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Queerfeindliche Ministerin Karin PrienZur fanatischen Kulturkämpferin mutiert

Gastkommentar von

Micha Schulze

Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit ausgehebelt, Queerreferat umbenannt, Queerprojekte eingedampft: Bildungsministerin Karin Prien führt einen homophoben Kulturkampf.

Im Vergleich mit Prien wirkt selbst Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wie ein harmloser Debütant Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

M it Friedrich Merz statt mit Daniel Günther am Kabinettstisch zu sitzen, ist offenbar kein guter Einfluss. 2023 rief Karin Prien, damals Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, ihre Partei noch zur Mäßigung in der Debatte um ein Genderverbot auf. Lieber als einen Kulturkampf sähe sie „Angebote“ durch die CDU. Zum Beispiel in der Migrationspolitik und beim Thema Heizen.

Drei Jahre später ist die vermeintliche Liberale als Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend selbst zur fanatischen Kulturkämpferin geworden. Im Vergleich mit Prien wirkt selbst Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wie ein harmloser Debütant. Nur ist das kaum Thema, weil der Feldzug der Ministerin im Namen von Mehrheit und Mitte vor allem die queere Community trifft.

Bild: privat
Micha Schulze

Der geborene Westberliner mit Wahlheimat Bangkok arbeitet seit über 30 Jahren in queeren Medien, unter anderem als Redakteur der Siegessäule, Verleger der Rosa Zone, Herausgeber der Zeitung Queer und seit 2004 als Herausgeber und Geschäftsführer von queer.de. In den 1990er Jahren schrieb er auch regelmäßig für die taz.

Priens Kampfkurs im Schnelldurchlauf: Das Gendersternchen wird als eine der ersten Amtshandlungen verboten. Der von der Ampel gestartete Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit landet im Papierkorb. Mit dem Kahlschlag bei „Demokratie leben“ droht auch wichtigen LGBTI-Projekten das Aus. „Vielfalt ist kein staatliches Förderziel“, findet Prien. Sophie Koch, die in ihrem Haus angesiedelte Queerbeauftragte, wird wegen eines Posts gegen Transfeindlichkeit via Bild abgekanzelt. Der Begriff „Queerpolitik“ wird aus dem Titel des zuständigen Referats gestrichen.

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Karin Priens Queer-Allergie, ihre ideologische Verbissenheit, ihr Kampf selbst gegen Worte haben mit sachlicher Politik nichts mehr zu tun. Getrieben von LGBTI-feindlichen Rechtsaußen-Medien, setzt ausgerechnet die Bundesministerin, die sich qua Amt für Vielfalt und gegen Diskriminierung einsetzen sollte, auf Ausgrenzung statt Inklusion, auf Ressentiments statt Akzeptanz, auf Konfrontation statt Annäherung. Und vergisst, dass der Umgang mit Minderheiten ein wesentlicher Gradmesser für die Qualität einer Demokratie ist.

Die Begründung der Ministerin ist scheinheilig. Prien erklärt ihr Handeln, „künftig stärker die Menschen in der Mitte“ zu erreichen. Genau das ist das Problem: Mit dieser Argumentation macht sie queere Menschen zu Randständigen, die nicht Teil der Gesellschaft und der Mitte sind. Das ist in Zeiten, in denen queerfeindliche Gewalt zunimmt, hochgefährlich.

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5 Kommentare

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  • Karin Prien ist zur Gefahr für die Demokratie und unser menschliches Miteinander geworden. Sie nutzt jede Möglichkeit, queerem Leben die organisatorische Grundlage zu entziehen. Der größte Angriff ist jetzt der der Entziehung von Fördergeldern, womit es jetzt seit dem Treffen Homolu gewachsenen Strukturen wie dem überregionalen queeren Tagungshaus Waldschlößchen an die Existenz geht. Queeres Leben wird direkt angegriffen, in dem Merz noch im Wahlkampf ankündigt, verfassungswidrig das geschlechtliche Selbstbestimmungsgesetz abzuschaffen. Diese Ankündigung war der direkte Angriff auf unsere Demokratie als Gesellschaftsordnung. So habe ich gleich die Ankündigung erschrocken erkannt. Und genau ab dieser Ankündigung begann wie auf Knopfdruck die Verrohung einer vorher noch an den Werten des Grundgesetzes orientierten Gesellschaft. Merz liefert weiter das Zündholz, in dem er den Bundestag zum Zirkuszelt erklärt. Die Bundestagspräsidentin führt weiter aus, in dem sie die Hissung der Regenbogenflagge zum CSD verbietet und Razien nach ihr im Bundestag führt. Es ist noch Vieles mehr erfolgt und soll folgen. Prien ist dabei am praktischsten im Kampf gegen das Grundrecht auf queeres Leben.

  • Im Grunde würde man solch eine Haltung bei Rechtsradikalen vermuten, aber leider, leider, sind CDU/CSU insgesamt nach rechts gerutscht und es wundert uns nicht, dass ein AFD-Verbot für diese Christdemokraten nicht in Frage kommt, sie sind ja selbst schon auf Kurs. Willkommen in den 50zigern. Wiederholt sich also demnächst das Aufbegehren einer Studentenbewegung? Sehr wahrscheinlich nicht. Durch die Macht der sozialen Medien hat sich der brainroot schon bei Zuvielen manifestiert.

  • Die eigentliche Frage ist doch, weshalb "Queer" überhaupt im Ministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend angesiedelt worden ist. Das Thema gehört doch eher zu Inneres oder wegen meiner auch ins Kanzleramt (ebenso wie "Demokratieprojekte").

  • Mutiert? Na ja, Prien ist cdU. Und sie wäre in kein Ministeramt ferufen worden, wenn sie nicht ticken würde wie der Rest der führenden Schicht der cdU/csU: Merz, Dobrindt, Spahn, Frei, Söder etc. Allesamt unterschiedlich stark auf dem Weg aus der Demokratie.

    Menschenrechte längst über Bord geworfen. Die Geflüchteten/MigratentInnen zuerst, inzwischen geht es gegen Menschen mit Behinderung (Inklusion), jetzt gegen queere Menschen. Jeder, der am Grundgesetz hängt, ist schon als linksradikal markiert. An welche Aufzählung von Feinden ihrer Ideologie erinnert das nur?

    Der Rechtsstaat war für cdU/csU schon immer nur da akzeptabel, wo er ihnen gedient hat. Siehe die Aktionen von Dobrindt oder die Verachtung demokratischer Gepflogenheiten wie der Verfassungsrichterwahl.

    Wer nochmal auseinandergesetzt haben möchte, wie es inzwischen hier aussieht, schaue sich die letzte Folge von ZDF Royal an:



    youtu.be/UD6rrMJLihM

  • Demokratie: Sie reagiert auf gesellschaftliche Gegenbewegungen, die auch durch die Art entstanden sind, wie queere Politik in den vergangenen Jahren geführt wurde. Genau darin liegt für mich das eigentliche Problem. Die starke moralische Aufladung, die permanente identitätspolitische Zuspitzung und ein erheblicher Mitteleinsatz haben in Teilen der Bevölkerung massive Aversionen erzeugt und rechten Kräften ein ideales Polarisierungsfeld geliefert. Hinzu kommen Szeneakteure, die längst weniger an gesellschaftlicher Verständigung interessiert scheinen als am eigenen Erhaltungswillen und deshalb immer lauter marodieren.

    Wir müssen nur in die USA schauen, wohin eine solche Dynamik führt: in eine binäre Gesellschaftsordnung aus Zugehörigkeit oder Feindschaft, in kulturelle Dauererregung und politische Radikalisierung an den Rändern. Wenn wir als Linke daraus nichts lernen, werden wir selbst zum Schadpotenzial für die Anliegen, die wir eigentlich verteidigen wollten.