Sexuelle Belästigung im ÖPNV: Nächster Halt: Belästigung
Die Zahlen der Gewaltdelikte im Berliner ÖPNV sind gesunken – außer die der Sexualdelikte. Kommt jetzt doch das Frauenabteil?
Tokio, Mexiko-Stadt und Kairo machen vor, was sich manche auch für Berlin wünschen: ein Frauenabteil in öffentlichen Verkehrsmitteln. Anlass für eine erneute Debatte ist die Antwort der Innenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Antje Kapek zur Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
33 Fälle von sexualisierter Gewalt hat es im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr mehr an Berliner Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben, insgesamt 421. Das ging aus den Zahlen der polizeilichen Eingangs- und Verlaufsstatistik hervor. Insgesamt gingen die Zahlen für Gewaltdelikte im ÖPNV zurück, einzig die Zahlen der Sexualdelikte sind gestiegen. 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen.
„Jeden Tag wird im Schnitt mindestens eine Frau Opfer sexualisierter Gewalt in Bus und Bahn. Und diese Zahlen nehmen jedes Jahr weiter zu. Noch dazu liegt die Dunkelziffer sicher deutlich höher“, sagte Kapek. Als Maßnahme fordert sie die Einführung von FLINTA*-Abteilen in den Berliner U- und S-Bahnen – zumindest als Pilotprojekt.
„Solange FLINTA*-Personen Angst haben, den ÖPNV zu nutzen, sind sie in ihrem Leben und ihrer Mobilität eingeschränkt. Deswegen muss der CDU-geführte Senat endlich Maßnahmen ergreifen, um diesem Sicherheitsrisiko entgegenzuarbeiten“, sagte Kapek.
Die meisten Vorfälle passieren in der U-Bahn
Insgesamt gab es 238 Vorfälle in öffentlichen Verkehrsmitteln und 183 an Bahnhöfen und Haltestellen im Jahr 2025. Besonders zugenommen im Vergleich zum Vorjahr haben die Vorfälle an U-Bahnhöfen: 101 Mal ist es dort zu einem Sexualdelikt gekommen, 22 Mal mehr als noch 2024.
Vergleicht man die verschiedenen Verkehrsmittel miteinander, zeigt sich folgendes Bild: Am „sichersten“ ist es für Frauen in den Straßenbahnen, gefolgt von Bussen und S- und Regionalbahnen. Schlusslicht bilden die U-Bahnen. 80 Mal kam es dort zu Vorfällen sexualisierter Gewalt, gefolgt von 62 Vorfällen in Bussen, 76 Vorfällen in S- und Regionalbahn und 23 in der Straßenbahn.
An Haltestellen und Bahnhöfen das gleiche Bild: Zusätzlich zu den 101 Vorfällen auf U-Bahnhöfen gab es 42 auf Bahnhöfen der S- und Regionalbahnen, 26 an Bushaltestellen und 13 an Haltestellen der Straßenbahn. Die meisten der Sexualdelikte fanden zwischen 14 und 15 Uhr und zwischen 19 und 21 Uhr statt.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ließen sich vom Konzept der Frauenabteile noch nicht überzeugen: „Im Hinblick auf die Einführung von Frauen- oder FLINTA*-Abteilen in U-Bahnen wird darauf hingewiesen, dass bereits mit der Inbetriebnahme der Großprofil-Baureihe H die U-Bahnzüge der BVG über die komplette Länge durchgehend begehbar sind.“
Antje Kapek, Grünen-Abgeordnete
Stattdessen will die BVG den Einsatz von Kameras an Bahnhöfen und in Zügen erhöhen. Dass das Erfolg haben wird, bezweifelt Antje Kapek. „Mehr Kameras an Bus- und Bahnsteigen verhindern keine Straftaten und Übergriffe. Ihre Effektivität im Vorbeugen und Verfolgen von sexualisierter Gewalt ist sehr gering“, so die Grünen-Abgeordnete.
Laut der Deutschen Bahn (DB), die für den Betrieb der S- und Regionalbahnen verantwortlich ist, überwacht die Bundespolizei 28 S-Bahnhöfe mit Video. An 88 weiteren Bahnhöfen hat die DB selbst Kameras aufgestellt. 91 Prozent der Wagen seien zudem mit einer Videoüberwachung ausgestattet, und seit dem 1. Juni 2026 seien mobile Teams aus Reinigungs- und Sicherheitskräften im Einsatz. „In den Zügen können Fahrgäste außerdem über die Sprechstelle im Notfall einen Hilferuf absetzen“, so ein DB-Sprecher.
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