+++ Nachrichten zum Nahostkonflikt +++: Israel greift in Südlibanon weiter an
Trotz der nominell geltenden Waffenruhe rückt die israelische Armee in Libanon vor und ruft zur Räumung auf. Viele Bewohner ergreifen die Flucht.
Foto: Mohammed Zaatari/AP/dpa
Israels Armee greift erneut im Südlibanon an
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut im Süden Libanons Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz angegriffen. Es sei „Infrastruktur“ der Schiitenmiliz in der Stadt Tyrus attackiert worden, teilte die Armee am frühen Morgen mit. Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Informationen. Zugleich meldete die Armee, ein mutmaßlicher Drohnenangriff auf israelische Truppen im Süden des Nachbarlandes sei abgewehrt worden. Das „verdächtige“ Flugobjekt sei über einem Gebiet abgefangen worden, in dem Israels Soldaten im Einsatz seien. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Eigentlich gilt seit Mitte April eine Waffenruhe. Darauf hatten sich die israelische und die libanesische Regierung, die selbst keine Konfliktpartei in dem Krieg ist, geeinigt. Die Hisbollah selbst lehnt Verhandlungen mit Israel ab. Faktisch läuft der Krieg ohnehin weiter. Zuletzt hatte sich die Lage erneut deutlich zugespitzt. (dpa)
Israels Militär ruft Menschen in Südlibanon zur Flucht auf
Israel weitet seine Militäroffensive im benachbarten Libanon nach heftigen Gefechten mit der Hisbollah wieder aus. Am Mittwochabend teilten die israelischen Streitkräfte mit, sie würden in Südlibanon mit extremer Härte gegen die mit Iran verbündete Schiitenmiliz vorgehen, und riefen Bewohner der Region auf, ihre Dörfer zu verlassen. Zuvor hatte das Militär bereits Einwohner der Städte Tyrus und Nabatija und umliegender Orte zur Flucht aufgerufen. Es waren die ersten derartigen Evakuierungsaufrufe seit Beginn einer Waffenruhe am 17. April. Die Gefechte zwischen Israel und der Hisbollah haben aber nie aufgehört. Zuletzt hatten israelische Truppen den Fluss Litani überquert und sich der Stadt Nabatija genähert.
Mussa Nasrallah vom libanesischen Zivilschutz sagte der Nachrichtenagentur AP am Mittwochabend, es habe mindestens vier israelische Angriffe in der Nähe der Stadt Tyrus gegeben, seit das israelische Militär wenige Stunden zuvor die Einwohner zur Flucht aufgerufen hatte. Auf den Straßen bei Tyrus bildeten sich Staus, als Einwohner versuchten, mit Autos Richtung Norden zu fliehen. Diejenigen, die nirgendwohin könnten, würden in der Stadt bleiben, sagte Nasrallah. Er und andere Helfer würden älteren Menschen helfen, aus der umliegenden Provinz nach Tyrus zu gelangen. Mit den eigenen Autos Flüchtende nach Norden zu bringen, sei nicht möglich, weil man dann nicht den Verwundeten vor Ort helfen könne, sagte Nasrallah.
Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah flammte am 2. März wieder auf, als die schiitische Miliz aus Solidarität mit Iran Raketen auf Nordisrael abfeuerte. Seitdem sind in Libanon über eine Million Menschen vertrieben worden. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei israelischen Angriffen über 3.200 Menschen getötet. Viele Vertriebene schlafen in öffentlichen Schulen, die zu Notunterkünften umfunktioniert wurden, oder in Zelten, die in Lagern in der libanesischen Hauptstadt Beirut aufgestellt wurden. Seit Beginn der Waffenruhe hat Israel Beirut nicht mehr angegriffen. Eine Forderung Irans bei den Verhandlungen über ein Ende des Krieges mit den USA und Israel ist auch, dass der Krieg in Libanon beendet wird. (ap)
USA greifen erneut den Iran an. Teheran meldet Vergeltungsschlag gegen US-Stützpunkt
Der Irankrieg droht trotz der eigentlich geltenden Waffenruhe erneut zu eskalieren: Bereits zum zweiten Mal in dieser Woche griffen die USA in der Nacht zum Donnerstag Iran an. Dieser reagierte nach eigenen Angaben mit einem Vergeltungsschlag auf den US-Stützpunkt, von dem aus Iran angegriffen worden sei. Bei den neuerlichen US-Angriffen wurden nach Angaben eines US-Regierungsvertreters im Süden Irans unter anderem vier iranische Drohnen abgeschossen. „Zudem griffen die US-Streitkräfte einen iranischen Stützpunkt in Bandar Abbas an, von dem gerade eine fünfte Drohne gestartet werden sollte“, erklärte der Regierungsvertreter.
Die iranischen Drohnen hätten „eine Gefahr“ für die Straße von Hormus dargestellt. Die US-Angriffe seien „begrenzt und rein defensiv“ gewesen, betonte der Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. Ziel sei es gewesen, den derzeit geltenden Waffenstillstand „aufrechtzuerhalten“. Iranische Medien berichteten von drei starken Explosionen in der Nähe von Bandar Abbas, einer Hafenstadt im Süden des Landes. Die Explosionen ereigneten sich demnach am Donnerstagmorgen gegen 01.30 Uhr (Ortszeit, 00.00 Uhr MESZ).
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Als Vergeltung für nächtliche Angriffe auf sein Territorium attackierte Iran dann kurz vor 5 Uhr nach Angaben des staatlichen Fernsehens einen US-Stützpunkt. „Nach der heutigen Aggression des feindlichen US-Militärs mit Luftgeschossen auf einen Ort am Rande des Flughafens Bandar Abbas wurde der US-Luftwaffenstützpunkt ins Visier genommen, der als Ausgangspunkt des Angriffs diente“, zitierte das Fernsehen aus einer Erklärung der Revolutionsgarden. Angaben zum Ort des US-Stützpunktes wurden nicht gemacht. Allerdings meldete das mit Washington verbündete Golfemirat Kuwait, in dem US-Soldaten stationiert sind, Drohnen- und Raketenangriffe auf sein Land. „Die kuwaitische Luftverteidigung bekämpft derzeit feindliche Raketen- und Drohnenangriffe“, teilten die Streitkräfte des Landes im Onlinedienst X mit. (afp)
Trump noch nicht zufrieden mit Iranverhandlungen
Aus der Sicht von US-Präsident Donald Trump ist der Verhandlungsstand zu einem möglichen Ende des Irankriegs noch nicht zufriedenstellend. In einer Sitzung seines Kabinetts im Weißen Haus sagte der Republikaner, Iran sei sehr entschlossen: „Sie wollen unbedingt ein Abkommen schließen.“ Die US-Regierung sei damit aber noch nicht „zufrieden“. Trump erneuerte die Drohung, dass man entweder einen Deal abschließen oder weiter kämpfen werde – er sprach davon, dann „die Sache zu Ende“ zu bringen. Damit ist weiterhin unklar, ob es zu einem Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA kommen wird.
Trump hatte am Wochenende Hoffnungen auf eine schnelle Einigung geweckt, diese aber später wieder etwas gedämpft, indem er sagte, beide Seiten müssten sich die nötige Zeit nehmen. Die USA hatten an der Seite von Israel am 28. Februar den Krieg gegen den Iran begonnen. Eine Kernforderung der USA ist es, dass das Land niemals in den Besitz einer Atomwaffe kommen dürfe. Trump verneinte, dass es mögliche Sanktionslockerungen für Iran geben könnte. „Nein, wir sprechen nicht über irgendeine Lockerung von Sanktionen“, sagte der Republikaner in der Kabinettsitzung. Auch über Gelder, die Iran für sich beanspruche, habe man im Moment weiter die Kontrolle. (dpa)
Erneut libanesischer Soldat bei israelischem Angriff getötet
Bei einem israelischen Angriff in Libanon ist nach Armeeangaben erneut ein Soldat getötet worden. Er sei bei einem Angriff nahe der Stadt Nabatija in Südlibanon getötet worden, teilte die libanesische Armee mit. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht. Erst am Dienstag war bei einem Angriff ein Soldat getötet worden. Er sei bei einem israelischen Angriff in der Bekaaebene ums Leben gekommen, teilte die Armee mit. Sein Leichnam konnte am Nachmittag geborgen werden. Das israelische Militär teilte mit, die Angelegenheit zu prüfen. (dpa)
Kallas: Anhaltender Krieg in der Golfregion ist „in niemandes Interesse“
Vor dem Hintergrund der jüngsten Angriffe der USA und Irans hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas von einer „sehr gefährlichen Zone“ zwischen Krieg und Frieden gewarnt. „Es liegt in niemandes Interesse, dass dieser Krieg weitergeht“, sagte Kallas am Donnerstag vor einem Treffen der EU-Außenminister im zyprischen Limassol. Es liege „wirklich im Interesse aller, dass die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus respektiert wird“, verdeutlichte sie. Im seit drei Monaten andauernden Irankrieg gilt eigentlich seit dem 8. April eine Waffenruhe. Die USA griffen in der Nacht allerdings erneut Ziele in Iran an. Teheran reagierte nach eigenen Angaben mit einem Vergeltungsschlag auf einen US-Stützpunkt.
„Alle bezahlen einen sehr hohen Preis“, sagte Kallas zu der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus. Es heiße seit „einiger Zeit“, dass ein Abkommen über einen Waffenstillstand „sehr nahe“ an einem Abschluss sei. Im Falle eines solchen Abkommens müsste danach die Frage nach dem iranischen Atomprogramm verhandelt werden. Hier könne Europa mit seinen Experten „einen Beitrag leisten“. (dpa)
Straße von Hormus: US-Finanzministerium verhängt Sanktionen gegen iranische Behörde
Das US-Finanzministerium verhängt Sanktionen gegen die von Iran neu gegründete Behörde zur Kontrolle der Straße von Hormus. „Der jüngste Versuch des iranischen Militärs, den globalen Seehandel zu erpressen, ist ein Beweis dafür, dass die,Economic Fury' das Regime in eine verzweifelte Geldnot getrieben hat“, erklärte Finanzminister Scott Bessent am Mittwoch (Ortszeit). Die Bezeichnung „Economic Fury“ meint die Ausübung von großem wirtschaftlichen Druck auf den Iran – angelehnt an den Namen „Epic Fury“, den die US-Regierung dem Militäreinsatz gegen Iran verliehen hat. Iran hatte zuletzt eine Behörde zur Kontrolle der Straße von Hormus gegründet, die Gebühren für die Durchfahrt durch die strategisch wichtige Meerenge erhebt. Der Erklärung des US-Finanzministeriums zufolge drohen die Sanktionen auch denen, die diese Gebühren zahlen, da dadurch „möglicherweise“ die iranischen Revolutionsgarden „unterstützt“ und „Dienstleistungen von ihnen“ erhalten würden. (afp)
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