+++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trotz „Waffenruhe“ fliegen am Golf wieder Bomben
In der Nacht zum Mittwoch liefern sich die USA und Iran die heftigsten Kämpfe seit langem. Auch Kuwait und Bahrain werden Ziele von iranischen Angriffen.
Kämpfe eskalieren in der Nacht
Ungeachtet der von US-Präsident Donald Trump befeuerten Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Krieges sind die Kämpfe zwischen den USA und Iran in der Nacht zum Mittwoch eskaliert. Das US-Militär teilte mit, iranische Raketen- und Drohnenangriffe auf Bahrain, Kuwait und zivile Schiffe vereitelt zu haben. Nach Angaben des US-Zentralkommandos wurden drei auf Bahrain abgefeuerte Raketen abgefangen, während zwei für Kuwait bestimmte Flugkörper ihr Ziel verfehlten. Zudem hätten die US-Streitkräfte iranische Drohnen abgeschossen. Als Reaktion auf die iranischen Angriffsversuche habe das US-Militär seinerseits Ziele auf der Insel Keschm nahe der Straße von Hormus angegriffen.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärten laut staatlichen Medien, sie hätten das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain sowie einen Luftwaffenstützpunkt mit Raketen und Drohnen attackiert. Dies sei die Vergeltung für einen US-Angriff auf eine Kommunikationseinrichtung südlich der Insel Keschm in der Straße von Hormus gewesen.
Außerdem meldeten die Revolutionsgarden den Beschuss eines Schiffes namens „Panaya“ als Vergeltung für eine angebliche US-Attacke auf einen iranischen Tanker. Die weltgrößte Reederei MSC teilte mit, dass eines ihrer Schiffe im irakischen Hafen Umm Kasr von zwei Projektilen getroffen worden sei. Die IRGC gaben an, dieser Angriff sei eine Reaktion auf eine US-Attacke auf ein iranisches Schiff im Golf von Oman gewesen.
Es waren nicht die ersten gegenseitigen Angriffe seit Inkrafttreten der Waffenruhe am 8. April, aber mit jeder neuen Attacke steigt die Furcht vor einer erneuten Eskalation des Kriegs. Der jüngste Schlagabtausch erfolgte vor dem Hintergrund stockender Verhandlungen um ein Rahmenabkommen, mit dem der Krieg beendet und die Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt geöffnet werden soll.
Seit Mitte März hat Trump wiederholt erklärt, er stehe kurz vor einer Einigung mit dem Iran, die die Kämpfe beenden würde. Zuletzt hatte der US-Sender ABC am Montag berichtet, Trump erwarte eine Einigung mit Iran „binnen der nächsten Woche“. Dabei gehe es um eine Verlängerung des Waffenstillstands und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus, zitierte ABC News den Präsidenten auf X. (rtr/dpa)
Iran meldet Vergeltung nach US-Angriff auf Öltanker
Grund für den jüngsten gegenseitigen Beschuss schien ein Einsatz des US-Militärs vom Dienstag gewesen zu sein. Die Streitkräfte hatten vor der für Irans Ölexport wichtigen Insel Charg nach eigenen Angaben einen unbeladenen Öltanker angegriffen. Dieser soll versucht haben, trotz der US-Blockade einen iranischen Hafen anzulaufen. Das Schiff habe Warnungen ignoriert und sei letztlich mit einer Rakete außer Gefecht gesetzt worden, hieß es.
Ein iranischer Militärsprecher bestätigte auf der Plattform X Vergeltungsschläge durch die Revolutionsgarden, der Elitestreitmacht der Islamischen Republik. Man habe gewarnt, „dass jede Aggression eine andere und entschiedenere Reaktion nach sich ziehen würde, und wir haben diese auch umgesetzt. Diese Reaktionen sollten eine Lehre sein“, hieß es. Jede Bedrohung der Sicherheit der Straße von Hormus werde das US-Militär „teuer zu stehen kommen“, warnte er.
Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade verhängt, um Iran am Export von Öl zu hindern. Die USA wollen eine uneingeschränkte Wiederöffnung der Straße von Hormus erreichen. (dpa)
Flughafen in Kuwait von iranischen Drohnen getroffen
Kuwait und der Inselstaat Bahrain hatten in der Nacht Angriffe mit Raketen und Drohnen gemeldet. Bei dem iranischen Drohnenangriff auf Kuwait sind am Flughafen der Hauptstadt mehrere Menschen verletzt worden. Das teilte ein Sprecher des kuwaitischen Verteidigungsministeriums mit. Es habe im Passagierbereich an Terminal 1 auch schwere Sachschäden gegeben. Die Verletzten seien ärztlich behandelt worden. Die Streitkräfte seien bereit, „jegliche Schritte“ zu unternehmen, um die Sicherheit und Stabilität des kleinen Landes am Persischen Golf zu schützen.
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Die Behörde für zivile Luftfahrt teilte mit, dass alle für heute geplanten Flüge ausgesetzt oder an andere Flughäfen umgeleitet worden seien. Iranische Raketen und Drohnen hätten das Flughafengebäude getroffen und mehrere Einrichtungen beschädigt, teilte die Behörde der Staatsagentur Kuna zufolge mit. Am Flughafen sei ein Notfallplan aktiviert worden.
Der Flugverkehr in Nahost war im Zuge des Irankriegs in den vergangenen Monaten bereits stark beeinträchtigt. Im März waren Hunderttausende Reisende in der Region gestrandet und wurden teils mit Evakuierungsflügen in ihre Heimat geflogen.
Behauptungen der iranischen Revolutionsgarden, in Bahrain das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten sowie einen US-Luftwaffenstützpunkt in der Region mit Raketen und Drohnen getroffen zu haben, dementierte Centcom. Dies sei falsch. Alle iranischen Angriffe auf US-Streitkräfte seien gescheitert. Man bleibe bereit, sich gegen „unprovozierte iranische Aggressionen zu verteidigen“, hieß es. (dpa)
Trump: Gespräche mit Teheran laufen weiter
US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag ungeachtet gegenteiliger Aussagen aus Iran bekräftigt, dass die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zum Irankrieg andauern. „Fake-News-Berichte, wonach die Islamische Republik Iran und die USA vor einigen Tagen die Gespräche eingestellt hätten, sind falsch und irreführend“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die Gespräche liefen ununterbrochen weiter. „Wohin sie führen, weiß man nie“, schrieb Trump weiter. Aber er habe Iran gesagt, es sei an der Zeit, „auf die eine oder andere Weise einen Deal abzuschließen“.
Vor Trumps Post hatte die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den Revolutionsgarden nahesteht, berichtet, seit mehreren Tagen fänden keine Gespräche mehr zwischen Teheran und Washington statt. Bereits am Montag hatte die iranische Agentur Tasnim ähnlich berichtet und das Ende der indirekten Verhandlungen mit dem andauernden Krieg Israels gegen die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon begründet.
Am Montag hatte Trump ein Ende der Kämpfe im Libanon angekündigt. Heute sollen die politischen Gespräche zwischen Vertretern Israels und des Libanons in der US-Hauptstadt Washington fortgesetzt werden. Die libanesische Regierung ist selbst keine Konfliktpartei. Die Hisbollah lehnt Verhandlungen mit Israel aber ab. (dpa)
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