung zum Alltag im UkrainekriegSie sind an der Front und fehlen zu Hause

Die Berliner Schau „Pankows Partnerstadt Riwne – persönliche Berichte vom Alltag im Krieg“ zeigt das Leben in der Ukraine. Und erinnert an alte Verbrechen.

Entspannt schließt das Kamel die Augen. Oleh Pavliuk, Zoodirektor im westukrainischen Riwne, steht vor ihm. In der rechten Hand hat er einen Zweig mit getrocknetem Eichenlaub. Im Video, das über den QR-Code neben dem Foto abrufbar ist, frisst ihm das Kamel aus der Hand.

Pavliuk erzählt, wie sich nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine alle Zoodirektoren des Landes zu einer Videokonferenz getroffen haben und jeder berichtet hat, was er gerade am notwendigsten braucht. Schnell wurde der Riwner Zoo zur Koordinationsstelle für die passgenauen Hilfspakete aus Europa: „Wir baten die Fahrer, nehmt bitte zwei Paletten mit Futter für den Elefanten mit, denn dort hat der Elefant nicht zu fressen. Wir luden sie schnell ins Fahrzeug und sie kamen an.“

Zwölf Fotos, zwölf Menschen, zwölf Orte in der 250.000 EinwohnerInnen zählenden Stadt, das ist die Wander-Ausstellung „Pankows Partnerstadt Riwne – persönliche Berichte vom Alltag im Krieg“. Vor einem Jahr besuchten MitarbeiterInnen des Museums Pankow die Stadt. Sie waren unter anderem im dortigen Lyzeum, im Staatsarchiv, in der Musikfachschule, im Krankenhaus und im Theater.

Im Video steht Intendant Volodymyr Petriv vor der tiefroten Saal-Bestuhlung und zeigt dann auf das Foto eines an der Front gefallenen Ensemble-Mitglieds. Was alle ProtagonistInnen der Ausstellung vereint, ist die Wehmut darüber, dass die RiwnerInnen, die an der Front das Land verteidigen, zu Hause in ihrem eigentlichen Arbeitskontext sehr fehlen.

Sandsäcke vor den Museumsfenstern

Die großformatigen Fotos sind der Teaser zu den Videos, mit denen man tief in die Stadt eintaucht. Man sieht die Sandsäcke vor den Fenstern des Regionalmuseums und folgt Hennadii Freierman zur Gedenkstätte Sosenki, die den Ort markiert, an dem im November 1941 ca. 17.500 Menschen erschossen wurden.

Die Ausstellung

„Pankows Partnerstadt Riwne – Persönliche Berichte vom Alltag im Krieg Rathaus Pankow“. Rathaus Center Pankow, Berlin, bis 14. März. In Berlin lebende oder hierher geflüchtete UkrainerInnen stehen Interessierten täglich von 15-20 Uhr in der Ausstellung Rede und Antwort

Riwne war vor 1941 eine multikulturelle Stadt mit einer überwiegend jüdischen Bevölkerung, die durch deutsche Einsatzgruppen-Angehörige und ukrainische Milizen fast vollständig ausgelöscht wurde. Nachkriegsfotos in der Ausstellung zeigen eine total zerstörte Stadt und den Willen der Riwner Holocaust-Überlebenden, Sosenki unmittelbar nach Kriegsende zum jüdischen Gedenkort zu machen.

Das war in der UdSSR unerwünscht. Erst 1991, mit der Unabhängigkeit der Ukraine, konnte hier ein Gedenkort entstehen. Der Historiker Petro Dolhanov beschäftigt sich mit der Shoah in der Region: „Meine Aufgabe ist, die Geschichte des Anderen zu erforschen, der einst unser Nachbar war, der verschwunden ist.“

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