Auftakt Frauen-Bundesliga: Courage und Ambitionen
Union verliert zwar deutlich mit 1:4 gegen Bayern. Doch der spielstarke Auftritt zeigt, dass es um die internationalen Plätze spannend werden könnte.
Union Berlin hat gegen Bayern München für einen würdigen Auftakt der Fußball-Bundesliga gesorgt. Die Eisernen Ladys absolvierten vor über 17.000 Fans gegen die amtierenden Meisterinnen ein gutes Spiel, auch das Publikum war erneut erstklassig mit einer beeindruckenden Choreografie zu Spielbeginn.
Doch gerade die Tatsache, dass die Münchnerinnen am Ende deutlich mit 4:1 gewannen, dürfte nun wirklich allen den Glauben an einen halbwegs interessanten Titelkampf geraubt haben. Eine Woche zuvor mussten sich auch die Wolfsburger Vizemeisterinnen mit 3:0 im Supercup geschlagen geben.
Die Spannung wird im ersten Bundesligajahr ohne einen einzigen reinen Frauenverein voraussichtlich woanders liegen: neben dem Abstiegskampf auch im Kampf um die internationalen Plätze. Dort fanden sich in den letzten vier Jahren hinter den Bayern immer Wolfsburg auf Platz 2 und Eintracht Frankfurt auf Platz 3 ein, mit einigem Abstand zum vierten Platz, der nicht zur Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb berechtigt.
Nun hegt auch Union das Ziel, eher früher als später in diese Phalanx einzubrechen, zumindest ist nun nach Platz 9 in der Premierensaison eine Top-5-Platzierung das ausgerufene Ziel. Dafür setzt Trainerin Marie-Louise Eta auf ein flaches Aufbauspiel mitsamt der Torhüterin von hinten raus.
Union setzt auf Ballbesitz
Sobald sich der Ball in der gegnerischen Hälfte befand, rückten selbst gegen Bayern teilweise alle Feldspielerinnen dorthin, was für den ballbesitzorientierten Ansatz spricht. Eta hatte das Männer-Team von Union an den letzten fünf Spieltagen der vergangenen Bundesliga-Saison übernommen und in der kurzen Zeit direkt den Offensivansatz auf Kombinationsspiel statt vieler Flanken ausgerichtet.
Gegen die normalerweise hochstehenden Bayern kamen dann mitunter auch Umschaltsituationen hinzu, wie nach sieben Minuten, als Eileen Campbell auf ihrer rechten Seite durchbrach, das Tor aber letztendlich knapp verfehlte. Zuvor hatte Campbell mit einem Fehlpass die erste Münchner Chance ermöglicht. Da sich sonst zunächst fast keine Fehler in das Unioner Spiel einreihten und Bayern gegen den kompakten Block wenige Lösungen fand, musste eine Standardsituation für die Führung der Favoritinnen herhalten. Ein umstrittener Freistoßpfiff ermöglichte es Klara Bühl, den Ball von der Strafraumkante ins lange Eck zu zirkeln.
Keineswegs unterlegen
Ein Torschussverhältnis von 5:6 und ein Eckenverhältnis von 4:3 zur Pause zeigte, dass Union keineswegs unterlegen war, was sich allerdings mit Beginn der zweiten Halbzeit änderte. Die bayerische Druckphase wurde belohnt durch Pernille Harder, die einen Fehlpass ausnutzte (47.), und Glodis Viggosdottir, die nach einem Freistoß den Ball mit ihrem Bauch über die Linie beförderte (60.).
Unions Naika Reissner war immer wieder in gefährliche Szenen involviert und daher auch entscheidend beim Anschlusstreffer in der 79. Minute beteiligt, nach einer schönen Kombination köpfte schlussendlich Nele Bauereisen den Ball ins Netz. Die Gastgeberinnen bäumten sich noch einmal auf, mussten in der letzten regulären Minute jedoch noch das 1:4 durch Sophie Proost hinnehmen.
Der couragierte Auftritt, der Lust auf mehr machte und die Ambitionen des Vereins unterstrich, wurde von den Fans nach Schlusspfiff mit reichlich Applaus honoriert. Für Bayern wird das Hauptaugenmerk in dieser Saison wohl auf der Champions League liegen – ein Wettbewerb, für den sich Union perspektivisch auch qualifizieren möchte.
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