Aktivist für die Himalaya-Region: Sonam Wangchuk, Gesicht einer Bewegung
Ingenieur, Klimaaktivist, Hungerstreikender für das indische Unionsterritorium Ladakh: Nach einem halben Jahr kommt Sonam Wangchuk aus dem Gefängnis.
Als Sonam Wangchuk im vergangenen Herbst medienwirksam in den Hungerstreik trat, wollte er Aufmerksamkeit für die Zukunft seiner Heimat Ladakh schaffen. Das gelang ihm, doch es folgten die schwersten Proteste im indischen Unionsterritorium seit Jahrzehnten.
Die Bewegung forderte politische Mitsprache für die Himalaja-Region, die seit 2019 direkt von Delhi aus regiert wird, sowie entweder volle Staatlichkeit oder verfassungsmäßigen Schutz für die Stammesgemeinschaften Ladakhs. Dazu kam es bislang nicht.
Wangchuk selbst stammt aus der buddhistischen Bevölkerung Ladakhs, einer kulturellen und religiösen Minderheit, die einst Teil des muslimischen geprägten Bundesstaates Jammu und Kaschmir war, im insgesamt hinduistisch geprägten Indien. Bekannt wurde der Ingenieur vor allem durch seine Bildungsarbeit.
Nachdem im September vergangenen Jahres die Proteste jedoch eskaliert waren, vier Menschen starben und Dutzende verletzt wurden, wurde Wangchuk ohne Prozess nach dem Gesetz zur nationalen Sicherheit (NSA) zur „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ verhaftet. Das lässt zu, eine verdächtige Person bis zu zwölf Monate ohne Anklage zu inhaftieren.
Wangchuk: „Mein Engagement für Ladakh ist ungebrochen“
Ob die Vorwürfe gegen ihn nun fallen gelassen wurden, ist noch unklar. Am Wochenende wurde der prominente Aktivist jedenfalls nach rund sechs Monaten Haft aus dem Gefängnis im westindischen Jodhpur freigelassen. Das indische Innenministerium teilte mit, man habe beschlossen, die Haft „mit sofortiger Wirkung“ zu beenden. Zugleich erklärte die Regierung, sie bleibe „dem Ziel verpflichtet, Frieden, Stabilität und gegenseitiges Vertrauen in Ladakh zu stärken“ und wolle einen „sinnvollen Dialog mit allen Interessengruppen“ führen.
Die Regierung unter Narendra Modi (BJP) hatte die Gewalt damals auf „provokative Reden“ Wangchuks zurückgeführt. Für viele Menschen in Ladakh ist der 59-jährige Umweltaktivist dagegen ein Visionär. Er gründete 1988 die Organisation SECMOL, die alternative Schulen aufbaute und Jugendlichen aus abgelegenen Bergdörfern Bildung ermöglicht.
Für Delhi ist er eher ein unbequemer Kritiker in einer geopolitisch sensiblen Grenzregion mit China und Pakistan. Die Lage hat sich inzwischen beruhigt, der Konflikt um politische Mitsprache bleibt jedoch.
Die Regierung hob die Haft kurz vor einer Anhörung des Obersten Gerichtshofs auf, nachdem seine Frau Gitanjali J. Angmo eine Petition eingereicht hatte. „Gestern habe ich den letzten Brief an den Gefängnisdirektor geschrieben, um die Erlaubnis zu erhalten, Sonam Wangchuk zu treffen und ihn über seine Entlassung zu informieren“, schrieb sie am Sonntag auf der Plattform X. Sie dankte Unterstützern und sprach von einer „Tortur von 170 Tagen im Gefängnis“ für ihren Mann. Anschließend postete sie zwei Fotos, die beide wiedervereint zeigen.
Ein paar Tage zuvor hatte Wangchuk angekündigt, er werde sich nicht aus dem Aktivismus zurückziehen: „Mein Engagement für Ladakh ist nach wie vor ungebrochen.“ Doch Aktivismus müsse einem größeren Ziel dienen: „einer gerechten, nachhaltigen Zukunft für Ladakh“.
Stimmen aus der Politik meldeten sich ebenfalls: So hinterfragte der Oppositionelle Ashok Gehlot (Kongress-Partei) und frühere Ministerpräsident von Rajasthan, wo Wangchuk einsaß, wer die Haft zu verantworten habe. Omar Abdullah, Ministerpräsident von Jammu und Kaschmir, erklärte, Wangchuk hätte „nie verhaftet werden dürfen“.
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