Britischer Schauspieler und Comedian: Russell Brand wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen
Ein Londoner Gericht hat Brand unter anderem der Vergewaltigung schuldig gesprochen. Ihm droht nun jahrelange Haft.
Achteinhalb Stunden hat sich die Jury beraten, um zu dem Schluss zu kommen: Der Comedian und Schauspieler Russell Brand ist schuldig. Das ist deutlich weniger Zeit, als für den Prozess, der am 12. Oktober im Londoner Southwark Crown Court begann, ursprünglich veranschlagt wurde. Sechs Wochen lang sollten sich die Geschworenen für Termine bereithalten. Am Ende dauerte der Prozess nur dreieinhalb.
Sechs Frauen sagten innerhalb dieser Zeit gegen Brand aus. Vorgeworfen wurden ihm Vergewaltigung, sexualisierte Gewalt und versuchter sexueller Übergriff in insgesamt sieben Fällen während einer Zeitspanne zwischen den Jahren 1999 und 2009. In vier dieser Fälle wurde der 51-Jährige nun für schuldig befunden, darunter ein Vergewaltigungsfall und drei Fälle sexualisierter Gewalt. In zwei weiteren Fällen von Vergewaltigung und einem Fall eines versuchten sexuellen Übergriffs wurde Brand freigesprochen.
Dementsprechend „erheblich“ wird Brands Strafe ausfallen, wie der zuständige Richter diese Woche erklärte. Die Höchststrafe für Vergewaltigung ist laut britischem Recht lebenslange Haft. Üblicherweise variiert das Strafmaß aber eher zwischen 4 und 19 Jahren. Wie lange Brand ins Gefängnis muss, soll kommenden Montag bekanntgegeben werden.
Während des Prozesses berichteten die sechs Frauen, denen laut britischem Recht lebenslange Anonymität zusteht, über ihre Begegnungen mit Brand. Dabei ähnelten sich die Schilderungen: Viele Frauen nahmen Brand, der in der Zeit unter anderem als Moderator für MTV, später als Schauspieler für einige Hollywood-Produktionen arbeitete, zunächst als charmante Person kennen. In intimen Momenten habe sich sein Verhalten aber schlagartig verändert. Brand soll seine Bekanntheit ausgenutzt haben, um sich dann teils gewaltsam Zugang zu Sex mit Kolleginnen und Fans zu verschaffen. Vor Gericht bestritt Brand, der zum Prozess oft mit seiner Frau Laura Brand erschien, alle Vorwürfe.
Vor aller Augen
Vorwürfe sexueller Übergriffigkeit gegenüber Brand wurden erstmals 2023 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In dem Jahr erschien ein Dokumentarfilm über Brands Umgang mit Frauen auf dem britischen Sender Channel 4. Immer wieder spielte seine Verteidigung während des Prozesses darauf an, dass die Aussagen der Klägerinnen von der Dokumentation „inspiriert“ sein könnten und stellte die Vorwürfe als Medienkampagne dar.
Nicht zufällig lautet der Untertitel der Dokumentation „In plain sight“, sprichwörtlich übersetzt: „Vor aller Augen“. Bereits früher machte Brand in zahlreichen öffentlichen Äußerungen kaum Geheimnisse aus seinem Verhalten. Sexuelle Handlungen und Andeutungen gehörten regelhaft zu seinem Repertoire als Comedian und Moderator.
2008 soll er sich vor einer Frau in einem Badezimmer entblößt haben, später machte er Witze über den Fall in seiner Radiosendung. Ein Essay in einem bekannten britischen Magazin aus dem Jahr 2013 beginnt mit den Worten: „Als ich gefragt wurde, ob ich Gastherausgeber für eine Ausgabe des New Statesman sein möchte, habe ich ja gesagt, weil es eine schöne Frau war, die mich gefragt hat.“
Weitere Ermittlungen
In späteren Videoblogs, in denen sich Brand unter anderem Verschwörungserzählungen und christlichem Spiritualismus hingab, räumte er promiskuitives und „unschönes“ Verhalten ein, beschwor aber, im Hinblick auf Frauen immer einvernehmlich und „im Rahmen des Gesetzes“ gehandelt zu haben.
Im Nachgang des Gerichtsprozesses teilte die Metropolitan Police mit, dass sie zwei weitere bereits bekannte Vergewaltigungsvorwürfe untersucht. Einer davon bezieht sich auf eine Zeit, in der Brand im Alter von 30 Jahren eine sexuelle Beziehung zu einer 16-jährigen britischen Schülerin unterhielt.
Bis zur Verkündung des Strafmaßes befindet sich Brand in Haft. Die Möglichkeit einer Freilassung auf Kaution bis dahin wurde ihm vom zuständigen Gericht untersagt.
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