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Anschlag in MonacoExplosion mit vielen Fragezeichen

Bei der Detonation eines Sprengsatzes werden drei Menschen verletzt – darunter auch der ukrainische Oligarch Wadim Jermolajew. Der Täter ist flüchtig.

Aus Kyjiw

Bernhard Clasen

Im Fürstentum Monaco herrscht Entsetzen. Am Dienstag wurden drei Menschen, ein Mann, eine Frau und ein 13-jähriger Junge, von einem Sprengsatz zum Teil schwer verletzt. Besonders hart traf es die Frau. Ihr wurden Stunden nach dem Anschlag an beiden Beinen die Unterschenkel amputiert.

Fürst Albert II. von Monaco, der sich zum Zeitpunkt der Explosion in Deutschland aufhielt, kündigte noch am selben Abend an, wegen der Explosion in sein Land zurückzukehren. Der Ministerpräsident von Monaco, Christoph Mirman, bezeichnete die Tat als den ersten Fall in der Geschichte des Fürstentums. Seinen Angaben zufolge habe der Sprengsatz vermutlich Schrauben und Schrott enthalten.

Offensichtlich war der Mann Ziel des Anschlages: Wadim Jermolajew (58), ein ukrainischer Oligarch und einer der reichsten Männer der Ukraine. Eigenen Angaben zufolge hat Jermolajew 2017 die ukrainische Staatsangehörigkeit abgegeben. Fortan war er nur Staatsbürger von Zypern.

Gleichwohl machten sich sofort nach Bekanntwerden des Anschlages ukrainische Diplomaten von Paris aus auf den Weg zum Tatort in Monaco. Am Dienstag erklärte der Generalstaatsanwalt von Monaco, Stéphane Thibault, dass die Strafverfolgungsbehörden nach dem bislang nicht identifizierten Attentäter fahndeten. Der Täter, von dem bisher jede Spur fehlt und der offenbar zu Fuß geflohen war, hatte eine mit Sprengstoff gefüllte Tasche an dem Wohnhaus deponiert, kurz bevor das Paar und das Kind eintrafen.

Auf der Forbes-Liste

Wadim Jermolajew ist einer der reichsten Unternehmer in Dnipro. Er gründete den Konzern Alef und war als Bauträger für eine Reihe von Wahrzeichen der Stadt verantwortlich, darunter Most-City, Cascade Plaza, Prisma, Bosporus und andere.

Immer wieder stand er auf der Forbes-Liste der reichsten Ukrainer. Im Dezember 2023 verhängte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Sanktionen gegen Jermolajew, weil dieser sein Geschäft über Strohmänner auf der Krim neu und in Übereinstimmung mit russischen Vorschriften registriert und über Jahre Steuern an Russland gezahlt haben soll.

Jermolajew weist die Vorwürfe zurück. Er habe keine Kontakte zu den russischen Besatzungsbehörden gehabt und keine Vermögenswerte in Russland besessen. Seine Investitionen auf der Krim stammten aus der Zeit vor der Annexion. Außerdem, so argumentiert er, habe er durch den Krieg erhebliche Verluste erlitten.

2022 sei sein Privatflugzeug bei einem russischen Raketenangriff auf den Flughafen Dnipro zerstört worden. In Melitopol und Cherson seien Lager mit Landmaschinen und Ersatzteilen im Wert von etwa 15 Millionen Euro sowie 175 Güterwaggons im Wert von rund 8 Millionen Euro von den Russen geplündert worden. Mehrere Quellen der französischen Zeitung Le Figaro behaupten, die Ermittler würden eine Beteiligung des ukrainischen Geheimdienstes (SBU) als wahrscheinlichste Spur prüfen.

Illegale Callcenter

Dnipro gilt in der Ukraine als Zentrum der „Offices“. Unter „Office“ versteht man in der Ukraine illegale Callcenter. Von diesen werden ahnungslose Rentner um ihre Ersparnisse gebracht, indem sie – angeblich im Auftrag der Hausbank – angerufen werden. Gut möglich also, dass hier mafiöse Strukturen einen Machtkampf ausgefochten haben.

Für diese These spricht auch, dass 2025 auf Zypern Jermolajews Sohn Artur auf Antrag von Interpol festgenommen und anschließend nach Estland ausgeliefert worden war. Ein Gericht in Estland hatte ihn für schuldig befunden, eine transnationale Betrugsorganisation geleitet zu haben. Diese Gruppe soll zwischen 2019 und 2022 europaweit Betrugsdelikte begangen und dabei rund 100 Millionen Euro erbeutet haben.

Unterdessen berichtet das Nachrichtenportal [Link auf https://www.nicematin.com/faits-divers/explosion-a-monaco/explosion-a-monaco-assassinat-politique-ou-reglement-de-comptes-entre-hommes-d-affaires-voyous-10687363]Nice Matin unter Berufung auf Claude Moniquet, ehemaliger Agent des französischen Auslandsnachrichtendienstes DGSE, dass Jermolajew in den vergangenen Wochen erwogen habe, im Europäischen Parlament Korruption in seinem Heimatland anzuprangern. „Gut möglich“, so der Ex-Geheimdienstler, „dass dies als Provokation aufgefasst wurde.“

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