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Kölner DomDas ist unser Haus

Der Kölner Dom soll bald Eintritt kosten, in einer der reichsten katholischen Diözesen der Welt. Der Erzbischof sollte vorsichtig sein.

Et kütt, wie et kütt, und et hät noch immer joot jejange! Der Dom zu Kölle Foto: Olga Hompesch/Reijksmuseum/Creative Commons

Und dann weint der Mann, und weint und weint und weint. Der Kölner Kunsthändler Sulpiz Boisserée hatte Himmel und Erde in Bewegung gesetzt für seinen großen Traum – 600 Jahre nach Baubeginn wollte er die turmlose Kirchenruine am Rheinufer vollenden zum Dom. Am 4. September 1842 dann ging es endlich los, sogar der König war zur Grundsteinlegung gekommen. „Das Gefühl überwältigt mich“, notiert Boisserée in seinem Tagebuch, „und bricht in einem Strom von Thränen aus“. Doch in die Freude mischt sich noch etwas anderes. Auf den zum Baustart errichteten Sitzreihen sind viele Plätze frei geblieben. „Die Tribünen sind leer, weil der Eintritt zu teuer gehalten.“ 184 Jahre ist das jetzt her.

Dass das Kölner Domkapitel plant, ab Juli 2026 Eintritt zu nehmen für den Besuch der Kathedrale, könnte eine rheinländische Lokaldebatte sein. Aber die Ankündigung wird diskutiert von Kanada bis Korea. Was ist da eigentlich los in Köln, einer der reichsten katholischen Diözesen der Welt?

Begonnen 1248, kam der Dombau im 16. Jahrhundert zum Stillstand. Die Kassen waren klamm, der gotische Baustil wurde als „unmodern“ empfunden. Den riesigen Innenraum richteten die Köl­ne­r:in­nen notdürftig für die Messe her, der Baukran auf dem halbfertigen Südturm geriet über 300 Jahre zum Wahrzeichen.

Dann kam die Romantik. Mittelalterliche Gotik galt plötzlich wieder als schick und als ungemein deutsch. Dass die Vorbilder des Kölner Doms allesamt in Frankreich standen, konnte Goethe und auch Boisserée nicht daran hindern, die Kathedrale am Rhein als Sinnbild für Deutschland zu sehen. So wie die Steine des Doms sollten die deutschen Lande zu einer Nation zusammengemörtelt werden.

Doch es gab keinen Plan. Alle ursprünglichen Zeichnungen waren verloren gegangen, Boisserée, ein Hobby-Historiker, entwarf deshalb Phantasietürme für die Kölner Kathedrale. Dann tauchte auf einem Dachboden in Darmstadt eine Hälfte des zerrissenen mittelalterlichen Bauplans auf – und in Paris die andere. Blieb noch das zweite große Problem. Wo sollten die 6,6 Millionen Taler für den Bau herkommen, also rund eine Milliarde Euro?

Um die Finanzierung anzukurbeln, gab Boisserée Stiche heraus, als eine Art Rendering des vollendeten Doms. Die Begeisterung für das Projekt wuchs durch diese Bilder und aus dem ganzen deutschsprachigen Raum trafen Spenden ein. Verwaltet wurden sie vom neugegründeten Zentral-Dombau-Verein. Auch der preußische König gab Geld und als selbst das nicht reichte, starteten die Dom-Aficionados eine einträgliche Lotterie. Manche Kirchenleute fanden das Dom-Glücksspiel höchst unanständig. Das hatte es noch nie gegeben!

Auch am Bau kamen hinter der gotischen Fassade ganz neue Techniken zum Einsatz. Der Dachstuhl des Kölner Doms war vor Errichtung des Eiffelturms die größte Stahlkonstruktion der Welt.

Sulpiz Boisserée starb 1854, er erlebte die Vollendung des Domes 1880 nicht mehr, musste aber auch nicht mehr mit ansehen, wie die nachfolgenden Preußenkönige sein Projekt politisch missbrauchten. Auch den Horror, den die schließlich vereinte deutsche Nation im 20. Jahrhundert über die Welt brachte, erlebte er nicht. Und Göttin sei Dank muss er nicht mit ansehen, wie Kölner Kirchenfürsten jetzt sein Bürgerprojekt kommerzialisieren möchten.

Das Erzbistum Köln soll Ende 2024 drei Milliarden Euro zur freien Verfügung gehabt haben, geschöpft aus Wertpapieren, Immobilien und der Kirchensteuer. Letztere ist aufgrund vieler Austritte zurückgegangen. Der Grund: ein vertuschender und lügender Erzbischof. Doch es gibt ja auch noch die öffentliche Hand.

Mindestens 15.612 Euro im Monat überweist das Land NRW allein als Gehalt für Kardinal Rainer Maria Woelki. Das ist nur ein kleiner Teil der sogenannten Staatskirchenleistungen, die eigentlich Entschädigung für Verstaatlichungen im 19. Jahrhundert sind. Schon die Weimarer Reichsverfassung sah 1919 ein Ende dieser Zahlungen vor, das Grundgesetz 1949 auch. Doch bisher ist keine Bundestagsmehrheit das Thema angegangen.

Der Erzbischof und sein Domkapitel sollten vorsichtig sein. Der Dom gehört allen, er war nie nur für Gottesdienste da. Er ist einer der wenigen nicht kommerziellen Orte im Stadtzentrum. Er ist kein Deutschdings mehr, sondern Weltkulturerbe. Bür­ge­r:in­nen von nah und fern haben ihn vollendetet, ihnen sollte er offen stehen. Nicht, dass sich die Eintrittsdebatte noch auswächst zu einer über staatliche Finanzierung der Kirchen. Und nicht, dass am Ende einer weint.

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14 Kommentare

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  • 15.612 Euro im Monat als Gehalt für einen, der nach dem Vorbild Jesu in Armut leben zu wollen vorgibt?! Welche Glaubwürdigkeit soll diese Kirche haben? Ich versteh nicht, dass das Kirchenvolk das duldet...

    • @miri:

      Es ist ja nicht nur das Kirchenvolk: wir alle zahlen mit, ob wir zu dem Club gehören oder nicht. Ich finde das noch viel schlimmer.

  • Für Gottesdienste wird weiterhin kein Eintritt verlangt. Touristen können gerne bezahlen.

  • Wo der Pfaffe in die Irre geht, hat der Laie noch lange nicht recht. Wie ein Breitmaulfrosch richtigerweise zu Protokoll gibt, gehört der Dom sich selbst. Da die Hohe Domkirche zu Köln sich nicht um sich selbst kümmern kann, vertritt das Domkapitel sein Interessen. Dem gehören 12 Männer aus dem Umfeld der katholischen Kirche, aber nicht der Kardinal Woelki.

    M.E. kann der ganze Dom als Fake-Gotik weg und Platz z.B. für Obdachlosenunterkünfte machen. Die im Dom gehorteten Schätze sollten verkauft und der Erlös in Schadensersatzleistungen an Opfer der Kirche hier und weltweit fließen.

    • @DemokratischeZelleEins:

      Schrieben Sie das auch für, sagen wir, edle buddhistische Tempel mit Missbrauchshintergrund? Plattmachen?

      Dass eine arme wie solidarische Kirche eher im Sinne des Religionsstifters wäre: unbenommen. Eine brüderliche Gemeinschaft auch so wäre ja schon mal ein Vorbild.

  • Eine kleine Information: Der Kölner Erzbischof hat dazu gar nichts zu sagen. Der Kölner Dom gehört sich selbst und Entscheidungen trifft das Domkapitel.

    So wurde z.B. das berühmte Richter- Fenster gegen den ausdrücklichen Willen von Kardinal Meissner realisiert.

  • Der Dom gehört gar nicht der katholischen Kirche oder dem Erzbischof. Er gehört sich selbst. Bestes Beispiel: Das Domkapitel setzte Richters Fenster durch, gegen Kardinal Meisners offenes Wüten.

    Die Grundsatzentscheidung wird sein: Der grandiose Kölner Dom als das Gotteshaus, als das er geplant war, oder als Museum, das er derzeit schon mehrheitlich ist. Solange der "FC"-Gottesdienst den Dom mehrfach füllen würde, sollte die Rolle als Gotteshaus wohl nicht vergessen werden. Das kann auch Eintritt einschließen.



    Kölns andere Kirchen sind auch besuchenswert: Groß St. Martin, Aposteln, Maria im Kapitol, generell die romanischen Kirchen, die schon Böll als viel menschlicher empfand als den preußisch-antifranzösischen Dom.

  • Einzige Reaktion kann nur sein, geht nicht mehr rein! Dieser ganze Religionsumpf, samt seiner Gebäude kann einem sowieso gestohlen bleiben.

    • @snowgoose:

      Ein großer Teil des Doms wurde zu einer Zeit gebaut, als an unsere heutigen technischen Mittel noch nicht einmal zu denken war. Ich, selbst Atheistin, besuche solche Gebäude, um ein Stück Kulturgeschichte zu bewundern und den Leistungen der damaligen Handwerker meinen Respekt zu zollen.

    • @snowgoose:

      Das ist Ihre Sicht. Andere werden sogar die Bibel durcharbeiten, um dieses erstklassige steinerne Buch, diesen großen Schrein für die Magoi aus dem Osten lesen zu können. Das ist Allgemeinwesen hierzulande.



      Mitglied muss mensch ja nicht werden.

  • "Mindestens 15.612 Euro im Monat überweist das Land NRW allein als Gehalt für Kardinal Rainer Maria Woelki."

    Leider ist das kein Witz, sondern bittere Realität.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Hätte mensch damals nicht enteignet.



      Oder den Eigentumsschutz nicht als einen der Heiligtümer.



      Oder als neuer NS-Staat die Anerkennung durch den Vatikan gewollt.



      Oder inzwischen dies ausgezahlt.



      Oder belegt, dass es über die Jahre längst ausgezahlt ist.

      • @Janix:

        "Hätte mensch damals nicht enteignet."

        Ich würde den damaligen Vorgang eher als Beschlagnahmung von Mafiabesitz bezeichnen. Der große Skandal ist ja, dass deutsche Regierungen tatsächlich dachten und denken, eine Entschädigung wäre notwendig. Unsere Nachbarn sehen so etwas völlig anders.

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Siehe Satz 2 oben. Das Privateigentum in einer sehr starken Form ist in römischer (nicht römisch-katholischer) Tradition heilig.