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Adbusting gegen Bundeswehr vor GerichtNur Ruhm und Ehre den Soldaten

Vorwurf der Beleidigung: Für kritische Plakate gegen den Veteranentag stehen am Dienstag in Schwerin zwei Aktivisten vor Gericht.

Plakat gegen den Veteranentag: eine Beleidigung? Foto: Antimilitaristisches Aktionsnetzwerk

W er nur einen oberflächlichen Blick auf die Werbeplakate geworfen hat, hätte die Kritik am deutschen Militarismus schnell übersehen können: Rund um den Veteranentag, der in Deutschland erstmals im Juni vergangenen Jahres begangen wurde, tauchten bundesweit Adbusting-Plakate auf, die der seit Jahren verwendeten Optik der Bundeswehrwerbung entsprachen. Doch statt für den Dienst an der Waffe zu werben, gab es darauf kritische Botschaften zu lesen: „Befehl. Gehorsam. Schikane“, „Abhängen mit Nazipreppern?“ oder „Deutscher Mix: Nazis, Patronen, Einzelfälle“.

Am Landgericht Schwerin müssen sich dafür am Dienstag zwei Ak­ti­vis­t*in­nen verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Sie hätten mit der gezielten Verfremdung der Bundeswehrwerbung aktive Bundeswehrsoldaten beleidigt. „Was in Demokratien eigentlich eine selbstverständlich erlaubte Meinungsäußerung sein sollte, hält die Staatsanwaltschaft Schwerin für eine Beleidigung“, kritisiert Kai Krieger, Spre­che­r*in des antimilitaristischen Aktionsnetzwerkes, zu dem auch die Jugendorganisation der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) gehört.

Das Aktionsnetzwerk hatte im Vorfeld des Veteranentags zur Adbusting-Aktion aufgerufen: Bundesweit versandte es die Plakate und schickte eine Anleitung mit, wie Werbevitrinen mit „einem einfachen Rohsteckschlüssel aus dem Baumarkt“ zu öffnen sind, um dort die Plakate aufzuhängen. Unter den wechselnden Botschaften prangten auf allen Plakaten rosafarben „Nein zum Veteranentag“ sowie ein QR-Code, mit dem detaillierter zu lesen war, warum der Veteranentag am 15. Juni 2025 ein „Naziprepper-Tag“ sei.

An der Kritik hält das Aktionsnetzwerk fest, schließlich sei damit auf „eine Reihe rechter Skandale rund um die Bundeswehr und die Veteranenverbände“ angespielt werden. Dass das in Schwerin tatsächlich strafrechtlich verfolgt wird, versteht Krieger nicht. Zwar sei die Freude groß, dass durch die Strafverfolgung „unsere Plakate so viel Aufmerksamkeit“ bekommen würden. „Aber statt unschuldige Leute zu verknacken, könnten staatliche Institutionen die Kritik auch ruhig mal annehmen“, sagt Krieger.

Kritik am Militär hat in Deutschland schließlich eine lange Tradition – und eine lange Geschichte an Gerichtsverhandlungen. Schon 1931 löste Kurt Tucholsky mit der „Soldaten sind Mörder“-Aussage einen Rechtsstreit aus. Auch mit Gründung der Bundesrepublik setzte sich die juristische Auseinandersetzung um die Aussage fort, ehe das Bundesverfassungsgericht 1995 abschließend feststellte, dass die Beleidigung einer gesamten Berufsgruppe nicht möglich sei und solche Äußerungen unter dem Schutz der Meinungsfreiheit stehen. Folglich dürfen „Naziprepper“, sagt Krieger, denn auch „Naziprepper“ genannt werden.

Schon 1931 löste Kurt Tucholsky mit der Soldaten sind Mörder-Aussage einen Rechtsstreit aus.

Besonders verwunderlich findet das Netzwerk, dass die Anklage insbesondere auf eine Beleidigung aktiver Soldaten zielt. Veteran ist nach dem Bundesverteidigungsministerium, wer in der Bundeswehr „im aktiven Dienst steht oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden ist“. Diese Definition bezieht zurzeit etwa zehn Millionen Menschen ein, so das Aktionsnetzwerk.

Mit dem Vorwurf, der Veteranentag sei ein Naziprepper-Tag, zielen die Frie­dens­ak­ti­vis­t*in­nen schließlich auch konkret auf rechtsextreme Verbindungen früherer Sol­da­t*in­nen im Nordosten Deutschlands. „Die in der Vergangenheit bekannt gewordenen Verwicklungen des Reservistenverbandes Mecklenburg-Vorpommern in Naziprepper-Netzwerke zeigt, dass man gerade bei nicht aktiven Sol­da­t*in­nen sehr genau hinschauen muss“, sagt Krieger und spielt auf die rechtsextreme Gruppe „Nordkreuz“ an.

Für einen „Tag X“ hatte die Gruppe um Haik Jaeger geplant, politisch andersdenkende Menschen zu ermorden. 2017 flogen sie auf. Allein bei Jaeger, damals Kriminalkommissar, fanden die Ermittler 3.000 Schuss Munition. Die Gruppe übte mit Waffen, hortete Munition und hatte schon Löschkalk und Leichensäcke bestellt. Fast alle Mitglieder waren im Reservistenverband der Bundeswehr.

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Andreas Speit
Autor
Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
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2 Kommentare

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  • Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Sie hätten mit der gezielten Verfremdung der Bundeswehrwerbung aktive Bundeswehrsoldaten beleidigt. „Was in Demokratien eigentlich eine selbstverständlich erlaubte Meinungsäußerung sein sollte, hält die Staatsanwaltschaft Schwerin für eine Beleidigung“ ....



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    Schwerin, nördl. Ostelbien. Da muss selbst ein StA. wohl noch üben!



    Das Plakat beleidigt Soldaten?



    Das ist gegen den auch im Artikel angesprochenen Satz: "Soldaten sind Mörder!"(c) K. Tucholsky, fast eine Neu-Auflage des "Kammergerichtsprozesses" in Berlin, jurz vor unseren "1.000" Jahren!



    Mein Fazit in einfacher Sprache damit auch alle, selbst StA's es verstehen:



    " Was erlauben StA's! Klagen an wie Flasche halb leer!"



    In diesem Sinn: Das Runde muss ins Eckige & ein Prozess um, über Satire, Ironie, usw. dauert nur selten mehr als 90 Minuten"! :-(

    • @Sikasuu:

      "Soldaten sind Mörder!" ist sicher am bekanntesten. Aber auch andere "Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts bezeichneten das Soldatenhandwerk als Mord, darunter Voltaire („Mordbrenner“), Heinrich Heine („stehende Heere von hunderttausenden Mördern“) und Georg Büchner („gesetzliche Mörder“). (Wikipedia)



      Leider jubeln auch hier bei den Kommentatoren der taz zu viele über den Krieg der USA und Israels. Ich bin dagegen der Meinung, dass andere Wege nicht ausreichend versucht wurden, um das Regime im Iran "auszutrocknen".