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KPÖ-Wahlsieg in GrazEine glaubwürdige linke Alternative

Florian Bayer

Kommentar von

Florian Bayer

Der fulminante Wahlsieg der KPÖ und ihrer Bürgermeisterin Elke Kahr in Graz lässt viele Linke hoffen. Doch die Stadt ist ein Sonderfall.

G raz ist anders. Das zeigt der fulminante Wahlsieg Elke Kahrs am Sonntag in Österreichs zweitgrößter Stadt. Die amtierende Bürgermeisterin baute die knapp 29 Prozent ihrer Kommunistischen Partei (KPÖ) auf über 35 Prozent aus.

Das lag zum Großteil an Kahr selbst, die ihr Amt von Anfang an auch sozialarbeiterisch anlegte. In regelmäßigen Bürgersprechstunden steht sie mit Rat und Tat zur Seite, ob bei der Wohnungssuche oder Hilfe in einer Notlage. Ihr Gehalt kürzte sie auf das eines Facharbeiters zusammen, den Rest spendete sie. Politisch setzte sich Kahr für den Bau Hunderter Sozialwohnungen, einen grüneren Stadtraum und die Absicherung von Sozialeinrichtungen ein. All das wurde belohnt.

Kahr widerlegt damit die These, dass Amtsinhaber beinahe zwangsläufig abgestraft werden. Im Gegenteil: Eine soziale, bürgernahe und nicht allzu ideologische Politik wird gestärkt. Das ist zugegebenermaßen in einer 310.000-Einwohner-Stadt leichter als auf Landes- oder gar Bundesebene. Und doch kann man sich in der ein oder anderen Parteizentrale eine Scheibe davon abschneiden.

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Klar ist aber auch: Graz ist und bleibt ein Sonderfall; ein dunkelroter Leuchtturm in der von der rechtsextremen FPÖ regierten Steiermark. Zwar gelang der KPÖ mit ähnlichem Rezept und knapp zwölf Prozent auch in Salzburg der Einzug in den Landtag. Doch bundesweit (2,4 Prozent) und selbst im linken Wien (4,1 Prozent) scheiterte sie am Einzug in den Nationalrat beziehungsweise Landtag. Im Parlament waren sie nur zwischen 1945 und 1959 vertreten.

Wohl nur ein kleiner Teil von Kahrs Wählern würde sich als Kommunisten bezeichnen. Die meisten stimmten für ihre konkrete Politik, nicht die Ideologie. Dass die KPÖ trotzdem an ihrem Namen festhält, liegt an ihren antifaschistischen Verdiensten während der NS-Zeit, die sie weiter hochhält. Doch schon das K-Wort schreckt manche ab. Erst recht das fragwürdige Verhältnis mancher KPÖ-Vertreter zu autoritären Regimen und insbesondere Russland, das in Teilen bis heute anhält.

Graz zeigt jedoch, dass Rechtsextreme kein Monopol auf Proteststimmen haben: Viele sind von Grünen und Sozialdemokraten enttäuscht, die angesichts von Rekordinflation und Einsparungen zu wenig soziales Engagement vermitteln. Das Modell Kahr macht deutlich, dass es eine glaubwürdige linke Alternative geben kann – nicht nur in Österreich.

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Florian Bayer

Florian Bayer Korrespondent Wien

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7 Kommentare

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  • Ich kann mich erinnern, als Stefan Mappus von Kretschmann hier in Stuttgart beerbt wurde und regelmäßig Bürgersprechstunden auf dem Marktplatz stattfanden. Die ganze Geschichte ging ein paar Monate und danach war Sense.

    Tolle Frau, die Frau Kahr, insbesondere ihre sozialpolitische Agenda als auch ihr Handeln. Ist mir hier Deutschland noch nicht begegnet. Das Label Kommunismus ist wohl eher hinderlich und auch nicht nachvollziehbar. Als ob es Ideologie für zutiefst menschliches Handeln bräuchte,

  • Chapeau für Elke Kahr. Die Wiederwahl hat mich riesig gefreut. Sozialarbeiterische Bürgermeisterin ?! - gefällt mir. Gefällt mir besser als einer, der Tennis spielen geht in .....

  • Ein paar ergänzende Anmerkungen: Elke Kahr hat gewonnen, weil sie eine großartige und überaus engagierte Bürgermeisterin ist. Selbst der ÖVP - Gegenkandidat hat auch nette Sachen über sie gesagt.



    Allerdings haben die Koalitionspartner Geüne und SPÖ nahezu in dem Ausmaß verloren, in dem die KPÖ hinzugewonnen hat. Die SPÖ - Spitzenkandidatin hatte unmittelbar vor der Wahl die Fortführung der Koalition in Frage gestellt.



    Die KPÖ Graz ist nicht mit der in Wien (historisch: "Rote Fini" und andere Lumineszenen) und schon gar nicht mit der Linken in der Bundesrepublik vergleichbar, was auch mit der fokussierten Realpolitik in Graz zu tun hat.

  • "Doch die Stadt ist ein Sonderfall."

    Damit ist eigentlich alles gesagt. Und, nein: Dieses Ereignis lässt sich nicht auf Berlin oder eine andere deutsche Stadt übertragen. Oder eine entsprechende Taktik davon ableiten. Die Fortschreibung dieser Erfolgsgeschichte ist im Persononal begründet. Dazu bedarf es, wie im Artikel beschrieben, einer langjährig verlässlich betriebenen, realistischen Politik, der die Menschen vertrauen können.

    • @Josef 123:

      Hä? Das ist doch aber die Taktik. Einfach mal gute Arbeit machen und dabei auch wahrgenommen werden. Schade, dass das generell die Ausnahme ist.

      Demokratie funktioniert aus purem Eigennutz der Beteiligten nicht so richtig. Würden gewählte Volksvertreter leistungsgerecht bezahlt (das wäre bei den meisten heute wohl im Bereich der Sozialhilfe) und wären für ihr Handeln zur Verantwortung zu ziehen, dann könnte sich etwas zum Besseren ändern. Ist natürlich Utopie. Die Menschheit taugt einfach nichts. Wenn es einen Gott gibt, ist sie der Beweis seiner Fehlbarkeit.

  • "Erst recht das fragwürdige Verhältnis mancher KPÖ-Vertreter zu autoritären Regimen und insbesondere Russland, das in Teilen bis heute anhält."

    Fragwürdige Verhältnisse zu autoritären Regimen und insbesondere Russland sind in der Österreichischen Politik doch die Norm.

    • @pumble:

      Da braucht man ja nur bei uns schauen. Ein fragwürdiges Verhältnis zu den USA z.B. ist doch auch in Deutschland normal.