Abriss der Wuhlheide-Brücke: Glück gehabt – und dann doch nicht
Unsere Autorin hatte erst kein Problem damit, dass die Brücke an der Wuhlheide für den Verkehr gesperrt wurde. Aber dabei blieb es bekanntlich nicht.
Tacktacktacktacktack. Die Abrissarbeiten an der maroden Wuhlheidebrücke übertönen im nahen Wäldchen das Gezwitscher der Vögel und das Läuten der Kirchenglocken. Am Freitagabend haben die Abrissarbeiten begonnen, und am Wochenende liegt bereits ein guter Teil der ehemaligen Brücke als Schutt auf der Straße. Die Baumaschinen leisten ganze Arbeit.
Die Anwohner tragen den Lärm und Staub mit Fassung. Hauptsache, die Straßensperrung zwischen den Ortsteilen Karlshorst in Lichtenberg und Oberschöneweide in Treptow-Köpenick wird so schnell wie möglich wieder aufgehoben. Die Kreuzung ist ein Nadelöhr im Berliner Südosten. Laut Senatsverkehrsverwaltung sollen die Straßenbahntrasse unter der Brücke sowie die Fuß- und Radwege „möglichst“ bis Ende der Woche freigegeben werden. Was auch immer „möglichst“ heißt.
In meiner Wohnung, knapp zwei Kilometer von der Abrissstelle entfernt, höre ich den Baulärm nicht. Auch der Umleitungsverkehr schlängelt sich nicht unter meinem Fenster entlang. Glück gehabt. Die Bewohner einer Parallelstraße dagegen sind staugeplagt.
Die marode Wuhlheidebrücke führte weder über ein Gewässer noch über eine Eisenbahntrasse. Sie wurde lediglich als Überführung der viel befahrenen Kreuzung gebaut, damit nicht alle Autos an einer Ampel warten müssen. Da ich kein Auto habe, hat es mich erst einmal nicht betroffen, als im April die Brücke selbst gesperrt wurde. Öffentlicher Verkehr führt nicht darüber, und mit dem Fahrrad nach Köpenick ist der Weg durch die Wuhlheide ohnehin angenehmer.
Doch als vor einer Woche auch der gesamte Verkehr unter der Brücke wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde, war ich wie Tausende andere massiv von Einschränkungen betroffen. Als ich letzte Woche meine Schwester in Grünau besuchte, führte der Weg dorthin nicht wie gewohnt bequem mit der Straßenbahn, sondern mit der S-Bahn von Karlshorst über den Bahnhof Ostkreuz. Inklusive einer S-Bahn-Störung dauerte der riesige Umweg eineinhalb Stunden. Ich fühle mich, als wohnte ich am Ende der Welt. Auch die deutlich kürzere Alternativroute über Köpenick und von dort weiter mit der Tram schied aus, weil auch in der Köpenicker Altstadt gebaut wird – inklusive Unterbrechung der Straßenbahnlinie.
Vom Lieblingsgartencenter abgeschnitten
Auf den geplanten Einkauf in meinem Lieblingsgartencenter verzichtete ich letzte Woche und kaufte meine Paprikapflanzen und die Flamingoblume stattdessen in einem Markt weitab von der Baustelle. Diese Woche habe ich allerdings einen Termin beim Bürgeramt in Schöneweide. Der direkte Weg dorthin führt über die gesperrte Kreuzung.
Da man solche Termine schwer bekommt, kann ich den nicht einfach absagen und für die kommende Woche neu buchen in der Hoffnung, dass das „möglichst“ der Senatsverwaltung tatsächlich eintritt. Ich werde mit dem Fahrrad einen Schleichweg durch den Wald wählen, der die Brückenbaustelle umfährt. Auch dieser Schleichweg, den nur Anwohner kennen, ist ein riesiger Umweg.
Große Teile der sonst viel befahrenen Treskowallee in Karlshorst gehören in diesen Tagen den Radfahrern allein. Denn was für Fahrräder immerhin über einen Schleichweg nach Schöneweide führt, ist für Autos eine Sackgasse geworden.
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