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Peter-Maffay-Konzert in RegensburgTabaluga bei der Rechten

Patrick Guyton

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Patrick Guyton

Peter Maffay gibt sein vorerst letztes Konzert bei den Festspielen von Gloria von Thurn und Taxis. Und die Fans? Beklagen nur die hohen Ticketpreise.

I st es Normalität für den Musiker Peter Maffay, ein Konzert zu geben? Ganz sicher. Ist es Normalität für ihn, ein Konzert in Regensburg bei den Schlossfestspielen zu geben, wo Gloria von Thurn und Taxis das Sagen hat? Ganz sicher nicht. Ist es normal für Fans, eine Show von Peter Maffay zu besuchen? Aber ja. Doch ist es normal, auf ein Konzert zu gehen, dessen Hausherrin von Thurn und Taxis seit vielen Jahren unverhohlen mit Rechtsextremismus kokettiert? Die Rechtsextremen Plattformen und Möglichkeiten für Vernetzungsarbeit bietet? Und die womöglich selbst eine solche ist? Das sollte nicht normal sein. Ist es aber.

Gloria von Thurn und Taxis. Es ist seine angeblich letzte Tour, und das ist das angeblich letzte Konzert dieser Tour, die unter dem Titel „Love Places“ stand – Orte der Liebe. Wie geschichtsvergessen und wie abgestumpft kann man als Peter Maffay sein? Auf dem Werbeplakat posiert er als harter Rocker, arbeitet an der E-Gitarre, die durchtrainierten Oberarme weitestgehend tätowiert. Große Silberkette, Ohrring, alles da.

Bei den Schlossfestspielen im letzten Jahr hatte es zumindest einen kleinen Akt des Widerstands gegen die äußerst rechte Gloria von Thurn und Taxis gegeben: Die Sängerin Vicky Leandros erfuhr erst kurz vor ihrem Auftritt, dass die Chefin ihre Freundin Alice Weidel dazu eingeladen hatte. Leandros sagte daraufhin: Weidel ist bei ihrem Konzert nicht willkommen. Während draußen demonstriert wurde, verbrachte die AfD-Chefin den Abend dann mit ihrer Freundin in privaten Räumen des Schlosses. Dieses hat weit mehr als 500 Räume.

Ein kurzer Abriss über gezielte Entgleisungen, Beleidigungen und das Freundesumfeld der von Thurn und Taxis, in einer Anfrage der taz an Maffay wurde das auch so vorgebracht: 2001 sagte sie im Fernsehen über die Ausbreitung der Aids-Epidemie in Afrika: „Der Schwarze schnackselt gerne.“ Mit der gleichgeschlechtlichen Ehe herrsche eine Zeitperiode, in der der „Teufel fröhliche Urständ“ zu feiern scheine, das war 2018. Gegen Schwulsein helfe wohl „nur beten“. Auf einer von der AfD-Politikerin Beatrix von Storch organisierten Demo hielt sie eine Rede. Sie hatte Kontakte zum US-Rechtsradikalen Steve Bannon.

Der AfD-Politiker Maximilian Krah – eine Zeit lang sogar seiner Partei zu rechtsradikal – war bei ihr und bei den Schlossfestspielen. Von Thurn und Taxis nannte ihn sinngemäß einen hochintelligenten, inspirierenden Gesprächspartner. Auf Schloss Emmeram empfing sie rechte Netzwerker, welche später am „Potsdamer Treffen“ teilnahmen.

Verharmlost als Punk-Nudel

Radikal rechts, erzkatholisch, rassistisch – so ist sie. Lange Zeit wurde und wird teils weiterhin in Regensburg ein völlig verharmlosendes Bild gezeichnet: einst wilde Punk-Nudel, Exzentrikerin, die jetzt ein bisschen auf Abwege geraten ist.

Peter Maffay gibt sich in seiner Antwort schmallippig. Er schreibt: „Grundsätzlich und vorweg: Wir spielen in Regensburg – wie andere Acts auch – für unser Publikum und nicht für Frau von Thurn und Taxis.“ Sollten ihre Äußerungen so gefallen sein, „distanzieren wir uns davon entschieden“. Man lehne „jegliche menschenverachtende Diskriminierung, völkische Gesinnung, jeglichen Rassismus und jede antidemokratische Äußerung mit Nachdruck ab“. Aber das Konzert sei öffentlich, somit könne jeder kommen. Und was macht Peter Maffay, wenn als Gäste plötzlich Björn Höcke oder Maximilian Krah auftauchen? Darauf gibt er keine Antwort.

Die Regensburger Initiativen etwa gegen rechts, für eine lebenswerte Stadt oder vom DGB teilen auf Anfrage allesamt mit, dass sie den Auftritt verurteilen sowie auch alle anderen auf dem Schloss. Aber dass sie auch keine Aktionen wie etwa Demos planen. Das ist das Beschämende, das Gefährliche daran: Rechtsextremismus und das Spiel damit haben in dieser schönsten bayerischen Stadt den Rang des Normalen erreicht.

BMW und auch das Regensburger Autohaus „Stern-Center“, ein Vertragspartner von Mercedes Benz, haben ihr Sponsoring der Festspiele gestoppt. Als global aufgestellte Unternehmen wissen sie, dass Völkisch-Rechtes dem Geschäft schadet. Übrig geblieben als Financiers sind noch eine Designfirma für Haus und Garten sowie ein Münchner Vermieter von großen Kränen.

Die deutsche Automobilindustrie also hat da bessere Sensoren als Peter Maffay. Und als sein Publikum. Dieses klagt im Internet über die hohen Ticketpreise, derzeit gibt es nur noch die teuerste Kategorie für 249 Euro pro Karte. Von Thurn und Taxis aber ist kein Thema.

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Patrick Guyton

Patrick Guyton Autor

Lebt in München, schreibt über mögliche und unmögliche bayerische Begebenheiten. Jahrgang 1967, aufgewachsen im Stuttgarter Raum. Studierte in München und wurde dort zum Journalisten ausgebildet. Es folgten viele Jahre als Redakteur in Ulm, zuständig für Politik und Reportagen. Nun frei atmend und frei arbeitend in der Bayern-Metropole.
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10 Kommentare

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  • Wie herrlich unpolitisch das Leben doch im Regensburger Schlosshof sein kann! Da rockt Peter Maffay für Toleranz und Frieden, während die Gastgeberin Gloria von Thurn und Taxis im Hintergrund fröhlich an der Normalisierung rechtsradikaler Narrative bastelt und mit reaktionären Verschwörungsmythen liebäugelt. Aber hey, über solche geschmacklichen „Nuancen“ sieht man als Alt-Rocker und Publikum natürlich gerne hinweg, wenn das Ambiente so schön feudal ist.



    ​Es hat eine tiefgreifende Ironie: Man kauft sich ein Ticket für die moralische Wohlfühlzone, schunkelt zu Liedern über Brücken und Menschlichkeit, während das Eintrittsgeld direkt in ein Haus fließt, das der extremen Rechten seit Jahren den roten Teppich ausrollt. So funktioniert der moderne Kuschel-Antifaschismus: Lautstark Flagge zeigen, solange es die Gage nicht gefährdet. Ein grandioser Abend für die Doppelmoral – Maffay liefert den Soundtrack zur bürgerlichen Ignoranz, und die Fürstin kichert sich ins Fäustchen.

    • @amigo:

      Über diese Brücke wirst du geh'n,



      den Faschismus gerne überseh'n,



      denn Hauptsache ist, die Kohle stimmt,



      scheiß drauf, wenn der Nazi übernimmt!

      Peter, ich hatte mehr Haltung von dir erhofft 😢

  • Er ist alt und braucht das Geld. Da muss die gefühlte Überzeugung schonmal zurückstehen.

  • Die Sippe der Thurn und Taxis muss vorausschauend agieren und sich mit den künftigen Regierungsparteien schon mal gut stellen, zumal in diesem Fall die Gesinnung durchaus übereinstimmt. Das kennt man von denen und anderen "Adligen" doch schon aus der Vergangenheit. Und Maffay? Der surft irgendwie mit, macht sich (bewusst??) keine Gedanken und kassiert sein Honorar - so wie sehr viele von uns.

  • Mit der gleichgeschlechtlichen Ehe herrsche eine Zeitperiode, in der der „Teufel fröhliche Urständ“ zu feiern scheine.



    Stimmt - gerade in ihrem Schloss, als ihr Mann noch lebte, war der besonders häufig zu Gast.

    • @Il_Leopardo:

      Und mit der Einladung und Kaffeeplausch mit Alice ist er sogar ins Schloss eingekehrt.

  • Gloria wurde damals von den Medien (wohl unzutreffend) als kleinadlige Nina Hagen gehypt. Sie heiratete den sehr alten T&T, mutterte, musste das Riesenvermögen nach dem Tod des Alten Herren in den Griff bekommen, brachte dann die reaktionären Sprüche/Methoden, die vielleicht ihre Eltern, ihre Entourage als völlig normal empfanden.

    Mensch kann bedauern, dass 1918 oder 1945 die T&Ts nicht konsequent enteignet wurden. Bernt Engelmann hat da einiges mal zusammengetragen. Meinungsfreiheit gilt jedoch auch für Reaktionärkatholikens. Pauschale Schubladen mögen wir doch auch nicht, oder? (Da gibt es zugleich die bekannten Grenzen im Konkreten bei Wort und Tat, gewiss).



    Leandros' Lösung war eine, oder wenn Maffay auf der Bühne Hinweise einfließen ließe, dass auch sehr konservativ mit offen für andere Menschen zusammengehen kann.

  • Was erwartet man denn von einem Schlagersänger und Rockerdarsteller? Es geht um die letzte Runde Geld verdienen,. das ist alles was zählt.

  • Will er sich auf seine alten Tage noch seinen Ruf vom "ehrlichen Rocker" versauen?



    Mit diesem Auftritt klappt es!

  • als Regensburger: der Schlosspark alleine für den Fürsten ist zweimal so groß wie der Stadtpark daneben, für die restlichen 150.000 Diener des Volkes.



    Kaum Steuern zahlen, transparent wie ein universe of plumbum…aber mind. 80% der Bevölkerung, über 50 würde ich ansetzen/behaupten: würden sofort niederknien und einen Ring suchen, um seine Verehrung würdig auszudrücken.



    Daß jede Mindestlöhnerin mehr Prozente seines Monatslohnes für den Staat, soziales usw. ausgibt, wie diese Familien können das nicht verstehen, denn die Lohnabrechnungen sehen aus wie Quantenberechnungen.



    Daher bleibt es dabei: Menschen, die kaum von ihrer Arbeit leben können, träumen davon, morgen über so ein Vermögen zu verfügen.

    Um dann was? Was tut der Fürst? Muss er jeden Tag durch 500 Räume laufen? Wofür braucht er das alles? Staubsaugen?

    Wir haben kein Recht auf Wohnen, aber T&T hat ein staatlich anerkanntes und verbrieftes Recht, daß man 150.000 Menschen einfach im Weg steht.



    Menschen hier sind sogar STOLZ über ein Fürstenhaus …danebenzuwohnen…is ja ein Kracher in jeder Urlaubskneipe in Italien: ich wohne mit der Fürstin in einer Stadt, nutze mit ihr den gleichen Kanal. PS: für GEZ zahlt sie auch keine 100€