piwik no script img

Ausbildungskonform erschossen

Nicht am Boden liegend: Ein neues Video zeigt, wie die Polizei den Palästinenser Omar erschossen hat

Den Einsatzkräften ist erst einmal nichts vorzuwerfen

Rafael Behr, Professor für Polizeiwissenschaften an der Akademie der Polizei

Von Lukas Door

Am 28. Mai erschoss ein Polizeibeamter Omar, einen Palästinenser, der aus dem Libanon geflohen war. Gestern berichtete die taz über Videoaufnahmen, die die neu gegründete Initiative „Gerechtigkeit für Omar!“ verbreitet. Sie zeigen den Vorfall von der gegenüberliegenden Straßenseite aus. Die Initiative zieht aus den Bildern die Schlussfolgerung, dass Omar zu einem Zeitpunkt vor der Tötung am Boden gelegen habe.

Die Hamburger Morgenpost (Mopo) wiederum veröffentlichte gestern ein Video, das den Moment der Schussabgabe von oben zeigt. Zum Zeitpunkt der Tötung steht Omar auf beiden Beinen, um ihn herum bewegen sich Einsatzkräfte. Das Video zeigt den Moment, in dem die Situation eskalierte: Omar bewegt sich auf einen Beamten zu, kurz darauf greift sich der Beamte an den Arm und geht zu Boden. Dann werden sieben Schüsse abgegeben.

Rafael Behr, Professor für Polizeiwissenschaften der Akademie der Polizei Hamburg, hatte den Schusswaffeneinsatz in der taz kritisiert. Vor dem Hintergrund der neuen Aufnahmen reflektiert er den Vorfall erneut: „Den Einsatzkräften ist erst einmal nichts vorzuwerfen, da sie ausbildungskonform gehandelt haben“, so Behr. Die Situation sei quasi „katalogartig“: Jemand laufe mit einem Messer auf die Einsatzkräfte zu, als Konsequenz werde geschossen.

„Es bleibt zu kritisieren, dass keine Technologien entwickelt werden, mit denen Personen gefasst werden können, ohne sie zu töten“, bemängelt Behr. Es fehle an schnell wirksamen Distanzinstrumenten. „Daran müsste man forschen und ich frage mich, warum da noch nichts Anwendungsreifes auf dem Markt ist.“

Ermittlungen sind weiterhin im Gange. Mülayim Hüseyin, Rechtsanwalt und Initiator von „Gerechtigkeit für Omar!“, bekundet gegenüber taz Interesse an der Ermittlungsakte. Bisher habe er nicht mit der Polizei in Kontakt gestanden. Ihm sei die Einsicht der Akte nur mit Vollmacht der Familie möglich. „Es kann sein, dass ich nach Beirut, in den Libanon, reisen werde, um Omars Eltern aufzusuchen und mich bevollmächtigen zu lassen“, so Hüseyin. „Ich bin bereit, juristischen Beistand zu leisten.“ Ebenso sei er bereit, Omars Schwester, die in Dortmund wohne, rechtlich zu vertreten, sofern sie ihn beauftrage. Er wolle den Vorfall nicht einfach auf sich beruhen lassen.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen