Atommülllager in Gorleben: Ein Neubau wäre besser
Ein Endlager kommt erst im nächsten Jahrhundert. So lange wird der Atommüll also auch in Gorleben bleiben. Der Betreiber plant trotzdem nur für 20 Jahre.
D ie Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle dauert länger als ursprünglich geplant. Viel länger. Statt wie im noch geltenden Standortauswahlgesetz vorgesehen im Jahr 2031, wird erst in mehreren Jahrzehnten ein Standort gefunden und benannt sein. Bis das Endlager gebaut und befüllt ist, wird weitere Zeit ins Land gehen. Viel Zeit. Expert:innen rechnen mit einem Betriebsbeginn erst im nächsten Jahrhundert.
Das hat erhebliche Folgen für die Zwischenlagerung des hochradioaktiven Schrotts. Die 16 Zwischenlager in Deutschland – 14 davon stehen an den Standorten stillgelegter Atomkraftwerke, dazu kommen die zentralen Lager in Gorleben und im westfälischen Ahaus – wurden seinerzeit nur für eine Betriebsdauer von 40 Jahren genehmigt.
Als Erstes läuft im Jahr 2034 die Genehmigung für das Zwischenlager in Gorleben aus. Dort stehen 113 Castorbehälter. Sie wurden zwischen 1995 und 2011 in insgesamt 13 Transporten, geschützt von Zehntausenden Polizist:innen und begleitet von Protesten Zehntausender Demonstrant:innen, ins Wendland gekarrt.
Die von 1982 bis 1983 errichtete oberirdische Halle im Gorlebener Wald hat im Vergleich zu neueren Zwischenlagern deutlich geringere Abmessungen bei Wänden und Decken. Die Wände aus Stahlbeton sind nur 50 Zentimeter dick, das Betonplattendach hat lediglich eine Stärke von 20 Zentimetern.
Kartoffelscheune mit dünnen Wänden
Die Atomkraftgegner:innen im Wendland sprechen deshalb von einer „Kartoffelscheune“. Ihrer Ansicht nach ist das Zwischenlager nicht gegen Flugzeugabstürze, Drohnenangriffe und sonstige Attacken mit schweren Waffen geschützt. Immerhin lässt die Betreibergesellschaft BGZ seit 2024 eine 10 Meter hohe Schutzwand aus Stahlbeton um die Anlage errichten.
Zudem gilt seit dem vergangenen Frühjahr eine Flugbeschränkungszone über dem Zwischenlager, die von Umweltschützern seit Langem gefordert wurde. Sie verbietet bemannten Flugzeugen sowie privaten Drohnen das Überfliegen des Geländes. Allerdings haben Anwohner mehrfach berichtet, dass das Flugverbot nicht eingehalten wird.
Anfang dieser Woche hat die BGZ bekannt gegeben, dass sie beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) eine Verlängerung der Zwischenlagerung in Gorleben beantragen will – allerdings für lediglich 20 weitere Jahre. Sie begründet diesen kurzen Zeitraum mit der Möglichkeit, so „die Sicherheit der Zwischenlagerung unabhängig von den ohnehin kontinuierlichen aufsichtlichen Überprüfungen in kurzen Zeitabständen nachzuweisen“.
Nicht geschützt vor Angriffen
Gleichzeitig könnten Forschungsergebnisse engmaschiger berücksichtigt werden, darüber hinaus trage ein kurzer Genehmigungszeitraum „zum Wissenstransfer sowie Kompetenzerhalt innerhalb der BGZ, aber auch bei Behörden und Gutachtern bei“. Der Genehmigungsantrag für Gorleben dürfte als Blaupause für alle weiteren Zwischenlager gelten.
Abgesehen davon, dass die BGZ mit der Festlegung auf 20 Jahre die vorgeblich angestrebte Beteiligung der Zivilgesellschaft am Genehmigungsprozess selbst ad absurdum führt, erscheint die inhaltliche Begründung, dass damit eine häufigere Überprüfung der Sicherheit durch die Genehmigungsbehörde und unabhängige Sachverständige verbunden sei, nur auf den ersten Blick schlüssig. Notwendig wäre es doch vielmehr, Sicherheitsaspekte für einen Zeitraum von etwa 100 Jahren zu berücksichtigen.
Hinter der kurzen Terminierung steckt aus nachvollziehbarer Sicht der örtlichen Bürgerinitiative Umweltschutz auch ein „Weiter so“ mit dem jetzigen Gebäudebestand, der – Schutzmauer hin oder her – eben nicht so ausgelegt ist, dass er vor terroristischen oder kriegerischen Einwirkungen Dritter geschützt ist. Und schon gar nicht für 100 Jahre.
Neben den Forderungen nach einem längeren Betrachtungszeitraum und neuen Sicherheitsstandards stellt sich die Frage, ob die Gorlebener Leichtbauhalle nicht besser ganz abgerissen werden und einem Neubau Platz machen müsste.
Zwar würden die Castoren dann vor ihrem endgültigen Abtransport in ein Endlager doch noch einmal bewegt, wenn auch nur für ein paar Meter. Es erscheint aber unverantwortlich, hochradioaktiven Atommüll weiterhin in einer „Kartoffelscheune“ aufzubewahren. In den Zeiten von Krieg und Terror ist jede Atomanlage und damit auch jedes Zwischenlager ist ein potenzielles Angriffsziel.
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