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Geschlechtstests im SportFlicken von Reifen ohne Platten

Warum im Radsport das GPS-Tracking nicht eingeführt wird, sehr wohl aber ein Geschlechtstest. Der Weltverband gehören dringendst demokratisiert.

D er Weltradsportverband UCI hat die Entscheidung verschoben, ob GPS-Tracking verpflichtend wird. Stattdessen haben die Funktionäre die Einführung eines Geschlechtstests beschlossen, dem sich Radsportlerinnen vor Olympia unterziehen müssen.

Zwei Beschlüsse, ein Unterschied: Für das GPS-Tracking gibt es Bedarf, was man spätestens seit dem tragischen Tod der Schweizerin Muriel Furrer 2024 und ihres Kollegen Gino Mäder 2023 weiß. Beide waren gestürzt, bei beiden kam die Rettung zu spät, weil sie nicht geortet werden konnten.

Für das andere Thema, bei dem die UCI glaubt, unbedingt handeln zu müssen, der Gentest, mit dem dann das „richtige“ Geschlecht von Sportlerinnen ermittelt werden soll, gibt es keinen Bedarf. Denn nie im Radsport gab es einen Fall, der hypothetisch so konstruiert wird: Männliche Betrüger in Frauenkleidern nähmen „echten“ Frauen Erfolge weg. Was es selten gab, waren tragische Fälle von Menschen, die sozial in ein Geschlecht gezwungen wurden. Häufiger gab es Fälle von falschen und diffamierenden Anschuldigungen.

Drangsalierter Frauenradsport

Die Tragödien um Muriel Furrer und Gino Mäder scheinen den Funktionären der UCI nicht wichtig oder nicht präsent zu sein, wenn sie in der Öffentlichkeit als durchsetzungsfähige Macher auftreten wollen. Leichter können sie punkten, wenn es darum geht, Sportlerinnen zu Zwangstests zu verpflichten. Nur, weil die in einem Sport antreten wollen, der Leuten wie den UCI-Funktionären ohnehin als Zeitvertreib minderer Güte erscheint: Frauenradsport.

Ein Sport also, den die Herren in den vergangenen 150 Jahre mehrfach verboten haben und den zu drangsalieren sie sich nicht abgewöhnen können. Nicht ohne Grund lobte die amerikanische Frauenrechtlerin Susan B. Anthony schon 1900 das Fahrrad: „Ich denke, es hat mehr für die Emanzipation der Frau getan als irgendetwas anderes auf der Welt.“ Es gibt immer noch Länder, die Frauen das öffentliche Radfahren verbieten oder erschweren: Afghanistan, Iran, Saudi-Arabien, Pakistan, Jemen und Sudan.

Bis heute ist die Erschließung öffentlicher Räume mit diesem wunderbaren Gefährt ein großartiges Politikum. Und bis heute gibt es Kräfte, die Frauen diese erschweren wollen.

Frauenradsport erscheint diesen Leuten doch ohnehin nur als Zeitvertreib minderer Güte

Das wiederum verrät viel über den Weltradsportverband. Zum Beispiel, dass die UCI von einer Förderung und materiellen Gleichstellung des Frauenradsports, etwa in Sachen Prämien und Gehältern, weit entfernt ist.

CPA: „Keine gläsernen Athleten“

Was hat das nun mit dem von allen erwarteten und dann doch verschobenen Pro-Tracking-Beschluss zu tun? Gar nicht so wenig. Denn es ist ja nicht so, dass eine von großen Teilen der UCI favorisierte kaum begrenzte Verwendung von GPS-Tracking unproblematisch wäre. Die Profigewerkschaft, CPA, Cyclistes Professionnels Associés, in der Männer und Frauen organisiert sind, steht nicht für frontale Ablehnung dieser Technik.

Vielmehr will die CPA dafür sorgen, dass es keine „gläsernen Athleten“ geben kann, deren Daten ohne ihre Einwilligung genutzt werden. Ihr geht es um das Nutzen der Technik, um die Sicherheit der Menschen zu verbessern, sie steht gegen Kapitalisierung von Körperdaten.

Es ist auf dem Rad wie im richtigen Leben: Auf weise Entschlüsse grauer Herren ist nie zu hoffen. Auch so harmlos klingende Organisationen wie ein Radsportverband gehören dringendst demokratisiert.

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Martin Krauss

Martin Krauss

Jahrgang 1964, freier Mitarbeiter des taz-Sports seit 1989
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