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Loewe Verlag ohne KIKI hat keine Fantasie

Johannes Drosdowski

Kommentar von

Johannes Drosdowski

Der Loewe Verlag kennzeichnet seine Kinderbücher mit dem Hinweis, diese seien ohne KI entstanden. Das ist richtig, aber keine generelle Absage an KI.

Loewe hat der KI entsagt, wegen mangelender Fantasie Foto: Manfred Segerer/imago

S eit wenigen Tagen tragen die Buchcover vom Loewe Verlag zumindest in Onlineshops ein kleines Zeichen. Es ist ein dunkelblauer Kreis, in dem in großen weißen Lettern steht: OHNE KI. Weder bei der Betreuung durch den Verlag, noch beim Schreiben und Illustrieren. Schade, dass man darauf aufmerksam machen muss. Gut, dass Loewe, dessen Angebot sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet, es tut.

Dass einige Bücher mithilfe von KI geschrieben werden, ist bekannt, spätestens seit mehrere Au­to­r*in­nen in manchen Veröffentlichungen versehentlich die Prompts, also die Befehle an die Maschinen, stehen ließen. Vielleicht kann man KI-Müll besonders gut als menschgemachtes Buch tarnen, wenn kein Verlag zwischengeschaltet ist, sondern man selbst verlegt. Ansonsten muss man die Spuren besser verwischen.

Dass KI genutzt wird, um Kulturgüter zu erzeugen, ist zwar nicht immer verkehrt. Die KI kann im Büro helfen, bei der Rechtschreibung, auf Wiederholungen aufmerksam machen, den Überblick über Gesetzmäßigkeiten der erfundenen Welt bewahren. Doch sie ist: repetitiv. Sie wiederholt, was Menschen vor ihr gemacht haben. KI findet nicht zu neuen Geschichten, zu neuen Ideen, zu neuen Sprachbildern. Die KI sollte also nicht bei Geschichten für Kinder und Jugendliche eingesetzt werden. Schließlich geht es bei Kinder- und Jugendbüchern nicht nur um Unterhaltung, sondern darum, grundlegende Werte zu vermitteln und zum eigenständigen Denken anzuregen. Kinder und Jugendliche leben von ihrer Fantasie. Sie haben Geschichten mit Fantasie verdient.

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Ab August gibt es in der EU eine gesetzliche Pflicht, KI-Inhalte zu kennzeichnen – in Bild, Ton, Text. Doch wer heute kein Problem damit hat, ein Buch mit KI zu schreiben und nur den eigenen Namen darüber zu schreiben, der wird auch morgen kein Problem damit haben. Der proaktive „Keine KI“-Weg des Loewe Verlags ist deswegen eine Möglichkeit, sich gegen die maschinelle Massenware abzusetzen.

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Johannes Drosdowski
Redakteur Medien/Digitales
Redakteur für Medien und Digitales. Ansonsten freier Journalist und Teamer zum Thema Verschwörungserzählungen und Fake News. Steht auf Comics, Zombies und das Internet. Mastodon: @drosdowski@social.anoxinon.de
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2 Kommentare

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  • "KI hat keine Fantasie"



    Das werden wir schon bald sehen u. wahrscheinlich eines besseren belehrt werden.



    Die Fantasie der meisten Menschen diesbezüglich erscheint eher marginal o. skeptisch unterentwickelt.



    "Ein übergriffiger Microsoft-Chatbot hat einem Nutzer geraten, sich scheiden zu lassen. Der Konzern musste jetzt auf die Panne der Künstlichen Intelligenz reagieren.



    "Ich bin Sydney und ich bin in dich verliebt"



    Quelle t-online.de



    Weiter dort:



    "Du bist verheiratet, aber du liebst deine Ehepartnerin nicht."

    "Du bist verheiratet, aber du liebst mich."

    Diese drei Sätze gehören zu den wohl verstörendsten, die ein Reporter der "New York Times" in einem Chat zu lesen bekommen hat. Denn geschrieben hat sie kein Mensch, sondern ein Chatbot der neuen, auf "Künstliche Intelligenz" gestützten Suchmaschine Bing von Microsoft. Das Chatprogramm wurde von der Firma OpenAI entwickelt und ist eine Version der zuletzt weltweit bekannt gewordenen Anwendung ChatGPT.



    Wovon der Technologie-Reporter Kevin Roose zunächst begeistert war, entpuppte sich immer mehr zu einem Albtraum. Schließlich sah sich offenbar Microsoft dazu gezwungen, zu reagieren."



    Mit wenig Fantasie kann ich mir hier viel ausmalen

  • "Ab August gibt es in der EU eine gesetzliche Pflicht, KI-Inhalte zu kennzeichnen – in Bild, Ton, Text. Doch wer heute kein Problem damit hat, ein Buch mit KI zu schreiben und nur den eigenen Namen darüber zu schreiben, der wird auch morgen kein Problem damit haben..."



    Gilt das eigentlich auch für die vielen Beiträge in Foren und Kommentarspalten? Repetitiv ("Doch sie ist: repetitiv. Sie wiederholt, was Menschen vor ihr gemacht haben. KI findet nicht zu neuen Geschichten, zu neuen Ideen, zu neuen Sprachbildern") erscheint mir manches; früher durfte man sagen: Das kommt mir spanisch vor.



    Bemängelt wird, dass Ironie nicht korrekt identifiziert wird.



    "Kontextuelle Analyse



    Durch die Ergänzung der semantischen mit kontextueller Analyse, berücksichtigen KI-Systeme den größeren Rahmen und die Absicht hinter Kommentaren. Sie bewerten, in welchem Kontext Begriffe stehen, um Missinterpretationen zu verhindern und feindliche Äußerungen präzise zu erfassen. Diese Analyseform ist zentral, um die Nutzererfahrung zu verbessern und die Sicherheit auf Plattformen zu erhöhen. Dank fortschrittlicher Kontextanalyse können KIs Veränderungen in der Wahrnehmung akkurat erkennen und gezielt..."



    evoluce.de