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Verhandlungen zwischen USA und IranDer Mann mit den vielen Gesichtern

Könnte er der Ansprechpartner bei möglichen Verhandlungen über ein Kriegsende sein? Irans Parlamentspräsident Ghalibaf gilt als pragmatisch – und brutal.

Mohammad Bagher Ghalibaf ist im iranischen Volksmund als Mann mit tausend Gesichtern bekannt: Er war Kommandant der Revolutionsgarden, Pilot, Universitätsprofessor, Sicherheitsexperte, Parlamentspräsident – und nun vielleicht bald diplomatischer Unterhändler mit den USA.

Er stehe in Kontakt mit einem „hochrangigen Mann“, einer der „angesehensten“ Personen des Landes, sagte US-Präsident Donald Trump jüngst. Und meinte damit offenbar Ghalibaf. Über mögliche laufende Gespräche zwischen den USA und Iran herrscht zwar weiter Unklarheit: Das iranische Regime dementiert direkte oder indirekte Gespräche mit der Trump-Regierung. Doch laut New York Times sowie israelischen Medien soll Iran via der pakistanischen Regierung ein Plan für das Ende des Krieges unterbreitet worden sein.

Wer ist der Mann, den die USA als potenziellen Gesprächspartner zu betrachten scheinen? Ghalibaf stammt, wie der getötete Oberste Führer Ali Chamenei, aus Maschhad. Darin liegt der Schlüssel seines Aufstiegs. Zum Zeitpunkt der Revolution 1979 war er 17 Jahre alt und schloss sich später zunächst den Basidsch an. Von dieser paramilitärischen Gruppe wechselte er später zu den Revolutionsgarden. Studium oder Beruf kamen damals nicht infrage: Es begann der achtjährige Krieg mit Irak, Ghalibaf ging an die Front. Später führte er Krieg gegen die für ihre Autonomie kämpfenden Kurden im Land.

Bei den Garden machte er schnell Karriere: Schon als Jugendlicher kannte er Ali Chamenei, wich nie von seiner Seite, wurde schließlich einer seiner treuesten Männer für heikle Momente. Auch mit Ali Chameneis Sohn Modschtaba, dem jetzigen Obersten Führer, ist er befreundet. Seine jetzige Stellung als Parlamentspräsident verdankt er dem alten Chamenei.

Ghalibaf ließ Proteste in Iran brutal niederschlagen

In der Bevölkerung ist er berüchtigt: Acht Jahre lang war er Polizeichef Irans. Aus dieser Zeit stammt seine berühmt gewordene „Zangentaktik“, mit der er die großen Studentenproteste von 1999 brutal niederschlug. Nach den Protesten erklärte er im Jahr 2013 öffentlich: „Ich gehörte zu denen, die auf der Straße Schläge austeilten, und darauf bin ich stolz.“

Dass die USA in Ghalibaf wohl trotzdem einen potenziellen Verhandlungspartner erkennen, hat Gründe: Er ist kein Prinzipienreiter, fähig zu vielen Kompromissen – wenn sie seine Stellung innerhalb des Systems nicht zu sehr gefährden. Doch er ist kein guter Redner und wird deshalb Schwierigkeiten haben, schmerzliche Zugeständnisse – die er sicherlich machen müsste – öffentlich zu rechtfertigen.

Verwirrung in Iran: Kommen die Verhandlungen?

Auf die Behauptung Trumps, es gebe Gespräche zwischen den USA und Iran, sprach Ghalibaf von „Fake News“. Diese würden „genutzt, um die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren“.

Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim schreibt: Weil Trump unfähig sei, sein Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus durchzusetzen, habe er eine verbale „Zeitbombe“ gezündet, um Verwirrung zu stiften. Diese „Bombe“ über eine angeblich heimliche Verhandlung sei aber fehlgeschlagen. Nicht nur, weil Ghalibaf, sondern auch andere Organe des Landes dies dementiert hätten.

Doch die Verwirrung ist längst da. Ist Ghalibaf der Verhandler? Und wenn: Hat er die Macht sich im Inneren durchzusetzen?

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