Alkohlverbot an Berliner Bahnhöfen: Trink dein Bier bitte woanders
Ab dem 1. Mai wird es ein Alkoholverbot an Ostbahnhof und Bahnhof Zoo geben. Grüne und Fahrgastverband dafür, Stadtmission skeptisch.
Fußballfans und Clubgänger*innen glühen vielleicht bald lieber zu Hause vor, denn ab 1. Mai wird es ein unbefristetes Alkoholverbot an den beiden Bahnhöfen geben. Damit will die Deutsche Bahn für mehr „Sicherheit und Sauberkeit“ sorgen.
Verboten sind ab Freitag sowohl der Konsum von Alkohol sowie die Mitnahme der Getränke in offenen und geöffneten Behältern. Die neuen Verbotszonen rund um die beiden Bahnhöfen sollen mit Schildern markiert werden, bei Missachtung drohen Hausverweise (kurzfristiger Platzverweis) und Hausverbot (dauerhafter Platzverweis). Auf Anfrage der taz sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn zur Begründung, warum diese beiden Bahnhöfe ausgewählt wurden, dass dort die Einhaltung des Verbots durch Sicherheitspersonal gewährleistet werden könne. Dass es an Zoo und Ostbahnhof ein besonderes Problem mit Alkohol gibt, sagte er nicht.
Laut Deutscher Bahn soll mit dem „Sofortprogramm“ die „Sicherheit und Sauberkeit“ an 25 Bahnhöfen verbessert werden. Dazu gehört auch eine verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften, zusätzliche Reinigungen und schnelle Reparaturen sollen vorangetrieben werden. Eingefordert wurde das Programm vom Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Dafür sollen nun auch weitere Bahnhöfe mit Kameras und Videotechnik ausgestattet werden, um Straftaten besser verfolgen zu können. Bereits 11.000 Kameras sind an Bahnhöfen in ganz Deutschland installiert. 50 Millionen Euro hat die Bahn 2026 in das Sofortprogramm investiert.
Bereits am 1. April wurde ein Alkohlverbot am Kölner Bahnhof eingeführt. Das Verbot umfasst den gesamten Kölner Hauptbahnhof einschließlich aller Zuwege und der Bahnsteige. Weitere Bahnhöfe sind unter anderem Frankfurt/Main, Essen, Hamburg, Hannover und Bremen. Aber auch kleinere Bahnhöfe wie Eberswalde, Greifwald und Reutlingen gehören dazu.
Igeb für Ausweitung auf ganz Berlin
Oda Hassespaß, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, begrüßte das Alkoholverbot: „Gerade Orte, an denen viele Menschen unterwegs sind, müssen für alle sicher und angenehm nutzbar sein.“ Vor allem für Frauen und Kinder könnten solche Maßnahmen sicherheitsfördernd sein.
Oda Hassepaß, Grüne
Der Fahrgastverband Igeb e. V. fordert eine Ausweitung des Verbots für den gesamten Bereich des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Einen Vergleich zieht die Igeb mit Hamburg: Dort gibt es seit 2024 im gesamten Hamburger Verkehrsbund ein Alkoholverbot. Laut dem Sprecher der Igeb habe sich das Sicherheitsgefühl der Reisenden dort verbessert. Nach Angaben der Bundespolizei Hamburg sank im Jahr 2025 die Gewaltkriminalität um fast 25 Prozent. Neben dem Alkoholverbot gibt es am Hamburger Bahnhof auch ein Waffenverbot, verstärkte Polizeipräsenz und Videoüberwachung.
Dennoch dürften die Regelungen nicht dazu führen, dass benachteiligte Personen wie Wohnungslose weiter verdrängt werden, so Hassepaß. Am Zoo befindet sich die Bahnhofsmission, die sich für wohnungslose Menschen einsetzt. Die Sprecherin der Berliner Stadtmission als Träger wies darauf hin, dass das Problem mit dem Verbot nur verdrängt wird. Menschen würden woanders weitertrinken und dann zum Bahnhof zurückkehren.
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