AKK, Laschet & Thüringens Regierung: Gehen, kommen, bleiben

Die CDU hat einen neuen Vorsitzenden, Trump keine Social Media Accounts mehr. Nur die Regierung in Thüringen, die bleibt und verschiebt die Wahlen.

Porträtaufnahme von AKK mit gesenktem Blick

Bye Bye AKK Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Friedrich Merz’ Rede.

Und was wird besser in dieser?

Können wir den bitte in Peter umbenennen? Maurice? Das geht bei Höcke doch auch.

Habemus CDU-Vorsitzenden: Armin Laschet hat am Samstag die Wahl gewonnen, jetzt muss sie nur noch formal bestätigt werden. Wird das Wahljahr jetzt doch noch spannend?

Hängepartie mit der gut gelaunten Pausentaste aus Düsseldorf: Laschet könnte Rückenwind gebrauchen von zwei gewonnenen Landtagswahlen im März. Ein frisch demolierter CDU-Chef dagegen hätte es schwerer gegen das Phantom: Söder. Dann noch das Phantom der Opas: Merz. Auch in Düsseldorf wirft das neue Hobby des MP Fragen auf: Natürlich will Laschet nicht ohne Homebase führen noch kandidieren, doch eben drum werden sich Nachfolger in Stellung bringen. Eine Regierungsbildung im Wilden Osten, Sachsen-Anhalt, wird zu meistern sein. Schließlich muss er von Merkels Ansehen profitieren und Merkels Gegner begeistern. Das ist ein Crashkurs im Muttitasking für Laschet, das traut die knappe Mehrheit am ehesten ihm zu. In der 90. Minute wechselt die Union für Merkel ihren Neffen ein.

Was wird von der bisherigen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer in Erinnerung bleiben?

Das grußlose Grußwort von Merkel. Darin kam die Nachvorsitzende nicht mehr vor. AKK wollte den Job, bekam ihn und vergeigte. Die krude Koalition aus alten Männern, Rezo und der Schwabbelunion in Magdeburg mag zufällige Challenge gewesen sein – eine echte „Linie AKK“ war ohnedies nicht zu erkennen. Katholischer, weiblicher, außenpolitisch riskanter – das sind interessante Antworten auf Fragen, die sich der Union gerade nicht stellen. Wenn es eine Bundespräsidentinnenkandidatin braucht, könnte sie dazu begnadigt werden.

Der Deutsche Bundestag schafft seine Faxgeräte ab. Wann ziehen die deutschen Gesundheitsämter nach?

Ja nun. Dafür ist der Ältestenrat zuständig, nicht der Jüngstenrat. Er unterhält eine „Kommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken und -medien“. Normal schlagen die sich mit Hackerangriffen rum. Selbst Notare dürfen heute mit eingescannten Unterschriften beglaubigen – Mist, die 1.600 Bundesfaxe müssen auf den Schrott.

Erst Twitter, dann Facebook und jetzt auch Youtube: Die großen Plattformen haben die Accounts von Donald Trump gesperrt. Richtig so oder gefährliche #CancelCulture?

Posing, Attitüde, Werbung? Sicher ist: Hier treffen kommerzielle Unternehmen Entscheidungen über Meinungsfreiheit mit erdumspannender Reichweite. Es ist hübsch anzusehen und gleichzeitig ein Albtraum.

In den USA haben die Abgeordneten ein zweites Impeachment-Verfahren gegen Trump auf den Weg gebracht. Klappt es dieses Mal?

Es arbeitet mit der Fiktion, Trump könnte als 78-Jähriger noch mal antreten. Je unwahrscheinlicher man das findet, desto eher ist es eine Traumatherapie für die Demokraten.

Nach „Team Todenhöfer“ wollen nun auch die Querdenker eine Partei gründen. Erlebt das Konzept Partei gerade eine Renaissance?

Nein, die Mittelalter-Live-Rollenspiele sind in der Gegenwart angekommen.

Thüringen hat seine Landtagswahl verschoben. Eigentlich läuft die Duldung von Rot-Rot-Grün durch die CDU doch ganz gut – sollte überhaupt neu gewählt werden?

Es ist ein Paradox: Ausgerechnet die CDU hat derzeit null Interesse daran, ihren neuen Vorsitzenden mit dem nächsten Gemetzel zu beschädigen. „Ramelow rettet Laschet“, na schäm’ er sich.

Die neuen Nutzungsbedingungen von Whatsapp verärgern viele Menschen. Sie auch? Und was sind Ihre Alternativen?

Signal und Threema. Whatsapp, also Facebook, filetiert selbst Nichtnutzer zu üppigen Datenhappen für Werbekunden. Sein Gründer hat übrigens 50 Millionen US-Dollar gespendet, um Signal aufzubauen. Tätige Reue, werde mich mit ihm befreunden. Leider isser nicht mehr bei Whatsapp.

Ein Viertel der Deutschen geht laut einer Umfrage davon aus, dass Politik und Medien bei der journalistischen Berichterstattung „unter einer Decke“ stecken. Kuscheln Sie mit?

Finde ich nicht, aber ich bin gelegentlich userverdrossen.

Und was machen die Borussen?

So wie die ohne Publikum spielen, könnte man nach Corona dem Publikum bessere Gagen zahlen.

Fragen: cas,waam

Friedrich Küppersbusch ist Journalist, Produzent und steht als Wirtschaftsminister nicht zur Verfügung

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de