Frauen im Landtag von Sachsen-Anhalt : Es lebe die neue alte Männerwelt
Durch das starke Abschneiden der männerdominierten AfD gibt es im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt weniger Frauen denn je. Das werden Frauen bald merken.
Foto: Andreas Pein/laif
M änner, Männer, Männer. Wohin man auch blickte am Wahlabend bei der AfD – Anzugträger. So sieht auch die AfD-Fraktion im neuen Magdeburger Landtag aus: Unter den 39 Abgeordneten finden sich nur zwei Frauen – und der Frauenanteil im Parlament sinkt auf unter 22 Prozent. Damit hat der Landtag von Sachsen-Anhalt den niedrigsten Frauenanteil aller Landesparlamente in Deutschland. Und zugleich den niedrigsten in dem ostdeutschen Bundesland seit dessen Entstehung nach der Wiedervereinigung. Zum Vergleich: Die Hamburgische Bürgerschaft ist nahezu paritätisch besetzt, die Bremische kommt auf über 40 Prozent weibliche Abgeordnete.
Dass Frauen jetzt weitgehend aus dem anhaltischen Parlament verschwinden, liegt auch an ihnen selbst. Denn auch sie haben den Rechtsextremen massiv zum Wahlsieg verholfen: 39 Prozent der Wählerinnen in Sachsen-Anhalt stimmten für die AfD. In allen Altersgruppen plädierten Frauen am häufigsten für die Partei mit dem rückwärtsgewandten Frauen- und Familienbild, die auf die weiße Mutter-Vater-Kind(er)-Familie setzt sowie Gleichstellungsrichtlinien und weibliche Selbstbestimmung abschaffen will.
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Im AfD-Wahlprogramm ist das alles mal direkt, mal euphemistisch formuliert. So soll das „Recht auf körperliche Unversehrtheit auch für ungeborenes Leben gelten“ sowie „eine Ultraschalluntersuchung des ungeborenen Kindes“ durchgeführt werden – ein klares Nein zu Abtreibungen. „Funktionierende Familien“ machten Schulsozialarbeit und Pflegeheime überflüssig, weil sie „tüchtige junge Menschen“ hervorbrächten, „die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen“. Es ist von einer „Nachwuchsprämie“ und einer „Eigenheimprämie“ für Eltern die Rede und von einem „Baby-Begrüßungsgeld“, Kitas und Schulessen sollen kostenfrei sein. Wie sie all das finanzieren will, verrät die Partei allerdings nicht. Gleichwohl hat Sachsen-Anhalt laut dem Bund der Steuerzahler die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller Flächenländer. Ende 2026 dürfte der Schuldenstand 25 Milliarden Euro erreichen.
Rechtsextremismus und Antifeminismus reichen sich die Hand – eine Binse, gewiss. Aber eine, die die Frauen in Sachsen-Anhalt ab jetzt deutlich zu spüren bekommen werden. Auch jene, die dafür ihr Kreuz in der Wahlkabine gemacht haben. Manche werden das reaktionäre Frauen- und Familienbild bewusst in Kauf genommen, andere vielleicht nicht mal einen Blick ins „Regierungsprogramm“ geworfen haben.
Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.
Sie mögen sich in Sicherheit wiegen, dass es kein Zurück in die 1950er Jahre der Bundesrepublik geben wird. Denn Frauen dürfen ja weiterhin arbeiten gehen, so wie das Ostfrauen gewohnt sind. Und die Einverdienerehe trägt sich finanziell schon lange nicht mehr. Frauen dürfen auch weiterhin in Politik, Medien, Wissenschaft, Verwaltung mitmachen. Aber ihr Anteil wird sinken. Denn da, wo Männer das Sagen haben, rekrutieren sie ihresgleichen – es lebe die neue alte Männerwelt.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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