piwik no script img
Illustration: Juliane Pieper

Arbeitszeiterfassung in der SchuleLeh­re­r*in­nen arbeiten viel umsonst

26 Stunden pro Woche unterrichten Leh­re­r*in­nen an Berliner Gymnasien. Faktisch arbeiten sie mehr – und auch deutlich mehr als andere Berufsgruppen.

E s war ein kleiner Moment in den Weihnachtsferien, in dem Nicole Schreiber kurz die Luft wegblieb. Mal wieder. Vor der Haustür traf sie ihren Nachbarn. Kurzer Gruß, Smalltalk. Dann sagt der Nachbar: „Na, jetzt hast du ja Urlaub.“

Schreiber atmet tief durch, als sie das erzählt. Sie ist Lehrerin für Deutsch, Bio und Naturwissensachaften in Berlin. „Ich war gerade auf dem Heimweg und wusste, was mich auf meinem Schreibtisch erwartet. Drei Klassenarbeiten zu korrigieren und ich musste anfangen, die Noten fürs erste Halbjahr vorzubereiten“, sagt sie. Auch noch im Hinterkopf: die Planung ihres Unterrichts in den kommenden Wochen. Arbeit, die ihr Nachbar und auch die Gesellschaft allgemein „nicht sieht“.

„Das Bild ist: Die Schüler haben frei, dann hat Frau Schreiber natürlich Ferien“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Das trifft.“ Schreiber rechnet allein für die Korrekturen knapp drei Arbeitstage. 6 bis 7 Stunden brauche sie, um rund 26 Deutscharbeiten etwa einer 7. Klasse zu korrigieren. „Die Texte lesen, sie mit Anmerkungen versehen und mit Verbesserungsvorschlägen, das braucht Zeit“, sagt sie. „Und man kann das auch nicht am Stück machen.“

Die Korrektur einer Deutsch-Arbeit teilt sie sich meist auf drei Tage auf. „Ich lese sie mehrmals, vor allem die Aufsätze, die ich als erstes gelesen habe, gehe ich später noch mal durch, um innerhalb der Klasse objektiv beurteilen zu können“, sagt Schreiber.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Die Korrektur einer Mathe-Arbeit gehe deutlich schneller, Schreiber setzt dafür 3 Stunden an. „Aber um eine Arbeit zu konzipieren, dafür brauche ich 6 Stunden, in Mathe genauso wie in Deutsch“, sagt sie. Dazu gehöre, Hilfen anzugeben, die Bepunktung festzulegen, und für Deutsch auch, einen schönen Text herauszusuchen, das ganze dann noch in einer zweiten Version für Kinder mit Lernschwierigkeiten.

Es sind Aufgaben, an denen Schreiber durchaus Freude hat. „Aber dafür brauche ich Ruhe. In einer laufenden Schulwoche wäre das undenkbar“, sagt sie. Deshalb lege sie die Korrekturen und solche Vorbereitungen in die Ferien, so wie ihre Kol­le­g*in­nen auch.

Dass Leh­re­r*in­nen in den Schulferien arbeiten, ist offiziell so vorgesehen. Mit dann im Idealfall kürzeren Arbeitstagen sollen sie arbeitsintensive Tage während der Schulzeit ausgleichen. „Die Idee ist, dass sie aufs Jahr gerechnet im Schnitt auf eine Arbeitszeit von um die 40 Stunden pro Woche kommen“, sagt Frank Mußmann. In weniger Wochen müssten Leh­re­r*in­nen also mehr Arbeit leisten.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Mußmann leitet die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen und hat dort bereits mehrere Studien zur Arbeitszeit von Leh­re­r*in­nen durchgeführt. Ein Ziel: Herauszufinden, wie viel Leh­re­r*in­nen tatsächlich arbeiten. Denn bisher gibt es dazu viele Mutmaßungen, viel gefühltes Wissen, hartnäckige Vorurteile und nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse.

In Berlin hat Mußmann mit Kol­le­g*in­nen 2023/24 eine Studie durchgeführt. Die teilnehmenden Leh­re­r*in­nen hatten ein Schuljahr lang mit einer App ihre Arbeitszeit „minutengenau“ erfasst und dabei auch eingetragen, wofür sie die Zeit aufwenden. Ein Ergebnis: Leh­re­r*in­nen leisten in Berlin im Schnitt 100 Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Jahr. Wie viel das ist, wird im Vergleich deutlich, denn bundesweit arbeiten Ar­beit­neh­me­r*in­nen auf alle Berufe gerechnet rund 15 Stunden pro Jahr unbezahlt. Ein weiteres Ergebnis war, dass ein Drittel der Leh­re­r*in­nen regelmäßig die gesetzlich festgelegte Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche überschreitet. „Da wird es dann ein Thema für den Arbeitsschutz“, sagt Mußmann.

Bei vergleichbaren Studien in anderen Bundesländern kamen Mußmann und sein Team zu ähnlichen Ergebnissen. Eine vom Sächsischen Staatsministerium in Auftrag gegebene Studie, bei der die Teil­neh­me­r*in­nen zufällig ausgewählt worden waren, zeigte hohe Mehrarbeit vor allem unter denjenigen, die in Teilzeit arbeiten.

Wie viele Stunden hat der Arbeitstag bei Lehrer*innen?

Verpflichtende Arbeitszeiterfassung Der Europäische Gerichtshofs EuGH urteilte im Mai 2019, dass Ar­beit­ge­be­r*in­nen verpflichtet sind, die Arbeitszeit ihrer Angestellten zu erfassen. Mit einem Grundsatzurteil stellte das Bundesarbeitsgericht im September 2022 klar, dass das auch für Leh­re­r*in­nen gilt.

Deputatsstunden im Lehrberuf Die Arbeitszeit von Leh­re­r*in­nen wird bisher in 45-minütigen Unterrichtsstunden festgelegt, zu den Aufgaben von Leh­re­r*in­nen aber gehört weit mehr als das Unterrichten. Studien zeigen außerdem, dass die Tätigkeiten, die nichts mit Unterricht direkt zu tun haben, seit den 1960er Jahren kontinuierlich zunehmen.

Unbezahlte Mehrarbeit Im Unterschied zu Überstunden, die entweder abgebummelt oder ausgezahlt werden können, gilt als unbezahlte Mehrarbeit die Arbeitszeit, die weder im Arbeitsvertrag festgelegt ist noch vergütet wird. Laut einer Studie in Berlin leisten Leh­re­r*in­nen rund 100 Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Person pro Jahr. (usch)

Diese Studien und die Diskussion darum befeuern den Ruf nach verbindlicher Arbeitszeiterfassung für Leh­re­r*in­nen (siehe Kasten). Vieles deutet darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese kommt. In Bremen und Bremerhaven bereiten sich aktuell 8 Schulen aller Schulformen darauf vor, dass Leh­re­r*in­nen dort ab dem Sommer ihre Arbeitsstunden genau zählen, zwei weitere Schulen sollen noch dazukommen.

Es ist bundesweit das erste Pilotprojekt und schon jetzt ist klar, dass andere Bundesländer mit Spannung auf die dortigen Ergebnisse gucken werden. „Wir wollen ein transparentes Modell entwickeln, das perspektivisch Orientierung für alle Bundesländer geben kann“, sagt Bremens Bildungssenator Mark Rackles (SPD) der taz. Er hat sich mehrfach dafür stark gemacht, dass Leh­re­r*in­nen ihre Arbeitszeit nicht nur anhand der Unterrichtsstunden berechnen. Das Thema habe für ihn hohe politische Priorität, bestätigt er. „Erkenntnisse werden zum Teil übertragbar sein, weil wir von Anfang an eine länderübergreifende Lösung im Blick haben“, sagt Rackles.

In Berlin bestätigen die Gewerkschaft GEW und die Senatsverwaltung für Bildung, dass sie „kontinuierlich“ in Gesprächen über mögliche Entlastungen seien. Auch Arbeitszeiterfassung sei ein Thema, doch ob auch in Berlin eine Pilotstudie kommt, wie etwa von der GEW gefordert, ist noch unklar. In Brandenburg wiederum rufen Verbände und Gewerkschaften die Leh­re­r*in­nen aktuell dazu auf, ihre Arbeitszeit genau zu notieren und empfehlen dafür Apps oder Excel-Tabellen, hier allerdings mit einem etwas anderen Hintergrund. Die Landesregierung hatte zum aktuellen Schuljahr Leh­re­r*in­nen zu einer zusätzlichen Unterrichtsstunde pro Woche verpflichtet. Mit Arbeitszeiterfassung wollen sie nun Argumente gegen diese Arbeitszeiterhöhung sammeln.

Die Frage, wie viel Leh­re­r*in­nen arbeiten, ist auch aus einem weiteren Grund schwer zu beantworten. Denn anders als in anderen Berufen bemisst sich die Arbeitszeit von Leh­re­r*in­nen in sogenannten Stundendeputaten. Eine volle Stelle bedeutet etwa für eine Grund­schul­leh­re­r*in in Berlin 28 Stunden Unterricht, an einem Gymnasium oder einer integrierten Sekundarschule (ISS) bedeutet eine volle Stelle 26 Stunden Unterricht, wobei eine Unterrichtsstunde mit 45 Minuten angesetzt wird. Die Vorgaben unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. In Hamburg kommen noch Unterschiede je nach Schulfach dazu. (Siehe Beitext).

Unterrichten und die Vorbereitung des Unterrichts ist allerdings nur ein Teil der Arbeit, die Leh­re­r*in­nen leisten müssen. Offiziell wird unterschieden zwischen „unterrichtsnahen Tätigkeiten“ (etwa Unterricht, Vor- und Nachbereitung, Korrekturen) und „nicht-unterrichtsbezogene Tätigkeiten“ (etwa Konferenzen, Teamsitzungen, Gremienarbeit, Elterngespräche Dokumentation, Verwaltung, Schulentwicklung, Konzepterstellung, Fortbildungen, Vertretungen, Aufsichten).

Dabei kommen Studien inzwischen zu dem Schluss, dass Unterrichten rund 40 bis 45 Prozent ausmachen, die anderen Tätigkeiten 55 bis 60 Prozent. Und es zeigt sich, dass der Anteil der nicht-unterrichtsbezogenen Tätigkeiten stark angestiegen ist im Vergleich zu vor 10 Jahren.

Nicole Schreiber hat an der Arbeitszeitstudie in Berlin teilgenommen. Sie notiert seitdem auch weiterhin, wie viel Zeit sie auf ihre Arbeit aufwendet – und für welche Tätigkeiten. „Letzte Woche habe ich 50 Stunden gearbeitet – wohlgemerkt mit einer Teilzeitstelle“, sagt sie. Sie meint damit die dritte Januarwoche, die Schulen stehen kurz vor Ende des Halbjahres.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Zu den alltäglichen Aufgaben kommen Zeugniskonferenzen, Notenvergabe und letzte Korrekturen. „Das sind auf jeden Fall Spitzenzeiten, es ist keine normale Schulwoche“, sagt Schreiber. Aber auch solche Wochen gäbe es eben regelmäßig. In einer normalen Arbeitswoche komme sie mit ihrer 80-Prozent-Stelle auf 42 bis 43 Stunden.

Die Arbeitszeit bei Leh­re­r*in­nen ist allerdings nicht nur in den Wochen verdichtet, sondern gleichzeitig entzerrt, erklärt Mußmann, und er meint damit, dass unklar ist, wann ein*e Leh­re­r*in wirklich Feierabend hat. Das beobachte sie bei sich auch, sagt Schreiber. „Ich habe eine 7-Tage-Woche, ich arbeite von Montag bis Sonntag“, sagt sie. Unter der Woche sei es an den meisten Tagen so, dass sie von 8:15 bis 13:50 unterrichte. „Das bedeutet, dass ich spätestens um 7:45 in der Schule bin, um letzte Vorbereitungen zu treffen, etwa die Kopien für den Tag und Absprachen mit den Kolleg*innen.

Und dann habe ich bis zum Unterrichtsende um 13:40 meistens keine Pause und nicht mal Zeit, auf die Toilette zu gehen“, sagt sie. „Ich habe das Wort ‚Lehrerblase‘ inzwischen gelernt und mir eine antrainiert.“ Denn auch die Pausen zwischen den Unterrichtsblöcken brauche sie, etwa um den Raum vorzubereiten oder nach einem Experiment aufzuräumen und um mit Schü­le­r*in­nen zu sprechen, zum Beispiel, wenn jemand im Unterricht unruhig war und gestört hat.

„Oder auch, weil die Schüler*innen, die einen gern haben, dann nach vorn kommen und kurz Zeit mit mir haben wollen. Auch das passiert alles in den Pausen“, sagt sie. Und all das gehöre zu ihrer Arbeitszeit. Zweimal in der Woche habe sie außerdem Pausenaufsicht. Und an zwei Tagen in der Woche kämen nach dem Unterricht dann von 14-16 Uhr Teamsitzungen oder Konferenzen.

Es bedeutet auch: Wenn Nicole Schreiber an solchen Tagen um 16 Uhr nach Hause geht, hat sie bereits ihre 8 Stunden voll. Zu Ende ist ihr Arbeitstag aber noch nicht. Nach einer Runde mit den Hunden und dem Abendessen setze sie sich um 18, 19 Uhr wieder an den Schreibtisch, um den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten und Mails zu beantworten.

„Und das dauert dann so lange, wie es dauert“, sagt sie, meist mindestens zwei Stunden. Freitag sei der einzige Tag, an dem sie etwas früher Schluss habe. „Das ist der Tag, an dem ich nach der Schule Einkäufe erledige, zum Arzt gehen kann oder an dem ich Dinge besorge, die ich für den Unterricht brauche“, sagt Schreiber.

Diese Dinge für den Unterricht: Das ist weit mehr als Schreibbedarf. Um den Schü­le­r*in­nen das Prinzip der Oberflächenvergrößerung näher zu bringen, kauft die Bio-Lehrerin etwa im Tierbedarfsladen ein Stück getrocknete Lunge oder getrockneten Darm. Eigentlich Futter für Hunde. „Ich lege das in Wasser ein. Denn so eine Lungenoberfläche oder eine Darmwand mit Zotten, die stark gewunden ist, das versteht man nicht anhand eines Bildes in einem Buch. Das muss man anfassen, genau untersuchen und – leider – auch riechen!“, sagt sie.

Manchmal besorgt sie auch Gallenflüssigkeit, das Maler und Künstler zum Reinigen ihrer Pinsel nutzen. „Wenn wir da Sonnenblumenöl reingießen, dann wird das Fett zu kleinen „Kügelchen“, wie die Kinder sagen. Auch das ist das Prinzip der Oberflächenvergrößerung: Fettlösliche Enzyme können dann von allen Seiten ran und bei der Verdauung helfen“, sagt Schreibe. „Manche erinnert das an ein geschütteltes Balsamico-Dressing, nur dass bei der Gallenflüssigkeit ein kurzes Umrühren reicht.“ Diese Dinge kauft sie, um kreativen und anschaulichen Unterricht zu gestalten. Und erwähnt eher nebenbei, dass sie das „natürlich aus eigener Tasche“ bezahle. „Warum es kein Budget dafür gibt? Ja, das wüsste ich auch gern“, sagt Schreiber.

Illustration: Juliane Pieper

Das Geld scheint ihr aber eher nebensächlich. „Wer einen Anspruch an seinen Unterricht hat, wer nicht möchte, dass das Niveau absinkt, der legt etwas oben drauf“, sagt sie. „Das ist erstens unsere freie Zeit, zweitens finanzielle Mittel, nicht nur für Unterrichtsmaterial, sondern auch, indem wir in Teilzeit gehen und trotzdem noch Überstunden machen“, sagt sie.

„Drittens sehe ich auch, dass einige von uns große persönliche Opfer bringen“, fügt sie an. Eins davon sei Kinderlosigkeit, ein anderes ein Verzicht auf private Freizeit. „Ich persönlich wüsste nicht, wie ich noch Kinder in meinem Alltag unterbringen sollte“, sagt sie. „Das sehe ich bei anderen auch. Oder dass Paare sich trennen, weil die Belastung so immens ist.“ Spitze Bemerkungen aus der Gesellschaft träfen daher umso mehr.

Auch deshalb ist ihr die Arbeitszeiterfassung so ein großes Anliegen. „Eine Klarstellung, eine Richtigstellung wäre das für mich“, sagt sie. „Dass dieses Belächeln aufhört, bei gleichzeitiger Überlastung.“ Denn weit verbreitet sei ein hartes Vorurteil, dass Leh­re­r*in­nen vormittags ein bisschen in der Schule unterrichteten und nachmittags frei hätten.

„Ich werde ständig mit meinem Beruf konfrontiert, ungefragt“, sei es wenn sie ein Paket abhole, und der Nachbar sagt, er habe sich gewundert, das sei am Nachmittag angekommen, da müsste sie doch eigentlich zu Hause sein? Oder im Taxi, wo der Fahrer auf ihre Auskunft, dass sie Lehrerin sei, nur lapiar fallen ließ: Ach, die Schüler werden ja auch immer dümmer. Wieder ein Moment, um tief durchzuatmen für Nicole Schreiber.

Durch verpflichtende Arbeitszeiterfassung würde sichtbar werden, wie viele Leh­re­r*in­nen fehlen, aber auch, dass es mehr Verwaltungskräfte an den Schulen braucht“, sagt sie. Mit ihren Notizen hätte sie selbst einen besseren Überblick – und könnte dann gegenüber Kol­le­g*in­nen oder dem Schulleiter auch besser argumentieren, um auch mal Nein zu einer weiteren Aufgabe zu sagen. „Ziel ist nicht, dass wir die Überstunden ausgezahlt bekommen“, sagt sie. „Es geht auch um Arbeitsschutz, um bessere Ausstattung, um Vertretungen und um die Überlastung darzustellen, so dass die Verwaltung nachsteuern kann.“

„Dem Taxifahrer habe ich dann gesagt, dass Schule heute ganz anders ist, als noch vor 30 Jahren und dass auch den Kindern ganz andere Fähigkeiten abverlangt werden“, sagt sie. Sachlich bleiben, um Verständnis werben, das sei ihr in solchen Situationen wichtig. Denn auch, wenn der Beruf sie oft an die Grenzen bringt.

„Die Kinder, das Unterrichten: Das ist meine Essenz“, sagt Schreiber. „Es sind die Umstände, die es schwierig machen.“ Geholfen habe ihr auch die Arbeit im Personalrat, die ihr das Gefühl wieder gegeben habe, etwas ändern zu können und der Austausch mit Kolleg*innen, zu sehen, dass es ihnen geht wie ihr. „Das zeigt: Es liegt nicht an mir.“

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare