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Aktion der „Neuen Generation“ in BerlinMega! Revolution zunächst ohne Megafon!

Die „Neue Generation“ kündigte für Freitag vor dem Bundestag einen „Revolutionsversuch“ an. Klang zunächst recht radikal, blieb am Ende aber harmlos.

Foto: Jeremy Knowles

Sieht so die Revolution aus? Bis kurz vor dem eigentlich geplanten Start des „Revolutionsversuchs“ der „Neuen Generation“ war an der Ostseite des Bundestags am Freitagmittag davon nicht viel zu spüren. Rund 15 Ak­ti­vis­t:in­nen versammeln sich am Rande des Eingangs zum Bundestag, der von der Polizei bewacht wird.

Als es dann losgehen soll, kommt die Aktion aufgrund technischer Schwierigkeiten mit dem Megafon nur holprig ins Rollen. Um die Unannehmlichkeiten zu überbrücken, stimmen die Ak­ti­vis­t:in­nen erstmal ein Lied an.

Als das Megafon dann doch noch funktioniert, wird zunächst über die Entstehung der Gruppe aufgeklärt. Diese ist aus der „Letzten Generation“ hervorgegangen. Die „Neue Generation“ fiel zuletzt mit einem radikaleren Tonfall auf als ihr Vorläufer. Setzte die „Letzte Generation“ neben ihrem Protest auf der Straße auch auf bürgerliche Forderung wie etwa Tempolimits, will man sich bei der „Neuen Generation“ auf einen Kollaps oder eine Krise vorbereiten, weil diese eine revolutionäre Stimmung begünstigen könnten.

Eigentlich wollte die „Neue Generation“ den „Revolutionsversuch“ nach eigenen Angaben bereits am Donnerstag starten. Wegen eines Staatsbesuches blies die Gruppe diesen jedoch kurz zuvor ab. Der Sohn des iranischen Politikers und Schah-Sohn Reza Pahlavi war zu Besuch in der Hauptstadt. Die „Neue Generation“ verschob den Termin für die Revolte deshalb auf den darauf folgenden Tag.

Höflich um Einlass gebeten

Revolutionär ist am Freitag vor dem Bundestag dann vorerst nur die Theorie. Man müsse seinen Körper „auf die Zahnräder der Maschine“ werfen, sagt Henning Jeschke, ein Sprecher der Gruppe. Die „Neue Generation“ seien diejenigen, die „jetzt schon versuchen“, auf eine zukünftige Revolution hinzuwirken.

Foto: Jeremy Knowles

Zum Weg dahin gehöre auch das Scheitern dazu, erklärt er. Man müsse sich „vorstellen können, was sein könnte“, so Jeschke. Viele Bundestagsabgeordnete, auch solche der CDU und AfD, die gerade dabei sind, den Bundestag zu verlassen, nehmen von der Aktion kaum Notiz oder ignorieren sie gekonnt beim Vorbeigehen.

Es gehe bei ihrer Aktion auch darum, ein „Angebot zu schaffen“, erklärt Lina Eichler, Sprecherin der Gruppe, im Gespräch mit der taz. Wichtig zu betonen sei ihr, dass sie auf eine „friedliche Revolution“ aus seien. Auch gehe es ihnen darum, den Einfluss von Geld auf Entscheidungsfindungen zu reduzieren, etwa durch Korruption. Dagegen richtet sich auch die Kampagne „#MerzMafia“ der „Neuen Generation“, mit der diese in den letzten Tagen auf sich aufmerksam machte.

Bereits am Donnerstag richtete sich die Gruppe mit einer Farbattacke gegen den Axel-Springer-Verlag. Ak­ti­vis­t:in­nen verpassten der Springer-Zentrale eine Ladung blaue Farbe. Diese stehe symbolisch wahlweise für die CDU oder die AfD, schrieb die Gruppe auf Instagram anschließend. Beide Parteien seien Teil der „MerzMafia“, die in Deutschland den „drohenden Faschismus“ befeuere.

Poschardt schlägt Einladung aus

Der Axel-Springer Verlag stehe als „Teil der #Merzmafia, für die enge Verflechtung von Geld, Lobbyismus und Medienmacht“, begründet die Gruppe die Aktion. Über Instagram lud die Gruppe den WELT-Herausgeber Ulf Poschardt dann noch zu einer Online-Diskussion für Freitag ein. Poschardt kam der Einladung jedoch nicht nach.

Am Freitagmittag will die Gruppe noch das Sicherheitspersonal des Bundestags von ihrem Konzept der „Parlamente der Menschen“ überzeugen und höflich um Einlass bitten, doch die Po­li­zis­t:in­nen schüttelen den Kopf und winken ab. „Wir wollen Sie um Einlass bitten, um fortan aus dem Bundestag heraus Parlamente der Menschen zu organisieren“, steht auf dem Zettel, den Jeschke dem Einlasspersonal überreichen wollte.

„Parlamente der Menschen“ sollen laut Jeschke Orte sein, in denen per Losverfahren Bür­ge­r:in­nen in Bürgergremien Entscheidungsmacht erhalten sollen. Orte der „deliberativen Demokratie“ nennen sie das. Angelehnt sei das Konzept an dem von Bürgerräten, erklärt Jeschke. Langfristig soll das laut dem Sprecher zu einem „neuen Modus“ der Demokratie führen. Die „Parlamente der Menschen“ würden dann schrittweise andere demokratische Institutionen ablösen.

Bevor die Gruppe die Kundgebung vor dem Bundestag schließlich geordnet auflöst, kündigt die Gruppe noch den Termin für den nächsten „Revolutionsversuch“ an. Er soll im Oktober stattfinden.

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