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FC-St.-Pauli-Trainer outet sichChristian Dobrick ist jetzt offen schwul

Christian Dobrick trainiert die U19-Fußballer des FC St. Pauli. Sein Coming-out macht ihn zu einem Pionier, der er nicht sein will.

Als Christian Dobrick ein 19-jähriger Abiturient in Flensburg war, sollte er im Politikunterricht einen Brief an sein zukünftiges Ich schreiben. Die Idee war, den Brief in einen Umschlag zu stecken und zehn Jahre später wieder zu öffnen. Dobrick schwor sich in seinem Brief, dass er in zehn Jahren seine Homosexualität offen leben wollen würde.

Im Mai 2026 sind die zehn Jahre rum. Mit dem Versteckspiel ist jetzt schon Schluss: Dobrick hat sich in einem großen Interview mit dem Magazin Stern geoutet.

Sein Outing schlägt große mediale Wellen: Dobrick ist mittlerweile Trainer der U19 des FC St. Pauli, also der Nachwuchsabteilung, die für die Entwicklung des Bundesliga-Teams große Bedeutung hat. Er ist der erste Trainer aus dem Stab eines Bundesligavereins, der den Schritt eines öffentlichen Coming-outs geht.

Nach wie vor ist Homosexualität im Profifußball der Männer ein Tabu, etwas, das nur als Beschimpfung vorkommt. Öffentlich geoutet haben sich bisher lediglich ein paar wenige Akteure und wenn, dann immer erst nach Karriereende. Der bekannteste darunter ist der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger.

Klopp-Zitat zum Berufsmotto gemacht

Bei Dobrick liegt der Fall anders, er hat seine Karriere noch vor sich. Angefangen hat er mit 20 als Jugendtrainer bei Holstein Kiel. Nach vier Jahren wechselte er zur TSG Hoffenheim und dann in die Jugendakademie von RB Salzburg. Dort dozierte Jürgen Klopp, von dem ein Satz bei Dobrick so haften blieb, dass er ihn zu seinem Berufsmotto gemacht habe, nämlich: „Du kannst als Trainer sein, wer du willst, aber du musst für etwas stehen. Du musst du selbst sein.“

Dobrick versteht das so: „Ich kann als Trainer nur erfolgreich sein, wenn ich authentisch bin. Spieler spüren es, wenn du nur ein Rollenspiel abziehst.“ Ferner merkte er, wie viel Kraft es ihn kostete, seine Homosexualität geheim zu halten – Kraft, die er braucht, um sein Ziel einer Karriere im Profibereich zu erreichen.

Befördert wird der Mut, sich zu outen, von einer Widerstandskraft, die bei Dobrick noch ganz andere Wurzeln hat. Dobrick fehlt seit seiner Geburt der linke Unterarm. Er hat eine Kindheit erlebt, in der seine Behinderung ständig Thema war, die entsprechenden Diskriminierungserfahrungen inklusive: „Es gab Phasen, da wollte ich morgens nicht aufstehen und zur Schule gehen, weil ich wusste, was dort auf mich wartet: fiese Sprüche, Mobbing, das komplette Programm“, sagte er dem Stern. „Trotzdem bin ich hingegangen. Keine schöne Zeit, aber sie hat mich abgehärtet.“

Ich bin ein Trainer, der zufällig schwul ist, und möchte allein an fachlichen Kriterien gemessen werden, an Punkten und Toren. So wie alle anderen Trainer auch.

Christian Dobrick, Trainer der U19 beim FC St. Pauli

Sportlich betrachtet führte seine Behinderung dazu, Fußball als Denksport zu begreifen. Da er seine körperlichen Defizite auf dem Feld kaschieren musste, habe er „das Spiel in seine Einzelheiten zerlegt und analysiert“. Oft „wusste ich früh, wohin der Ball kommt und wie ich ihn abschirmen muss“.

Seine Diskriminierungserfahrungen aus früher Kindheit haben ihn abgehärtet, sagt er. Der Gegenwind nach dem Outing wird kommen. Vom FC St. Pauli, dem Verein mit Antifa- und Regenbogen-DNA, gibt es aber erwartungsgemäß erst mal Rückendeckung für Dobrick: „Als FC St. Pauli stehen wir selbstverständlich hinter ihm und seinem Coming-out.“

An der im Profifußball üblichen, knüppelharten Leistungsorientierung bei der Bewertung von Dobricks Arbeit wird das nichts ändern. Was auch unbedingt so sein muss: „Ich bin ein Trainer, der zufällig schwul ist, und möchte allein an fachlichen Kriterien gemessen werden, an Punkten und Toren. So wie alle anderen Trainer auch.“

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