„Verhandlungen“ zwischen USA und Iran: Vage Diplomatie, konkreter Militäraufmarsch
Die US-Regierung behauptet weiterhin, Iran habe großes Interesse an einem Deal. Iran dementiert. Die USA schicken Fallschirmjägertruppen.
Zwei Tage ist es her, dass US-Präsident Donald Trump sein an den Iran gerichtetes Ultimatum zur Freigabe der Straße von Hormus im Angesicht „sehr guter Gespräche“ vorerst ausgesetzt hat. Aber noch immer ist unklar, ob diese Gespräche zwischen den USA und Iran tatsächlich stattfinden, wer sie führt und ob sie tatsächlich den Erfolg haben, den Trump am Montag gegenüber der Presse verkündet hat.
Iran zumindest blieb bei seiner Position, solche Gespräche gäbe es nicht, die USA verhandelten wohl mit sich selbst, wie es ein iranischer Militärsprecher am Dienstag ausdrückte. Auch Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf, den internationale Medien als vermutlichen iranischen Verhandlungsführer ausgemacht hatten, schrieb auf X, es habe keinerlei Verhandlungen gegeben.
Am Dienstagabend wollen die USA mithilfe pakistanischer Vermittlung dem Iran einen 15-Punkte-Plan übermittelt haben. Worin genau diese Punkte bestehen, blieb der Öffentlichkeit allerdings verborgen – nach Angaben des Nachrichtensenders CNN sind darunter Forderungen nach einer Begrenzung militärischer Fähigkeiten Irans, der Einstellung der Finanzierung seiner Proxy-Milizen und die Anerkennung des Existenzrechts Israels.
Auch dazu gab es zunächst von iranischer Seite keine Bestätigung – am Mittwochnachmittag allerdings hieß es dann, Iran weise die US-Bedingungen zurück. Es wäre „unlogisch“ für Iran, sich überhaupt auf irgendwelche Vereinbarungen mit jenen einzulassen, die solche in der Vergangenheit immer wieder gebrochen hätten, hieß es im Staatsmedium Fars News.
Weitere Länder bemühen sich um Verhandlungsebene
Auch für die Idee, Pakistan könnte als Ort für Verhandlungen beider Seiten dienen, gibt es keinerlei Bestätigung. „Wenn beide Seiten das wollen, wird Pakistan immer bereit sein, solche Verhandlungen auszurichten“, sagte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums am Montag.
Tatsächlich berichten US-Medien davon, dass einige Länder der Region sich darum bemühen, eine Verhandlungsebene zwischen den Konfliktparteien herzustellen, darunter tatsächlich das sowohl mit den USA als auch mit Iran gut vernetzte Pakistan, außerdem Oman, Ägypten und die Türkei.
Ob aber hinter den Kulissen wirklich bereits tragfähige Gesprächskanäle aufgebaut werden konnten, blieb zunächst völlig unklar. Lediglich der britische Premierminister Keir Starmer bestätigte am späten Montagabend Donald Trumps Aussage, es gebe direkte Gespräche zwischen den USA und Iran: „Wir, das Vereinigte Königreich, wussten, dass das geschah“, sagte er.
Wesentlich nachprüfbarer und realer ist hingegen, dass die USA zuzüglich zu den bereits in der Golfregion operierenden Flugzeugträgerverbänden nunmehr auch rund 2.000 Soldaten der 82. Luftlandedivision in den Golf verlegen. Die Fallschirmjäger sind eine Interventionseinheit, die in den letzten Jahrzehnten an allen militärischen US-Operationen mit Bodentruppeneinsatz beteiligt waren.
Ihre Verlegung spricht dafür, dass ein von Militärexperten in den letzten Tagen mehrfach benanntes Szenario, die US-amerikanische Besetzung der Irans Küste vorgelagerten Insel Charg, weiterhin zu den US-Planungen gehören könnte.
Bisher wurden Ölanlagen verschont
Die Ölanlagen auf der Insel sind strategisch für Irans eigene Ölindustrie – eine Besetzung der Insel, so die Überlegung, könnte den USA ein starkes Druckmittel in die Hand geben, um Iran zur Freigabe der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr zu zwingen. Bislang haben die USA die Insel zwar angegriffen, dabei aber die Ölanlagen verschont.
Ein solches Szenario hatte Iran in seiner ersten Reaktion auf Trumps Ultimatumsaussetzung für fünf Tage bereits am Montag angedeutet: Die USA wollten lediglich Zeit gewinnen, um ihre weiteren militärischen Absichten vorzubereiten.
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