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Vorschau auf Frauen-BundesligaSehnsucht nach Überraschungen

Etliche Spitzenkräfte haben vor der Saison der deutschen Eliteliga den Rücken gekehrt. Die Pläne, wieder attraktiver zu werden, wirken unausgegoren.

Natürlich fällt das Rampenlicht schon wieder auf Trainerin Marie-Louise Eta. Zum Eröffnungsspiel der Frauen-Bundesliga zwischen Union Berlin und Bayern München (Freitag 18.20 Uhr/ZDF, Dazn und Magenta TV) generiert die 35-Jährige das größte Interesse, weil sie vor wenigen Wochen als Pionierin die Männer durch den Abstiegskampf führte. Mit ausreichend Abstand startet nun ihre nächste Mission: die zementierten Kräfteverhältnisse im deutschen Frauenfußball aufbrechen. Dass das Münchner Starensemble das fünfte Mal in Folge die Meisterschaft gewinnt, ist indes auch mit dem eisernen Willen von Union Berlin kaum zu verhindern.

Aber dahinter könnte sich das Feld neu sortieren, nachdem seit 2022/23 immer Bayern, VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt in dieser Reihenfolge die internationalen Plätze belegten. Union setzte mit der Verpflichtung der Frankfurter Nationalspielerinnen Jella Veit und Lisanne Gräwe ein Zeichen. Auch Bayer Leverkusen strengt sich an, in die Phalanx einzubrechen. Die Bayern haben derweil mit dem Bezug des Sportparks Unterhaching als neue Heimat – vorerst nur für die Champions-League-Heimspiele – ihre Ambitionen untermauert. „Wenn 2029 alles fertig ist, dann ist das eine Revolution im Frauenfußball“, behauptet Präsident Herbert Hainer.

Vizemeister VfL Wolfsburg und der Dritte Eintracht Frankfurt haben immer größere Probleme, ihre Leistungsträgerinnen zu binden. Wie sehr sich alles verändert, beschreibt Friederike „Fritzy“ Kromp als Trainerin von Werder Bremen: „Es ist schon verrückt, wie schnell die Entwicklung ging.“ Ablösesummen, Gehälter würden durch den internationalen Markt rasant steigen. Aber auch national nimmt der Verdrängungswettbewerb zu, weil erstmals nur noch Lizenzvereine mit einem Männerprofiteam die höchste Frauenspielklasse bilden. Rund zwei Millionen Euro fließen im Schnitt in die Quersubventionierung. Und wenn ein Mindestgrundgehalt kommt, wird der Personalaufwand noch einmal kräftig steigen.

Nach dem Abstieg von Carl-Zeiss Jena und SGS Essen als letzter Frauenfußballverein könnte es diesmal in der unteren Tabellenhälfte richtig spannend werden: Der VfB Stuttgart und FSV Mainz 05 sind „keine klassischen Aufsteiger“, sondern Neulinge mit einem enormen Ehrgeiz (Stuttgart) und einem klugen Plan (Mainz).

Ausverkauf bis zur Heim-EM?

Ansonsten verlassen prägende Figuren die Liga. Europameisterin Georgia Stanway. Geraldine Reuteler und Selina Cerci (alle FC Arsenal), Elisa Senß und Lineth Beerenstyn (beide Real Madrid), Nicole Anyomi (London City Lionesses) oder Vivien Endemann (FC Liverpool) sind weg. Nach der WM 2027 in Brasilien könnten die Bayern-Stars Klara Bühl und Franziska Kett folgen. Im schlimmsten Fall spielt zur Heim-EM 2029 keine deutsche Nationalspielerin mehr in der Heimat. Die Ausgliederung der Frauen-Bundesliga ist zu einem Zeitpunkt geschehen, an dem Vereine und Verband eigentlich alle Kräfte bündeln müssten.

Stattdessen hat sich die Frauen-Bundesliga FBL e. V. eigenständig auf den Weg gemacht – und den Bruch mit dem DFB in Kauf genommen. FBL-Präsidentin Katharina Kiel (Frankfurt) wird selten konkret, wenn es um die geeigneten Maßnahmen geht, „sichtbarer, innovativer und wachstumsfähiger“ zu werden. Wie bitte soll die Identität aussehen, wo England auf allen Ebenen meilenweit enteilt ist?

Lackmustest werden die anstehenden Verhandlungen für den neuen Fernsehvertrag – vorerst nur für die nächsten zwei Jahre. Zwei Streamingdienste übertragen diese Saison noch jedes Spiel. Mit den öffentlichen-rechtlichen Sendern kommen 5,17 Millionen Euro jährlich zusammen. Die Idee, schon ab der Saison 2027/28 Play-off-Spiele mit Halbfinale und Finale zur Meisterschaftsentscheidung einzuführen, um die Gebote in die Höhe zu treiben, wirkt unausgegoren.

Bayern-Direktorin Bianca Rech spricht von einer „Abwertung der Liga“ und Wolfsburgs Sportboss Dieter Hecking von einem „kontraproduktiven Eingriff“ in den Wettbewerb. Es mehren sich die Indizien, dass es auf der nächsten Mitgliederversammlung gar nicht zur Abstimmung kommt. Was oft nicht mitgedacht wird: Kann es sich Deutschland leisten, einen Überraschungsmeister in die immer herausfordernde Women’s Champions League zu entsenden, wo jeder Punkt für die künftigen Startplätze zählt? Bereits beim Supercup in Ingolstadt sollen die Bosse aus München und Wolfsburg beratschlagt haben, wie der Plan mit den Play-offs schnell wieder in der Schublade verschwindet.

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