Alternativer Nobelpreis: „Sie verwandelt Kampf in Solidarität“
Die ausgezeichnete pakistanische Menschenrechtsanwältin, Feministin und Aktivistin Jalila Haider setzt sich mutig für die Schwächsten in ihrer Heimat ein.
Dass Jalila Haider ausgerechnet an einem 10. Dezember geboren wurde, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, dürfte biologische und nicht politische Ursachen haben. Trotzdem gibt es für eine Menschenrechtsanwältin wohl keinen passenderen Geburtstag. Die heute 41-Jährige aus Quetta, der Hauptstadt der Unruheprovinz Belutschistan, ist Pakistans erste Rechtsanwältin aus der diskriminierten Minderheit der Hasara und im In- und Ausland als feministische Menschenrechtsanwältin bekannt. Jetzt wird sie mit dem Right Livelihood Award 2026 ausgezeichnet.
Mutig verteidigt Haider nicht nur Angehörige ethnischer Minderheiten, unterdrückte Frauen und trans Personen in einer Gesellschaft, in der patriarchale und islamistische Strukturen dominieren und Militärs ihre Macht missbrauchen. Haider nimmt auch viele Fälle an, die anderen zu heikel sind und sie vertritt viele Mandanten und Mandantinnen pro bono.
Als Aktivistin kämpft sie zugleich gegen politische Repression und für progressiven Wandel. Sie organisierte etwa Quettas ersten Frauenmarsch und gründete eine Organisation, die weiblichen Terroropfern Jobs beschafft. Immer wieder wird sie selbst physisch bedroht, juristisch verfolgt und an Auslandsreisen gehindert. „Ich habe das Gefühl, dass ich ohne globale Anerkennung schon tot sein könnte“, sagt die Juristin, die schon mehrfach international ausgezeichnet wurde.
Haiders Bekanntheit dürfte dabei geholfen haben, dass Pakistans mächtiger Militärchef 2018 das Gespräch mit ihr suchte, als sie mit anderen Personen in Quetta mit einem Hungerstreik gegen die Gewalt an Hasara protestierte. Der General sagten ihr Verbesserungen zu, die dann tatsächlich die Gewalt reduzierten.
„Ich bewundere ihre Unbeugsamkeit, ihre Authentizität und dass sie weder zynisch wird noch ihre Prinzipien verrät“, sagt Fauzia Yazdani der taz. Die Influencerin und Verwaltungsbeamte aus Islamabad aus dem Netzwerk der feministaz kennt Haider seit Jahren. „Sie verwandelt Kampf in Solidarität und ermöglicht anderen, ihr Leben mit mehr Würde, Gleichheit und Freiheit zu führen.“
„Sie verdient die Auszeichnung“, sagt Mehr F. Husain, Publizistin aus Lahore und auch aus dem feministaz-Netzwerk. „Sie hat ein Wunder nach dem anderen vollbracht.“
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