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ARD-Doku „Sandmännchen forever“Das nette Kerlchen hält die Klappe

In Ost wie West waren sie vielen Kindern ein geliebtes Ritual. „Sandmännchen forever“ zeigt die Unterschiede zweier TV-Legenden jenseits der Rasur.

Ich bin an der innerdeutschen Grenze aufgewachsen, mit den beiden terrestrischen Ost- und den drei Westsendern. Und mit zwei Sandmännchen. Wobei das sozialistische mir damals viel besser gefiel.

Der Westsandmann (mit Vollbart) wurde im März 1989 eingestellt. Der Ost-Kollege (mit Spitzbart) ist dagegen immer noch auf Sendung. Seit nun schon über 66 Jahren. „Sandmännchen forever … Karriere einer Kultfigur“ ist deshalb die gut gemachte Dokumentation ganz richtig betitelt.

Darin kommen viele Experten zu Wort, allen voran Kinder. Für die ist das Sandmännchen schließlich gemacht. Ex-Kinder aus Ost und West erinnern sich ebenfalls, auch kritisch, meist aber sehr wohlwollend. Dazu säuselt Schauspieler Axel Milberg aus dem Off poetisch angehauchte Informationen.

Die Doku ist lehrreich und unterhaltsam. Wir lernen die Mutter des Westsandmännchens (Ilse Obrig) und die beiden Väter des Ostsandmännchens (Walter Heynowski und Gerhard Behrendt) kennen. Und ein Wettrennen ideologischer Natur: 1959 plant der Sender Freies Berlin einen TV-Abendgruß. Das sorgt für Alarmstimmung in Berlin-Adlershof, wo das Fernsehen der DDR seinen Sitz hat. Es entsteht der Plan, dem Westen zuvorzukommen. Hat geklappt.

Die Doku

Sandmännchen forever … Karriere einer Kultfigur“, in der ARD-Mediathek

Das Geheimnis des Sandmännchens aus der DDR? Das nette Kerlchen hält die Klappe. Kommt wie ein guter Freund ins Haus und hat eine Gute-Nacht-Geschichte mit beliebten, quasi uralten Figuren wie Fuchs und Elster dabei; mittlerweile gibt es viele Neuzugänge. Dabei wird nicht verheimlicht, dass das Sandmännchen zu DDR-Zeiten auch einen erzieherischen Auftrag hatte. Er fuhr sogar Panzer. Das war damals die politische Komponente: Kinder sollten in die sozialistische Gesellschaft hineinwachsen. Schnee von gestern.

„Unser Sandmännchen“, so der offizielle Titel, ist für viele Menschenkinder ein festes wie geliebtes Ritual. Ein Stückchen heile Welt. Und Teil der ostdeutschen Identität. Nach der Wende, als es zusammen mit dem DDR-Fernsehen abgewickelt werden sollte, rollte eine Protestwelle durch die ostdeutschen Lande. Mit Erfolg, ausnahmsweise. Auf das Sandmännchen war und ist eben Verlass. Immer.

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