piwik no script img

AfD Thüringen gegen VerfassungsschutzLandesverband will klagen

Für den Thüringer Verfassungsschutz ist die Partei ein „Prüffall“. Nun klagt die AfD gegen Behördenchef Stephan Kramer und Innenminister Georg Maier.

Konrad Litschko

Aus Berlin

Konrad Litschko

Im September machten es Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) und der Chef des Landesamts für Verfassungsschutz Stephan Kramer öffentlich: Die AfD Thüringen ist ab sofort ein „Prüffall“ des Geheimdienstes. Zusammengetragen werde nun Material, ob die rechtspopulistische Partei inzwischen aktiv gegen die Verfassungsordnung kämpft – und künftig offiziell unter Beobachtung genommen werden muss.

Nun wehrt sich die Thüringer AfD um den Partei-Rechtsaußen Björn Höcke. Am Dienstag kündigte der Landesverband eine Klage gegen Maier und Kramer vor dem Thüringer Verfassungsgerichtshof an. Beide hätten die Partei mit „diversen falschen Tatsachenbehauptungen“ überzogen. Auch sei es ein „einzigartiger politischer Erpressungsversuch“, dass Kramer vor einer Wahl Höckes zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2019 warnte, damit würde der Landesverband zementieren, wofür er stehe.

Sowohl Kramer als auch Maier hätten „schwerste Verstöße gegen ihre Neutralitätspflicht“ begangen, kritisierte Stefan Möller, Co-Landeschef der AfD. „Es geht um schweren Amtsmissbrauch.“ Ziel sei es offenbar, die AfD zu „diffamieren“.

Das Thüringer Innenministerium reagierte gelassen. Man sei auf die genaue Begründung der Klage gespannt, sagte dort ein Sprecher. Schließlich erfolge ja noch gar keine Beobachtung der AfD, sondern nur eine ergebnisoffene Prüfung. Diese soll nach taz-Informationen zum Jahresbeginn 2019 abgeschlossen sein.

Sprachgebrauch wird zunehmend rechtsextremistisch

Tatsächlich gehört der Thüringer AfD-Verband um Höcke zu den radikalsten Landesverbänden innerhalb der Partei. Der Thüringer Verfassungsschutzchef Kramer bescheinigte ihm im September, seine Abgrenzung zu rechtsextremen Gruppen immer weiter aufzulösen. Auch der Sprachgebrauch werde „zunehmend rechtsextremistisch“. Zudem gehörte Landeschef Höcke zuletzt zu den AfD-Größen, die in Chemnitz Seite an Seite mit Neonazis und Pegida-Anführern demonstrierten.

Der Landesverband stellte sich dagegen zuletzt hinter Höcke: Er wurde als Landeschef wiedergewählt und tatsächlich als Spitzenkandidat für die Thüringer Landtagswahl 2019 nominiert.

Der Thüringer AfD-„Prüffall“ ist indes kein Einzelfall mehr. Inzwischen wird auch der Jugendverband der Partei in Bremen, Niedersachsen und Baden-Württemberg vom Verfassungsschutz beobachtet. Und auch das Bundesamt für Verfassungsschutz wertet momentan Material aus den Ländern aus, ob eine Beobachtung der Partei – oder Teile von ihr – nötig ist. Hier soll ebenso eine Entscheidung zum Jahreswechsel erfolgen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

2 Kommentare

 / 
  • So wie beschrieben ist es eine Normalsituation. Und wenn es auch auf diese Weise nicht gelingt, die politische Konkurrenz pseudolegal loszuwerden, dann erfolgt das massenweise Überlaufen von A nach B, schon um der Posten will, und daneben natürlich auch das zielstrebige Unterwandern, um das Wesensmerkmal "Einheitsbrei" innerhalb der Politik zu erhalten.

    • @wxyz:

      Hä???