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Asyl für iranische FußballerinnenDrama vor dem Rückflug

Australien stattet fünf iranische Fußballerinnen während des Asia Cups mit einem humanitären Visum aus. In ihrer Heimat gelten sie als Verräterinnen.

Fünf junge Frauen sitzen im Halbkreis dicht nebeneinander, ihre Körperhaltung wirkt angespannt, ihre Hände sind gefaltet. Sie blicken auf einen Tisch mit Papieren, die gerade unterzeichnet werden. Die Fotos, die das australische Innenministerium veröffentlicht hat, bringen eine große Dramatik zum Ausdruck. Sie zeigen, wie Innenminister Tony Burke fünf iranischen Fußballnationalspielerinnen ein humanitäres Visum für Australien bewilligt. Und sie lassen erahnen, dass die Spielerinnen dadurch dem Gefängnis in ihrer Heimat entgehen.

Es waren turbulente Tage für die iranischen Fußballerinnen, die seit Anfang März an der Asienmeisterschaft in Australien teilgenommen haben, fast zeitgleich mit dem Krieg der USA und Israels in Iran. Vor ihrem ersten Spiel gegen Südkorea verzichteten sie auf das Singen der Hymne. Medien in vielen Ländern beschrieben sie als mutige Frauen, die gegen das Regime in Teheran ein Zeichen setzen.

Doch im iranischen Staatsfernsehen wurden sie als Verräterinnen bezeichnet. „In Kriegszeiten ist es der Gipfel der Schamlosigkeit und des Verrats, dorthin zu gehen und sich zu weigern, die Nationalhymne zu singen“, sagte der Moderator Mohammad Reza Shahbazi. „Die Schande dieses schamlosen Verrats sollte auf ihren Schultern lasten, und sie müssen angemessen bestraft werden, damit andere daraus eine Warnung ziehen.“

Die Liste der iranischen Sportlerinnen und Sportler ist lang, die in den vergangenen Jahrzehnten verhaftet, gefoltert und enteignet wurden. Mehrere Athleten, die an Protesten teilnahmen, etwa der Ringer Navid Afkari oder der Karateka Mohammad Mehdi Karami, wurden hingerichtet. Dieser Druck scheint auch auf die iranischen Fußballerinnen bei der Asienmeisterschaft gewirkt zu haben. Vor ihrem zweiten Spiel gegen Australien und ihrem dritten Spiel gegen die Philippinen sangen sie die Nationalhymne und salutierten dabei.

Trump fordert Asyl für die Spielerinnen

Während des Turniers dominierte dieses Thema die australischen Medien. Menschenrechtler wollten Kontakt zu den iranischen Spielerinnen aufnehmen, wurden jedoch von deren Begleitern abgewiesen. In den sozialen Medien kursierten Fotos und Videos von Spielerinnen, die womöglich die Delegation verlassen wollten und um Hilfe ersuchten. Die Lage spitze sich am Montagabend zu, als US-Präsident Donald Trump auf „Truth Social“ ein Asyl für die Spielerinnen in Australien forderte, notfalls würde er es ihnen in den USA gewähren. Auch Reza Pahlavi, der Sohn des Schahs, forderte Schutz für die Frauen.

Die restlichen Mitglieder des iranischen Teams brachen am Dienstag zum Flughafen in Gold Coast auf

Die australische Regierung hielt sich noch bedeckt, da sie offenbar an den Formalitäten und der Sicherheitsüberprüfung arbeitete. Am Dienstagmorgen, 1:30 Uhr Ortszeit, konnte Innenminister Burke die Asylanträge für fünf Spielerinnen unterzeichnen, darunter für Kapitänin Zahra Ghanbari. „Diese Frauen sind großartige Sportlerinnen, großartige Menschen, und sie werden sich in Australien sehr wohlfühlen“, sagte Burke.

Der iranische Fußballverband ist seit Jahrzehnten mit den Revolutionsgarden verbunden. Auch die Fußballerinnen in Australien wurden eng von Sicherheitskräften begleitet, ihre Kommunikation in die Heimat wurde wahrscheinlich überwacht. Dennoch kamen australische Beamte im Teamhotel mit den Frauen ins Gespräch. In einem privaten Raum klärte die Migrationsbeauftragte Naghmeh Danai die fünf Spielerinnen über ihr Recht auf Asyl auf.

In einem Interview mit dem australischen Fernsehsender ABC News beschrieb Naghmeh Danai die Angst und Unwissenheit der Spielerinnen. Offenbar hatten deren Familien in Iran Drohanrufe erhalten. „Meiner Beobachtung nach sind sie jung und unschuldig“, sagte Danai. „Sie konnten sich gar nicht vorstellen, was ihnen alles passieren könnte, wenn sie zurückkehren würden.“

Die restlichen Mitglieder des iranischen Teams brachen am Dienstag zum Flughafen in Gold Coast auf. Dutzende Demonstranten wollten den Bus aufhalten. Einige legten sich quer auf die Straße, andere riefen: „Rettet unsere Mädchen“. Auch der australische Premierminister Anthony Albanese sicherte seine Unterstützung für Spielerinnen zu, die ebenfalls Asyl beantragen wollen.

Trotzdem entzündete sich in Australien eine Debatte über den Schutz der Spielerinnen. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Craig Foster, der sich mittlerweile für Geflüchtete einsetzt, forderte eine unabhängige Rechtsberatung für die Iranerinnen. Beau Busch, Geschäftsführer der Aktiven-Gewerkschaft Fifpro in Asien und Ozeanien, kritisierte die Behörden für ihr spätes Handeln.

Die iranischstämmige Frauenrechtsaktivistin Nos Hosseini etwa forderte den Piloten und die Besatzungsmitglieder dazu auf, die Spielerinnen an der Abreise zu hindern. Der Weltfußballverband Fifa und der asiatische Fußballverband AFC hielten sich mit klaren Positionen abermals zurück.

Die fünf Spielerinnen, denen Asyl gewährt wurde, dürften sich vorerst sicher fühlen. Sie haben das Angebot erhalten, sich beim lokalen Klub Brisbane Roar fit zu halten.

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5 Kommentare

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  • "In ihrer Heimat gelten sie als Verräterinnen."

    Ich bin mir sehr sicher, dass dieser Satz nicht stimmt. Es müsste eher heißen: "Für das Regime ihrer Heimat sind sie Verräterinnen." Ich wünschte, Sie würden da genauer differenzieren - denn oft genug wird im "Westen" die Propaganda dieses mörderischen Regimes gleichgesetzt mit der Meinung der Iraner - das wird dem Volk jetzt mehr denn je nicht gerecht.

  • Es ist gut, dass dieser Fall daran erinnert, warum Asyl einmal erfunden worden ist.

  • Ich freue mich für die fünf Sportlerinnen und hoffe sehr, dass ihre Familien im Iran nicht zu hart bestraft werden. Und meiner Meinung nach ist es toll, dass sie auf einem der Fotos ihre Haare nicht bedecken, was in ihrem Herkunftsland dazu führen könnte, dass sie totgeschlagen oder von einer Sittenwächterin unter einen Zug gestoßen werden.

    Ich wünsche den fünf Frauen alles Gute und viel Erfolg.

  • Gerettet! Die hätte im Iran nichts Gutes erwartet!

  • Na geht doch! Wenn Australien nun noch mit Bootsflüchtlingen auch so umgehen würde, wäre das Vorbildlich. Doch soetwas wollen vermutlich nur Deutsche sein?