Afrikanische Rekruten in Russland: 62 Männer aus Ghana im Krieg gegen die Ukraine getötet
Ghanas Außenminister verlangt in Moskau ein Ende der russischen Praxis, Afrikaner zum Krieg in der Ukraine zu rekrutieren. Es gibt Tausende Betroffene.
Foto: Sergey Guneev/imago
Über 62 Ghanaer sind im Einsatz für die russische Armee in der Ukraine gestorben und 15 weitere Ghanaer, die nach Russland gereist sind, werden bis heute vermisst. Das sagte Ghanas Außenminister Sam Okudzeto Ablakwa am Dienstag während seines laufenden Besuchs in Russland. Er äußerte sich in Moskau während einer Pressekonferenz mit seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow. In bilateralen Gesprächen habe er die Notwendigkeit betont, die illegale Rekrutierung von Ghanaern nach Russland zu beenden, sagte er.
„Die Regierung Ghanas wird weiterhin in dieser Angelegenheit ihre Stimme erheben und sicherstellen, dass unsere Jugend geschützt wird“, erklärte Ablakwa und lobte eine Zusage der russischen Regierung, mit Ghana gemeinsam gegen illegale Rekrutierungen vorzugehen. „Dies ist nicht unser Krieg und er sollte keine ghanaischen Menschenleben fordern.“
Lawrow erklärte, ghanaische Staatsbürger hätten aus „Solidarität mit einem Land, dass ihnen geholfen hat, Rassismus zu bekämpfen“, sowie aus „materiellen und finanziellen Gründen“ Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium geschlossen. Mehrere Länder hätten sich aber inzwischen an Russlands Regierung mit der Bitte gewandt, diese Praxis zu beenden.
Fast 3.000 Afrikaner im Einsatz
Aus zahlreichen afrikanischen Ländern sind junge Männer nach Russland gelockt, dort in die Armee integriert und an die Kriegsfront in der Ukraine geschickt worden. Junge Frauen aus afrikanischen Ländern landen vielfach unfreiwillig in russischen Drohnenfabriken als Arbeitskräfte.
Am vergangenen Sonntag berichtete das Außenministerium der Ukraine, man wisse von 2.982 Menschen aus 27 afrikanischen Ländern, die in Russlands Streitkräften dienten. 486 davon seien bislang im Krieg gefallen. Weitere 35 aus 17 Ländern befänden sich als Kriegsgefangene in ukrainischer Gefangenschaft.
Vor einem halben Jahr hatte die Recherchegruppe All Eyes on Wagner 1.417 Namen von in Russlands Armee dienenden Afrikanern veröffentlicht. Hauptherkunftsländer waren damals Ägypten, Kamerun und Ghana.
„Um Afrikaner zu rekrutieren, setzen russische Geheimdienste ein breites Arsenal manipulativer Methoden ein“, so das ukrainische Außenministerium. „Darunter sind Versprechen hoher Gehälter in zivilen Arbeitsplätzen, Aufnahme in Bildungseinrichtungen, Aussichten auf Einbürgerung in Russland oder andere Vorteile. In vielen Fällen werden Ausländer unter Androhung der Deportation oder Inhaftierung dazu gezwungen, Militärverträge auf Russisch zu unterzeichnen.“
Die Odyssee von Angel Masie
In Äquatorialguinea erregte vor Kurzem der Fall des Rückkehrers Angel Masie Nchama Aufsehen. Er war im Dezember 2025 auf Empfehlung eines kamerunischen Freundes nach Moskau geflogen, um eine achtmonatige Securityausbildung zu absolvieren, wie er dachte. Vor Ort musste er einen russischsprachigen Vertrag unterzeichnen und wurde nach zwei Wochen zur russischen Armee entsandt, mit anderen Rekruten aus Kamerun, Niger, Libyen und Kolumbien.
45 Tage später wurde seine Gruppe an die Front im ostukrainischen Gebiet Donezk geschickt. Von seinem ersten Bataillon aus 424 Soldaten sei er nach zwei Wochen der einzige noch Lebende gewesen, berichtete er; danach befehligte er ein zweites Bataillon, von dessen 566 Soldaten 40 Tage später drei übrig waren.
Nachdem es ihm gelungen war, seine Familie in der Heimat zu kontaktieren und diese die äquatorialguineische Botschaft einschaltete, wurde Masie mit dem Versprechen einer Armeekarriere nach Murmansk in der Arktis versetzt und mit drei Medaillen dekoriert. Er verbrachte zwei Monate in einem Militärlager, bis ihm beim Wochenendausgang die Flucht zum Flughafen gelang, wo sein Botschafter ihn abholte. Seit einigen Monaten zurück in Äquatorialguinea, warnt Masie seine afrikanischen Altersgenossen davor, Angeboten aus Russland zu folgen: „All diese Versprechen sind der sichere Tod.“
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