Apollo News gegen Linke: Aus der Opferrolle in den Angriffsmodus
Die rechte Medien-Bubble macht „Apollo News“ zum Opfer von Linken und Amadeu Antonio Stiftung. Das Ziel: Einschüchterung der politischen Gegner.
W as die extreme Rechte unter Pressefreiheit versteht, zeigt sich an ihrem Kampf gegen den öffentlichen Rundfunk, bei orchestrierten Shitstorms gegen unliebsame Journalist:innen wie Dunja Hayali, nicht zuletzt bei ihrem eigenen Verständnis von Journalismus: Statt Sachverhalte ausgewogen abzubilden, agieren rechte „Alternativmedien“ wie Vorfeldorganisationen der AfD und setzen auf Kampagnenjournalismus.
Wie wirkungsvoll solche Kampagnen sein können, hat der Fall Frauke Brosius-Gersdorf gezeigt, losgetreten durch einen Artikel vom rechtspopulistischen Portal „Apollo News“, der die Positionen der Verfassungsgerichtskandidatin auf die rechten Triggerthemen Impfpflicht, Gendern und AfD-Verbot reduzierte. Aktuell steht eben jenes Portal im Mittelpunkt einer selbst inszenierten Kampagne, bei der die rechte Medienbubble sich aus einer Opferperspektive heraus ausgerechnet als Verteidigerin der Pressefreiheit geriert.
Der Anlass: eine Veranstaltung der Linken Treptow-Köpenick zu „Apollo News“, das im Bezirk seinen Sitz hat, mit Kira Ayyadi von der Amadeu Antonio Stiftung. Deren Einschätzung: „Apollo News“ gehöre „zu einem Netzwerk rechts-alternativer Medien und verbreitet immer wieder unzutreffende oder irreführende Aussagen, die den Anspruch seriöser Berichterstattung untergraben“; Medien wie „Apollo“ erfüllten eine „Scharnierfunktion zwischen rechtspopulistischen, rechtsextremen und antidemokratischen Milieus“.
Von Nius bis zur Berliner Zeitung
Verteilt wurde bei dem Treffen ein Flyer mit Aussagen wie „Rechten Medien auf die Tasten treten“. Laut „Apollo“, das selbst anwesend war, sei auch über Protest- oder Störaktionen gegen das Medium gesprochen worden sein. Aus dem Austausch der Linken hat die gesamte rechte Blase von Nius über Compact bis AfD einen Skandal gesponnen – unterstützt aber auch durch die Berliner Zeitung mit inzwischen fünf Artikeln. Da ist die Rede von der „Rhetorik der offenen Gewalt“ und dem „Angriff auf die Pressefreiheit“.
Haltbar ist das nicht: Weder besteht die Gefahr, dass Linkspartei und Amadeu Antonio Stiftung mit Brecheisen vor der Tür von „Apollo“ auftauchen, noch steht deren Recht zu publizieren infrage. Stattdessen haben rechte Akteure einen harmlosen Anlass genutzt, um im eingeübten Empörungsmodus jene einzuschüchtern, die sich ihnen entgegenstellen. In Gefahr ist nicht die Pressefreiheit, sondern die Demokratie.
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