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50 Jahre Galerie NordenhakeWas Farbe kann und Malerei eigentlich ist

Mit einer großen Gruppenausstellung feiert die Galerie Nordenhake ihren 50. Geburtstag. In Berlin zieht sie bald schon von Kreuzberg nach Charlottenburg.

Ist das nun ein gutes Bild für die Galerie Nordenhake, die gerade unter anderem in Berlin ihr 50-jähriges Bestehen feiert, oder eher nicht? In der Ecke, gleich da, wo man die Ausstellungsräume betritt, steht eine Akustikgitarre. Oder besser gesagt, das, was noch von dieser übrig ist: zerbrochenes Tonholz, zerfledderte Saiten, löchriges Griffbrett und all das wieder notdürftig zusammengeklebt. Was mit dem Instrument geschehen ist, verrät eine Videoarbeit schräg gegenüber vor dem Fenster. Darin zu sehen: die Künstlerin Sofia Hultén, wie sie mit der Gitarre auf Wand und Boden eines leeren weißen Raums eindrischt, sie zusammenbastelt und wieder von vorn beginnt, siebenmal insgesamt.

„Fuck it up and start again“, der Titel der Arbeit erklärt sich von selbst, das Prinzip Trial-and-Error, das kreative Potenzial, das mitunter Zerstörung mit sich bringt. Auch beim Gründen und Etablieren einer Galerie ist dieses anzuwenden, wurde zweifellos auch angewendet bei Nordenhake. Nur so zusammengeflickt wie die Gitarre von Hultén erscheint heute dort nichts mehr.

1976 hatte Claes Nordenhake, Autodidakt im Kunstmarktbusiness, seine Galerie im schwedischen Malmö gegründet, zog Mitte der 1980er dort nach Stockholm um. 2000 kam Berlin als zweiter Standort dazu, wohin es ihn seit einiger Zeit schon immer öfter gezogen hatte und er sich einen Platz im Gefüge sicherte, dieses bis heute auch mitgestaltet hat. 2005 gehörte Nordenhake mit zum Gründungskreis des Gallery Weekends. Seit 2017 gibt es außerdem einen Standort in Mexico City. Auch die Ausstellung zieht sich über alle drei Galerien, die gleichberechtigt operieren, mit Schwerpunkt jeweils auch auf lokalen Künstler:innen. In Berlin zählen zu denen etwa der Fotograf Michael Schmidt, die Malerin Sophie Reinhold oder auch die 1972 in Stockholm geborene Sofia Hultén.

Die Ausstellung

„Galerie Nordenhake Stockholm, Berlin, Mexico City, 50 Years“: Galerie Nordenhake, Berlin. Bis 29. August.

Auch Arbeiten gibt es in der Gruppenausstellung zu sehen, die mit der Geschichte der Galerie zu tun haben. Mit der Berliner Geschichte: 2005, noch in den Galerieräumen in der Zimmerstraße, hatte Spencer Finch diese in die Farbe Preußischblau getaucht, einmal mit Pigment, einmal mit farbigem Licht. In der Ausstellung jetzt zitiert er die Installation im Box-Format.

Überhaupt die Erforschung dessen, was Farbe kann oder was Malerei eigentlich ist. Immer schon zentral war die im Galerieprogramm. Darauf verweisen unter anderem Arbeiten wie „Gul“ des US-Amerikaners Joseph Marioni aus dem Jahr 1981, auf dem sich die Acrylfarbe so dick glänzend über die Leinwand schichtet, mehr Körper aus Farbe als Bild, Farbe, die in Tropfen von der Oberfläche abzuperlen scheint, als wäre es in der Sonne schmelzendes Mangosorbet. Oder „Alizarin Crimson“ der ebenfalls US-amerikanischen Malerin Marcia Hafif, die ihre eigenen Farben anmixt, eben jenen bläulich-roten Ton in diesem Fall, ein monochromes Gemälde aus 1983, das erstmals zu sehen war im selben Jahr in der Galerie, damals noch in Malmö.

Die erste Galerie, die einzog

Die Ausstellung feiert fünf Jahrzehnte der Galerie und markiert, was den Berliner Teil betrifft, gleichzeitig den Beginn eines neuen Kapitels. Nordenhake verlässt Kreuzberg, zieht nach Charlottenburg. Fast 20 Jahre war Nordenhake an den bald ehemaligen Räumen in der Lindenstraße. Der Galerist hatte das Gebäude, gebaut 1912/13 für das „Kaufhaus Merkur“, danach bis 1938 die Zentrale der Lufthansa, und noch später lange leerstehend Anfang der 00er Jahre zusammen mit einem schwedischen Sammler gekauft, galeriengerecht renovieren lassen (und vor ein paar Jahren wieder verkauft). 2007 war seine Galerie die erste, die einzog und mit der Aussicht auf Synergieeffekte andere anlockte.

Eine Zeit gab es, da war jeder Raum dort von Galerien belegt. Lange her erscheint das heute, wo es zwar rund um den Checkpoint Charlie noch wichtige Galerien gibt, Carlier Gebauer und Barbara Thumm in der nahegelegenen Markgrafenstraße etwa oder seit ein paar Jahren die Berliner Dependance der Münchner Galerie Max Goelitz in der Rudi-Dutschke-Straße, doch wo die Hotspots längst anderswo zu verorten sind. Weiter geht es für Nordenhake ab Semptember dann in der Goethestraße, in jener ehemaligen Post-Schalterhalle, die bis vor kurzem noch die Galerie Max Hetzler bespielte.

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