Ausbreitung von Krankheiten: Experten warnen vor Vogelfütterung im Sommer
Wer Vögel im Sommer füttert, riskiert laut dem Nabu, dass sich Krankheiten unter den Tieren verbreiten. Zudem vertragen Jungvögel nicht jedes Futter.
Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow
epd | Der Naturschutzbund (Nabu) in Hamburg rät von einer Fütterung von Vögeln im Sommer ab. Noch vor wenigen Jahren rieten Naturschützer zur ganzjährigen Vogelfütterung und begründeten das mit einem zurückgehenden natürlichen Nahrungsangebot. Doch inzwischen stehe fest, dass die Sommerfütterung die Ausbreitung von Krankheiten und damit den Tod von Vögeln begünstigen kann, sagt Marco Sommerfeld, Referent für Vogelschutz beim Nabu Hamburg, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
„Wir haben in den letzten Jahren zunehmend Vogelkrankheiten in Gärten und speziell an Futterstellen festgestellt“, sagt Sommerfeld. Trichomoniasis-Parasiten etwa hätten über zehn Jahre hinweg ein Grünfinkensterben hervorgerufen. Bei Blaumeisen habe ein Bakterium zum Tod geführt. Sommerfeld erläutert: „Ist ein Vogel infiziert und kommen an einer Futterstelle viele Vögel zusammen, können sich die Parasiten, Bakterien und damit die Krankheiten schnell weiterverbreiten – und zwar vor allem im Sommer, im Winter ist das eher nicht der Fall.“ Daher rate der Nabu Hamburg inzwischen von einer Vogelfütterung im Sommer ab.
Überhaupt lasse sich mit einer Vogelfütterung außerhalb des Winters mehr falsch als richtig machen. „Füttert man fettreiches Futter im Frühjahr, reduziert sich nach aktuellem Anschein die Fruchtbarkeit der Vögel: Ihre Eier werden taub und es schlüpft kein Nachwuchs daraus, das ist dramatisch“, sagt Sommerfeld. Hinzu komme, dass Menschen oft Sonnenblumenkörner oder Erdnussbruch verfütterten – Jungvögel würden das jedoch nicht vertragen. „Ihre Mägen können dieses Futter noch nicht verwerten, weshalb viele junge Vögel, die so etwas fressen, sterben.“
Wer wolle, könne Wasser für die Vögel bereitstellen, sagt Sommerfeld. Wichtig sei aber, die Wasserstelle täglich zu reinigen, da sich Krankheitserreger und Parasiten sonst schnell vermehren und übertragen könnten. Zudem ist es wichtig, Wasser häufig zu wechseln, damit sich darüber keine Mücken ausbreiten können. Stechmücken legen ihre Eier in stehendes Wasser.
Heimische Sträucher
Sommerfeld rät zudem dazu, Gärten naturnah zu gestalten. Er empfiehlt heimische Sträucher wie Schlehe, Eingriffeligen und Zweigriffeligen Weißdorn, Haselnuss, Holunder oder Berberitze. Auch ein Laub-, Reisig- und Komposthaufen seien gut. Vögel könnten an diesen Orten immer Insekten finden.
Auch Nistkästen seien empfehlenswert. „In der Regel empfiehlt sich ein Höhlenbrüterkasten mit einem runden Loch“, sagt Sommerfeld. „Während man für die Blaumeise ein 26-Millimeter-Loch wählt, nimmt man für Haussperling und Kohlmeise eher 32 bis 35 Millimeter.“ Wer in einer Region wohnt, wo Stare leben, sollte Nistkästen mit 45-Millimeter-Loch aufhängen, sagt der Nabu-Experte.
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