Afghanistan auf der Weltklimakonferenz : Klima-Taliban in Baku
Die Taliban sind zur COP geladen. Als einer der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten sollte Afghanistan Zugang zur Konferenz haben.
Foto: Ebrahim Noroozi/AP
D ie Taliban bei der Weltklimakonferenz? Vertreter eines Regimes, das wegen seiner widerlichen, misogynen und menschenrechtsfeindlichen Politik niemand anerkennt? Taliban-Gegner*innen sind empört: Die UNO mache sie wieder mal salonfähig, zuungunsten aller Afghan*innen, die sich gegen ihre systematische Diskriminierung wehren.
Allerdings lud nicht die UNO die Vertreter des Taliban-kontrollierten Nationalen Umweltprogramms Afghanistans (Nepa) ein, sondern Gastgeberland Aserbaidschan. Das ist auch nicht gerade eine Musterdemokratie und unterhält diplomatische Beziehungen zu den Machthabern in Kabul. Die Taliban-Vertreter (alles Männer) dürfen aber nicht an der eigentlichen Konferenz teilnehmen, sie sind nur Beobachter. Damit haben sie weiter auch keinen Zugang zu den internationalen Fonds, die Klimawandelfolgen lindern sollen.
Die UNO lud dagegen drei nichtstaatliche afghanische Umweltorganisationen ein. Sie benötigen Schutz zu Hause und Unterstützung. Beides bekommen sie durch die Aufmerksamkeit in Baku.
Drei Flutereignisse allein in diesem Jahr
Immerhin leugnen die Taliban nicht den Klimawandel. Mit Verweis auf den Koran betreiben sie Umweltschutzprogramme. Dass Nepa zu den Institutionen gehört, in denen noch die meisten unter der alten Regierung ausgebildeten Experten arbeiten, hilft dabei. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass ihr Land zu den kleinsten CO₂-Emittenten gehört (pro Kopf 25 Mal weniger als Deutschland), die Klimakrise es aber besonders stark trifft.
Die Erwärmung seit 1960 liegt dort doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt – mit entsprechenden Dürrefolgen. Zugleich strömten in diesem Jahr zweimal über Wochen sintflutartige Niederschläge von den entwaldeten Hängen herab und spülten Zehntausende Hektar rares Ackerland samt Ernte hinweg.
Ja, das Alijew-Regime in Baku kommt mit seiner Einladung den Taliban diplomatisch einen weiteren kleinen Schritt entgegen. Aber soll man die Afghan*innen zusätzlich für ein Regime bestrafen, das sie sich nicht ausgesucht haben, indem man ihnen Hilfe in einer globalen Krise verweigert?
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